Hid­den Fi­gue­res

„Hid­den Fi­gu­res“von Theo­do­re Mel­fi

In München - - INHALT - Luit­gard Koch

Fast je­der kennt Na­men küh­ner As­tro­nau­ten. Dass die USA ih­ren glo­ba­len Durch­bruch beim Wett­ren­nen ins All je­doch bril­lan­ten, afro­ame­ri­ka­ni­schen Ma­the­ma­ti­ke­rin­nen ver­dankt, weiß frei­lich kaum je­mand. Trotz al­ler ras­sis­ti­schen Tren­nung und se­xis­ti­schen Vor­ur­tei­le ge­ben die­se Pio­nie­rin­nen nicht auf. Selbst­be­wusst set­zen sie sich An­fang der 1960er Jah­re in ei­ner wei­ßen, män­ner­do­mi­nier­ten Ge­sell­schaft bei der NA­SA durch. Ein­zig­ar­tig er­zählt das Mut ma­chen­de, his­to­ri­sche Drama ih­re au­ßer­ge­wöhn­li­che Ge­schich­te. Da­bei agiert das sym­pa­thi­sche Frau­en­trio Ta­ra­ji P. Hen­son, Os­car-Ge­win­ne­rin Oc­ta­via Spen­cer („The Help“) und Ja­nel­le Monáe („The Equa­li­zer“) in der bis­lang un­be­kann­ten Epi­so­de der USame­ri­ka­ni­schen Raum­fahrt hin­rei­ßend schlag­fer­tig. Ih­re Schau­spiel­leis­tung in dem lei­den­schaft­li­chen Plä­doy­er für ei­ne gleich­be­rech­tig­te Zu­kunft über­zeugt in je­der Mi­nu­te. „Der wur­de ges­tern nicht ge­leert“. Ganz selbst­ver­ständ­lich drückt NASAIn­ge­nieur Paul Staf­ford (Jim Par­sons) der afro­ame­ri­ka­ni­schen Ma­the­ma­ti­ke­rin Ka­the­ri­ne John­son (Ta­ra­ji P. Hen­son) den Pa­pier­korb in die Hand. Dass ei­ne Schwar­ze in den Räu­men des NA­SA Lan­gley Re­se­arch Cen­ter in Vir­gi­nia nichts an­de­res als Putz­per­so­nal sein kann, ist für ihn klar. Die Ar­ro­ganz der ras­sis­ti­schen Macht wirkt. Aber die al­lein­er­zie­hen­de Mut­ter lässt sich im täg­li­chen Kampf um Wür­de und An­er­ken­nung nicht un­ter­krie­gen. Hy­po­te­nu­se, Ok­ta­eder und Eu­ler­sche For­mel wa­ren schließ­lich die Hel­den ih­rer Kind­heit. Ei­gent­lich müss­te der be­gna­de­ten wis­sen­schaft­li­chen Über­flie­ge­rin die Welt der Ma­the­ma­tik zu Fü­ßen lie­gen. Das weiß selbst Al Har­ri­son (Ke­vin Cost­ner), Lei­ter der Space Task Group für die Er­rech­nung der Flug­bah­nen der Ra­ke­ten. Am En­de ste­hen so­gar dem groß­spu­rig, kau­gum­mikau­en­den Ma­cho die er­nied­ri­gen­den Ras­sen­schran­ken im Weg. Und so kämpft sich das Ma­the-As mit ih­ren bei­den Freun­din­nen Do­ro­thy Vaughn (Oc­ta­via Spen­cer) und Ma­ry Jack­son (Ja­nel­le Monáe) aus dem Ab­seits nach oben. „Sei­en sie froh, dass sie über­haupt ei­nen Job ha­ben“, ver­sucht die wei­ße Vor­ge­setz­te Vi­vi­an Mit­chell (Kirs­ten Dunst) das pfif­fi­ge Trio im­mer wie­der zu ent­mu­ti­gen. Doch der smar­ten Ma­ry ge­lingt es, die ers­te weib­li­che NA­SA-In­ge­nieu­rin zu wer­den. Und Do­ro­thy, un­ter­be­zahlt und aus­ge­beu­tet, pro­gram­miert heim­lich die neu in­stal­lier­ten IBM Com­pu­ter, noch be­vor die männ­lich-wei­ße Cr­ew über­haupt da­mit um­ge­hen kann. Das Hand­buch über die neue Com­pu­ter­spra­che „Fon­tal“klaut sie da­vor aus der Ab­tei­lung der Leih­bü­che­rei für Wei­ße. „Wir zah­len schließ­lich auch Steu­ern“, recht­fer­tigt die cle­ve­re Ma­tri­ar­chin den Coup vor ih­ren klei­nen Söh­nen. Mit be­acht­li­chem er­zäh­le­ri­schen Sog geht das klas­si­sche Feel-Good-Drama im opu­len­ten Mad Men-Style der 60er Jah­re auf Os­car-Kurs. Re­gis­seur Theo­do­re Mel­fis‘ Ins­ze­nie­rung, nach dem Sach­buch von Mar­got Lee Shet­ter­ly, miss­ach­tet da­bei Ab­grün­de ras­sis­ti­scher Ge­walt kei­nes­wegs. Im Vor­der­grund steht je­doch die so­li­da­ri­sche Freund­schaft schwar­zer Wis­sen­schaft­le­rin­nen, die sich mit in­tel­li­gen­tem Witz neh­men, was ih­nen zu­steht.

Black and proud: Hier geht’s lang!

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