Ma­schi­nen­gefum­mel

Ita­li­en, ein Schätz­chen, ei­ne Bi­lanz, die Schön­heit, Ro­bo­ter und Au­to­bah­nen

In München - - AUSSTELLUNGEN - Pa­sin­ger Fa­b­rik Kunst­ver­ein Mün­chen

Na­tür­lich ist in Ita­li­en nicht al­les bes­ser. Aber vie­les. Auf je­den Fall aber das Wet­ter und das Es­sen. Ja, un­se­re deut­sche Ita­li­en­sehn­sucht ist se­lek­tiv, aber spä­tes­tens seit der Re­nais­sance fes­ter Be­stand­teil des kol­lek­ti­ven Emp­fin­dens. „Kein Wun­der“platzt es un­ge­hal­ten aus ei­nem her­aus, wäh­rend man knie­tief durch die grau­nass­kal­ten Ne­bel­ta­ge wa­tet. In­so­fern hat die den Zeit­punkt für die Aus­stel­lung Die Ita­lie­ner (Frei­tag, 2. De­zem­ber, bis Sonn­tag, 22. Ja­nu­ar) gut ge­wählt. Mit­ten im deut­schen Win­ter, al­so genau dann, wenn man sich täg­lich fragt, war­um man ei­gent­lich kein Ita­lie­ner ist. Raf­fae­le Cel­en­ta­no ist Ita­lie­ner, ge­bo­ren wur­de er 1962 in Sor­ren­to. Seit 1986 wohnt Cel­en­ta­no in Mün­chen, die Fo­to­gra­fie hat er aber schon vor­her ent­deckt. Ein Bild von ihm kennt so ziem­lich je­der: Ei­ne jun­ge, ita­lie­ni­sche, lang­haa­ri­ge und lang­bei­ni­ge Frau schiebt ih­ren klei­nen Fi­at an. Zwei jun­ge, selbst­lo­se, ita­lie­ni­sche Män­ner hel­fen, den rut­schen­den Mi­ni­rock fest im Blick. Ein biss­chen Strie­zitum, viel Le­bens­freu­de, Son­ne, ech­te Men­schen, Post­kar­ten­land­schaf­ten – so zeigt uns Cel­en­ta­no sei­ne Hei­mat. Oft sti­li­siert und kit­schig und meis­tens ziem­lich nah dran an un­se­rem Ita­li­en­sehn­suchts­bild.

Der­zeit kann man in der Pa­sin­ger Fa­b­rik nicht nur nach Ita­li­en son­dern auch in die Ver­gan­gen­heit rei­sen. Zur Sa­che Schätz­chen (Don­ners­tag, 1. De­zem­ber, bis Sonn­tag, 29. Ja­nu­ar) heißt die Aus­stel­lung. An­lass ist der 50. Ge­burts­tag des le­gen­dä­ren Films. War­um le­gen­där? Weil an der Isar ge­dreht wur­de, weil Uschi Glas aus­sieht wie Ro­my Schnei­ders klei­ne Schwes­ter, weil Re­gis­seur Max Spill ver­sucht hat, die­ses 60er-Jah­re-Le­bens­ge­fühl ein­zu­fan­gen, und da­bei das Fum­meln zur Le­bens­form er­ho­ben hat. Ge­zeigt wer­den die Ori­gi­nal-Ar­ri-Ka­me­ra, Pos­ter, Fo­tos von den Dreh­ar­bei­ten, ein al­ter Schnei­de­tisch … Da­zu kom­men Ar­bei­ten von zehn Künst­lern, die aus heu­ti­ger Sicht auf Äs­t­he­tik und Iko­no­gra­fie des Films re­agie­ren.

Es ist fast schon so ei­ne Art Re­flex: Ge­gen Jah­res­en­de blickt man zu­rück. Auch der macht das. Jah­res­ga­ben (Frei­tag, 2. De­zem­ber, bis Sonn­tag, 11. De­zem­ber) heißt die­se Bi­lanz, und ge­zeigt wer­den Ar­bei­ten von 70 Künst­lern, die in und um Mün­chen le­ben. He­lin Alas ist da­bei, Bo­ban And­jel­ko­vic, Da­vid Blitz, Frie­de­ri­ke Dau­mil­ler, Su­si Gelb oder An­na Mc­Car­thy. Da­zu kom­men die­ses Jahr Scree­nings, Vor­trä­ge und Per­for­man­ces (al­le Ter­mi­ne hier: kunst­ver­ein-mu­en­chen.de). Kom­men und schau­en darf je­der. Kau­fen dür­fen nur Ver­eins­mit­glie­der. Aber prak­ti­scher­wei­se kann man recht spon­tan, zum Bei­spiel wäh­rend des Kaufs, Mit­glied wer­den. Von der je­wei­li­gen Ver­kaufs­sum­me ge­hen 50 Pro­zent an den Künst­ler, 45 Pro­zent be­kommt der Kunst­ver­ein für sei­ne Ak­ti­vi­tä­ten und die rest­li­chen fünf ge­hen an die Künst­ler­so­zi­al­kas­se.

Schön­heit liegt im Au­ge des Be­trach­ters. Mit an­de­ren Wor­ten: Schön­heit ist re­la­tiv. Den­noch gibt es ei­nen Kon­sens dar­über, was wir als schön emp­fin­den. Auch wenn sich die­ser Kon­sens wan­delt, an den Kunst­wer­ken der An­ti­ke ori­en­tie­ren wir uns im­mer wie­der aufs Neue. Das ar­chai­sche Lä­cheln ei­ner Göt­tin, die grie­chi­sche Na­se oder ein voll­endet ge­form­ter Fuß – an­ti­ke Schön­heit fas­zi­niert uns. Und die Künst­ler un­ter

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.