Vom Sound­track zum ei­ge­nen Le­bens-Film

Vie­le Au­to­ren lie­ben es ver­träumt und me­lan­cho­lisch. An­de­re be­vor­zu­gen Thea­ter­don­ner und gro­ßen Rumms

In München - - LITERATUR -

In der New Yor­ker Car­ne­gie Hall wird ein Vio­lin­kon­zert auf­ge­führt, da kommt es zu ei­nem Eklat. Der Gei­gen­vir­tuo­se Las­ter soll ein So­lo im­pro­vi­sie­ren, doch statt­des­sen legt er sein In­stru­ment nie­der und hebt an zu ei­ner Hom­mage an Schnei­der­mann, den Kom­po­nis­ten des Stücks. Die gan­ze Nacht fes­selt er sein Pu­bli­kum mit ei­nem Lob­lied der Freund­schaft, ge­zeich­net durch den Ho­lo­caust und das Exil in Ame­ri­ka. Jos­hua Co­hen be­glei­te­te Do­nald Trump im Vor­wahl­kampf, um ihn hin­ter­her in sei­nen Es­says zu ana­ly­sie­ren, und ver­gleicht ame­ri­ka­ni­sche Po­li­ti­ker mit li­te­ra­ri­schen Fi­gu­ren. Ne­ben sei­ner po­li­ti­schen Stim­me wird nun auch sei­ne mu­si­ka­li­sche laut: Als Ab­sol­vent der Man­hat­tan School of Mu­sic lässt er den Le­ser in sei­nem De­büt­ro­man „So­lo für Schnei­der­mann“in die Mu­sik­sze­ne ein­tau­chen. Ein Pro­safeu­er­werk über Mu­sik und Freund­schaft, ein un­ge­wöhn­li­ches Künst­ler­por­trät und zugleich ei­ne wil­de Ti­ra­de vol­ler ko­mi­scher Mo­men­te. (Li­te­ra­tur­haus, 24.11.)

Se­bas­ti­an Fit­zek, dem pro­mo­vier­ten Ju­ris­ten, Best­sel­ler-Au­tor und lang­jäh­ri­gen Ra­dio-Ma­cher, ist es na­tür­lich sehr wich­tig, dass man genau weiß, wer er ist. Sei­ne Fans fei­ern ihn wie ei­nen Star, von der Kri­tik fühlt er sich miss­ver­stan­den. Und trotz­dem gibt es ja kaum ei­nen an­de­ren, der wie er die ganz gro­ße Hal­le füllt. Dort, wo sonst die Mu­sik-Su­per­he­ro­en to­ben, ver­wan­delt Fit­zek die Büh­ne in ei­ne opu­lent „Ju­bi­lä­ums­show – 10 Jah­re Fit­zek“. Im Ge­päck hat er mit „Das Pa­ket“nicht nur den neu­es­ten sei­ner Psy­cho­thril­ler, die ins­ge­samt in 24 Spra­chen über­setzt wur­den und es auf ei­ne Ge­samt­auf­la­ge von rund acht Mil­lio­nen ver­kauf­ten Ex­em­pla­ren brin­gen. Für die Live-Le­sung hat er so­gar ei­nen Sound­track kom­po­nie­ren las­sen, für den sich die Band Buf­fer Un­der­run ins Zeug legt. „Ab­sa­gen, Nie­der­la­gen, Rück­schlä­ge sind die ganz na­tür­li­chen und not­wen­di­gen Be­stand­tei­le je­der gu­ten Sto­ry, so auch der des ei­ge­nen Le­bens“, kom­men­tiert er sei­nen Auf­stieg, der sehr steil und eben auch durch­aus be­schwer­lich war. (Ze­nith, 20.11.)

Wenn’s un­ge­müt­lich und an­stren- Und die woll­tenihn gar nicht mehr zie­hen gend wird, kommt Den­nis Gast- las­sen. (Volks­thea­ter, 22.11.) mann erst so rich­tig auf Be­triebs­tem­pe­ra­tur. Das war schon so, als er für Kopf-Welt­rei­sen un­ter­nimmt C. „Gang nach Ca­nos­sa“per Pedes von Bernd Su­cher am liebs­ten. Und wenn Ham­burg über die Al­pen nach Ita­li­en man da­bei ge­müt­lich in ei­nem Thea­ter­ses­sel wan­der­te. Zu­letzt war der ewig Rast- sit­zen und in der Pau­se ein kul­ti­vier­tes Kalt­ge­tränk zu sich neh­men kann, ist ihm das noch lie­ber. Dem be­gna­de­ten Büh­nen-Un­ter­hal­ter er­schien die Zeit reif, sei­ne Weis­hei­ten mal wie­der zu­sam­men­zu­tra-gen. Her­aus­ge­kom­men ist ei­ne „Schu­le der Wahr­neh­mun­gen“, die er „Wie es euch ge­fällt – Der klei­ne Thea­ter­ver­ste­her“nennt. Mit der möch­te er sei­ne Le­ser da­zu ver­füh­ren, sich ei­ge­ne Ur­tei­le über Auf­füh­run­gen zu­zu­trau­en. Be­glei­tet wird er bei der Buch­vor­stel­lung im schö­nen Gar­ten­saal un­ter an­de­rem von dem Dich­ter Al­bert Os­ter­mai­er. (Prinz­re­gen­ten­thea­ter, 29.11.) lo­se wie­der viel un­ter­wegs, schwamm mit Hai­en in Pa­lau, der welt­weit ers­ten Hai­schutz­zo­ne, ließ sich zum letz­ten Kai­ser von La­do­ni­en krö­nen und such­te die Lie­be in Trans­nis­tri­en, dem gott­ver­las­se­nen Ma­fia­staat, wo Be­su­chern ehr­lich ge­ra­ten wird: „Fah­ren Sie lie­ber nach Spa­ni­en“. Gast­mann zie­hen die Rän­der der Zi­vi­li­sa­ti­on ma­gisch an. Er will die letz­ten fast un­ent­deck­ten Fle­cken der Er­de er­kun­den. So führ­ten ihn sei­ne Rei­sen auch nach Pit­cairn, ei­nem Fel­sen in der Süd­see, auf dem die letz­ten Nach­fah­ren der Meu­te­rer der „Boun­ty“le­ben.

Gro­ßes Kopf-Ki­no setzt re­gel­mä­ßig ein, wenn die be­lieb­ten Slam-Büh­nen die­ser Stadt ih­re Gäs­te ans Mi­kro las­sen. Pier­re Ja­ra­wan und Ko By­lanz­ky ha­ben wie­der Hoch­ka­rä­ter für den neu­es­ten Isar Slam zu­sam­men­ge­trom­melt. (Am­pe­re, 22.11.). We­ni­ge Ta­ge spä­ter geht es beim Münch­ner Poe­try-Slam, mo­de­riert eben­falls von Ko By­lanz­ky, zu­sam­men mit Lo­kal­ma­ta­dor Bu­mil­lo, bei der Münch­ner Stadt­meis­ter­schaft wei­ter. (Volks­thea­ter, 26.11.) Ru­pert Som­mer

Will lie­ber ganz weit weg: DEN­NIS GAST­MANN

Braucht die ganz gro­ße Büh­ne: SE­BAS­TI­AN FIT­ZEK

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