Dschun­gel­camp für Aka­de­mi­ker

In München - - LITERATUR -

1994. Ar­che Noah re­loa­ded. Dies­mal kein fucking Holz­kahn mit al­ber­nem Tier­pär­chen­cas­ting. Vier Frau­en und vier Män­ner le­ben zwei Jah­re lang un­ter ei­ner Glas­kup­pel in der Wüs­te von Ari­zo­na. Ei­ne aut­ar­ke Mi­ni-Er­de auf ca. 12.000 qm. Die­se acht Spe­zia­lis­ten sol­len das ge­mein­sa­me Über­le­ben si­chern. Ja, lä­cher­lich die Idee, die Über­le­bens­fä­hig­keit von auf dem Mars zu tes­ten. Wo die Men­schen doch gleich­zei­tig al­les tun, um den Pla­ne­ten zu zer­stö­ren, der wie ge­macht ist für ih­re Be­dürf­nis­se. Okay, nicht mehr lan­ge. But that’s not the po­int. Nicht bei T.C. Boyle. Er checkt sei­ne Fi­gu­ren mit dem Ge­schlos­se­ne-Ge­sell­schaft-Test von Je­an-Paul Sart­re. Und et­was Wil­li­am Gol­ding. Wie schnell wird Eden zur Höl­le, wenn Egos den Te­am­geist un­ter­wan­dern oder wenn es um die Ba­sics geht? Sind Wis­sen­schaft­ler ver­nünf­ti­ger als Ot­to N., wenn sich mensch­li­che Be­dürf­nis­se in den Vor­der­grund schie­ben? Mal wird der Sau­er­stoff knapp, mal das Es­sen. Sex na­tür­lich Dau­er­the­ma. Aber die Schleu­se zu öff­nen, hie­ße schei­tern. Das Pro­jekt „Eco­s­phe­re 2“mag nach au­ßen hin in­sze­niert sein wie ei­ne Mond­lan­dung, ad­diert man die Sicht­wei­sen der er­zäh­len­den In­si­der, hat man schnell ein Dschun­gel­camp für Aka­de­mi­ker. Un­ter der wis­sen­schaft­li­chen Ober­flä­che bro­deln Neid, Kon­kur­renz­den­ken, Ei­fer­sucht, Ra­che­ge­lüs­te, Über­wa­chung, In­tri­gen. Der gan­ze klein­ka­rier­te Zi­vi­li­sa­ti­ons­scheiß. Wie im rich­ti­gen Le­ben. Meis­ter Boyle öff­net die Kon­flikt­scha­tul­le gleich zu Be­ginn, bei der Aus­wahl der Ter­ra­nau­ten: Nur acht der sech­zehn ent­beh­rungs­reich aus­ge­bil­de­ten Kan­di­da­ten dür­fen rein. Lin­da, ei­ne der drei er­zäh­len­den Haupt­fi­gu­ren ne­ben Dawn und Ram­say, muss lei­der drau­ßen blei­ben. Idea­le Vor­aus­set­zun­gen al­so für ein kna­cki­ges Hör­buch, zu­mal je­de Fi­gur ei­ne ei­ge­ne Stim­me be­kommt und sich die Spre­cher fast schon kin­s­ki­mä­ßig mit ih­ren Rol­len iden­ti­fi­zie­ren. T.C. Boyle & Die Ter­ra­nau­ten li­ve: 13.2., 20 Uhr, Muf­f­at­hal­le; Mo­de­ra­ti­on: Knut „sea dog“Cord­sen (BR). Jon­ny Rie­der T.C. Boyle: Die Ter­ra­nau­ten (Ü: Dirk van Gunste­ren). Ge­kürz­te Le­sung mit Au­gust Diehl, Ul­ri­ke C. Tschar­re und Eli Was­ser­scheid. 2 mp3-CDs, ca. 17 Std., www.ho­er­ver­lag.de

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