Gurr

Pop wird wie­der po­li­tisch und reißt Maul und Ver­stär­ker auf

In München - - INHALT -

Die­ses Po­wer­trio spielt Mod Rock, und sie sind be­ein­flusst von Bands wie The Jam, The Who und The Clash: The Mo­ve­ment wur­den be­reits im Jahr 2002 in Ko­pen­ha­gen von Lu­kas Scher­fey ge­grün­det. Und jetzt kommt’s: Sie tra­gen An­zü­ge und ih­re po­li­ti­schen Vor­bil­der sind Ro­sa Lu­xem­burg und Karl Marx! Denn der (auch im Sin­ne von Paul Wel­ler) Slo­gan cle­an li­ving un­der dif­fi­cult cir­cum­stan­ces ist ihr Mot­to. Es gibt ei­ne neue Ge­ne­ra­ti­on von Kids, die an po­li­ti­schen Fra­gen in­ter­es­siert sind und die sich ge­gen die glo­ba­len Ef­fek­te des Ka­pi­ta­lis­mus und de­ren Mecha­nis­men zur Aus­beu­tung, Kriegs­füh­rung und Un­ter­drü­ckung weh­ren. Jun­ge Leu­te su­chen nach Wahr­heit und Auf­klä­rung in Zei­ten der to­ta­len Ma­ni­pu­la­ti­on und Lü­gen, The Mo­ve­ment wol­len das Sprach­rohr sein. Mit da­bei: Fuz­zy Vox aus der Nä­he von Pa­ris sind ein Ga­ra­genRock’n‘Roll-Trio, das auch leicht als fran­zö­si­sche Cou­sins der Hi­ves aus Schwe­den durch­ge­hen wür­de. Und Smart Pa­trol aus München in ei­ne „All Star“-Mod-Beat-Band aus Mit­glie­dern von Grup­pen wie Cho­co­la­te Factory, Swin­ging Lon­don, Mer­ricks, Yum­my und Roy­al Fla­res. (20.1. Glo­cken­bach­werk­statt)

Sie woll­ten ma­schi­nel­le Mu­sik mit See­le ma­chen und da­mit zei­gen, dass Mu­sik die Fü­ße, aber auch gleich­zei­tig die Ge­dan­ken be­we­gen kann: I He­art Sharks wa­ren ge­bo­ren. Vie­les hat sich ver­än­dert seit den ers­ten Pro­ben in den nass­kal­ten Ost-Ber­li­ner Kel­lern und lan­gen Näch­ten in Clubs. Sie er­setz­ten auf Hau­s­par­tys den DJ, sa­hen wie die klei­nen Clubs um sie her­um im­mer grö­ßer wur­den und sup­por­te­ten Bands wie Fri­end­ly Fi­res und Kraft­klub. Fes­ti­vals wie Melt, Dock­vil­le bis hin zum South­si­de und Eu­ro­so­nic stan­den an. 2016 dann die Rück­kehr zum In­die-La­bel AdP Re­cor­ds und dem DIYKon­zept, raus aus dem Stu­dio und rein in den Pro­be­raum. Das ak­tu­el­le Al­bum „Hi­dea­way“ist ir­gend­wo zwi­schen Surf-Pop und düs­te­rem Elek­tro an­ge­sie­delt –zwi­schen Ka­li­for­ni­en und Ber­lin, zwi­schen Nost­al­gie und Tag­träu­men. Sup­port: Orii­on (21.1. Strom)

Wer mal wie­der rich­tig ab­fei­ern und da­zu ein paar Bier­chen zi­schen möch­te, ist hier rich­tig: Mit der ty­pi­schen In­stru­men­tie­rung aus Gi­tar­re, Bass und Drums auf der ei­nen, aber auch Du­del­sack, Ak­kor­de­on, Man­do­li­ne und Tin Whist­le auf der an­de­ren Sei­te bret­tern die Drop­kick Mur­phys durch ih­re Songs. Irish-Folk-Punk, Trink­lie­der über die Fol­gen über­mä­ßi­gen Whis­key-Kon­sums, tra­di­tio­nel­le iri­sche Folk­mu­sik und na­tür­lich die ent­schei­den­den Vor­tei­le, in ei­ner har­mo­ni­schen, irisch-stäm­mi­gen Fa­mi­lie auf­zu­wach­sen, ste­hen im Mit­tel­punkt. Wenn es um lau­te, fröh­li­che und trink­fes­te Punk­mu­sik geht, sind und bleibt die 1996 in Bos­ton ge­grün­de­te Band die ers­te Wahl. Der le­gi­ti­me Nach­fol­ger der bri­ti­schen Po­gues aber noch et­was pun­ki­ger und rau­her als die Grup­pe um Sän­ger Sha­ne MacGo­wan. „Si­g­ned And Sea­led In Blood“heißt das letz­te, ach­te Al­bum der Drop­kick Mur­phys, das sich in Deutsch­land bis auf Platz 5 der Al­bumCharts hoch­ro­cken konn­te. (21.1. Ze­nith)

Von Ala­ba­ma zum Glo­cken­bach – die Ani­mal Cra­kers wa­ren in den 1980er Jah­ren ei­ne der in­ter­es­san­tes­ten Bands hier­zu­lan­de und ga­ben ihr De­büt­kon­zert in der kul­ti­gen Ala­ba­ma­hal­le, da­mals ne­ben der Spiel­stät­te in­ter­na­tio­na­ler Bands auch ein Tum­mel­platz für hie­si­ge Grup­pen wie Mo­lo­ko +, Dogs D’Amour, The Mask, FSK und eben den Post­pun­kern Ani­mal Cra­ckers. Zum Re­lease ih­rer Antho­lo­gie die­ser Jah­re „Small Loud Songs (1981-1990)“spielt die For­ma­ti­on um den Puch-Fes­ti­val-Ver­an­stal­ter Lenz Leh­mair nun ihr ers­tes Kon­zert seit Jah­ren und/aber auch an­geb­lich ihr letz­tes Kon­zert. Mit da­bei sind die Nach­fol­ge­band Mo­no­stars und The Sound Of Mo­ney. (24.1. Glo­cken­bach­werk­statt)

Die ha­ben was zu er­zäh­len: Der Schlag­zeu­ger hat sich mit Kat­ja Rie-

mann im Bett ge­filmt und ist aus sei­ner Schau­spiel-Agen­tur ge­flo­gen. Der Bas­sist hat sein Elek­tro-Dings­bums-Stu­di­um ab­ge­bro­chen und sich ein Haus in Pforz­heim ge­kauft. Der Gi­tar­rist ruft re­bel­lisch: „Em­pört Euch!“und geht zur Er­ho­lung Golf spie­len. Und Rai­ner, der Sän­ger, der Na­mens­ge­ber, be­ant­wor­tet mit ei­ner En­gels­ge­duld die im­mer glei­che Fra­ge nach sei­nem Ober­ton-Ge­sang. Rai­ner von Vie­len tra­gen seit rund zehn Jah­ren ih­ren Bas­tard-Pop in die Welt: Vom Ham­bur­ger Ha­fen­klang zum Obe­r­am­mer­gau­er Hei­mat­s­ound, vom Theater Ba­sel zum Wie­ner Pro­test­song­con­test, von der Tat­ort-Ver­to­nung zum Fu­si­on Fes­ti­val. Nun wird das neue Al­bum „Übe­r­all Cha­os“prä­sen­tiert und als in Kemp­ten an­säs­si­ge All­gäu­er ha­ben sich die Bur­schen ih­ren Nach­barn und Kol­le­gen Phi­lip Bra­datsch mit sei­nem Coun­try-Folk als Sup­port ein­ge­la­den. (27.1. Fei­er­werk Han­sa 39)

Die 2006 in Ken­tu­cky ge­grün­de­te For­ma­ti­on Ca­ge The Ele­phant hat sich nicht nur mit ih­ren bis­he­ri­gen drei Al­ben in­ter­na­tio­nal, son­dern auch mit ei­nem eklek­ti­schen Mix aus Ga­ra­gen- und Psy­che­de­lic-Rock der 60er, Punk­rock der 70er und dem In­die und Al­ter­na­ti­ve der 90er in die Her­zen der Rock­fans ge­spielt. Ins­be­son­de­re in En­g­land und den USA blickt die Band auf ge­wal­ti­ge Er­fol­ge, be­flü­gelt durch ei­ne Gram­my-No­mi­nie­rung ih­res bis­lang letz­ten Al­bums „Me­lo­pho­bia“in der Ka­te­go­rie „Best Al­ter­na­ti­ve Re­cord“. Die Band, die be­reits mit Grö­ßen wie den Foo Figh­ters, Mu­se, The Black Keys und Queens of the Sto­ne Age um die Welt tour­te, be­gann das Jahr 2016 di­rekt mit der Ver­öf­fent­li­chung ih­res vier­ten Stu­dio­al­bums „Tell Me I’m Pret­ty“ei­ne Tour, die bis heu­te mit ste­tig wach­sen­den Fan­zah­len fort­ge­setzt wur­de. (29.1. Tech­ni­kum, ver­legt vom Back­s­tage)

Wer die TV-Se­rie „Sons Of An­ar­chy“kennt, der hat be­stimmt auch schon ein­mal den Na­men Ja­kob A. Smith ali­as The Whi­te Buf­fa­lo ge­hört. Der ka­li­for­ni­sche Sän­ger trug mit zahl­rei­chen Songs zum Sound­track der Bi­ker-Se­rie bei, „Co­me Jo­in The Mur­der“wur­de so­gar für ei­nen Em­my in der Ka­te­go­rie „Out­stan­ding Mu­sic and Ly­rics“no­mi­niert. Ge­bo­ren in Eu­ge­ne, Ore­gon und auf­ge­wach­sen in Süd­ka­li­for­ni­en, ist Smith eher Son­ne, Strand und Sur­fen zu­ge­wandt, die Mu­sik kommt spä­ter, aber hat in Se­ri­en wie „Sons of An­ar­chy“und „Ca­li­for­ni­ca­ti­on“ziem­li­chen Er­folg. Mit sei­nem be­reits fünf­ten Al­bum „Lo­ve And The De­ath Of Dam­na­ti­on“be­kommt man nun schwe­re, dunk­le Blues-Num­mern zu hö­ren, be­we­gend und au­then­tisch und im­mer ein biss­chen zum Nach­den­ken an­re­gend. (29.1. Strom)

Ih­re un­ge­mein stim­mi­ge Mi­schung aus Ame­ri­ca­na, Neo-Folk und Coun­try­Pop ist es, die Sho­vels & Ro­pe zu ei­nem der ver­sier­tes­ten Acts die­ses Gen­res wer­den ließ. Hin­ter dem Na­men steckt das ame­ri­ka­ni­sche Ehe­paar Ca­ry Ann He­arst und Micha­el Trent, das seit sei­ner Grün­dung im Jah­re 2008 be­reits zwei­mal den re­nom­mier­ten Ame­ri­ca­na Mu­sic Award ge­win­nen konn­te. Ih­re Li­ve-Per­for­man­ces sind eben­falls mehr als se­hens­wert, denn He­arst und Trent sind Mul­tiIn­stru­men­ta­lis­ten, groß­ar­ti­ge Sän­ger und über­ra­gen­de Ge­schich­ten­er­zäh­ler. Da­bei kommt ih­nen ihr mes­ser­schar­fer Blick auf das ak­tu­el­le Welt­ge­sche­hen eben­so zu­gu­te wie ihr teil­wei­se doch recht bei­ßen­der Hu­mor. Nun prä­sen­tie­ren sie ihr ak­tu­el­les, be­reits fünf­tes Al­bum „Litt­le Seed“, das in Groß­bri­tan­ni­en be­reits für Auf­se­hen sorg­te. (1.2. Strom)

Ok, hier wird kräf­tig in die Ver­gleichs­kis­te ge­grif­fen, aber das Meis­te stimmt halt: der Sound der Ber­li­ne­rin­nen von Gurr be­steht aus Ein­flüs­sen von Six­ties-Girl­group-Sin­ga­long, be­herz­tem Mal­trä­tie­ren des Reg­lers an der Fuzzbox, Pat­ti Smiths Cool­ness und dem an­ar­chi­schen Har­mo­nie­be­griff der TV Per­so­na­li­ties. Und na­tür­lich ste­hen sie in ei­ner Rei­he mit Le­mon Twigs, The Fe­li­nes und Cher­ry Gla­zerr. Sehr nett und frech klingt das, für ganz jun­ge Mäd­chen zum Nach­ma­chen und al­te Sä­cke zum An­him­meln. Das wird was. (1.2. Un­ter Deck)

Gir­lie­pop mit Schma­ckes: GURR

Ame­ri­ca­na mit Biss: SHO­VELS & RO­PE

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