Chi­na Mié­vil­le

Die­ser Volks­zäh­ler (Lie­bes­kind)

In München - - LITERATUR - Rai­ner Ger­mann

Schlüs­sel mit ma­gi­scher Kraft, ei­ne ver­wil­der­te Kin­der­ban­de, Fi­gu­ren zwi­schen Charles Di­ckens, Neil Gai­man, H.P. Lo­ve­craft und Franz Kaf­ka so­wie ei­ne trau­ri­ge Ge­schich­te von Schuld und Süh­ne, in ei­ner ei­ge­nen Spra­che er­zählt: der für die Vor­gän­ger „Per­di­do Street Sta­ti­on“und „Die Stadt & Die Stadt“preis­ge­krön­te Au­tor und lin­ke Teil­zeit­po­li­ti­ker Chi­na Mié­vil­le legt nach. Auf ei­nem nicht nä­her ver­or­te­ten Berg ober­halb ei­nes nicht na­ment­lich ge­nann­ten Dor­fes an ei­ner un­be­kann­ten Schlucht, lebt ein Jun­ge mit sei­nen El­tern in ei­nem weit ab­ge­le­ge­nen al­ten Hof. Der Va­ter ist ein ganz be­son­de­rer Hand­wer­ker: sei­ne Kun­den tra­gen ihm ih­re An­lie­gen, Wün­sche und Be­gier­den vor und er fer­tigt Schlüs­sel an, von de­nen man sich er­zählt, dass sie ma­gi­sche Kräf­te be­sit­zen. Selt­sam ist, der Jun­ge sieht kei­nen der Kun­den ein zwei­tes Mal, egal, ob die Wün­sche in Er­fül­lung ge­hen oder nicht. In ei­nem wir­ren Traum aus Rea­li­tät und Wirk­lich­keit glaubt der Jun­ge den Va­ter beim Mord an sei­ner Mut­ter be­ob­ach­tet zu ha­ben, doch nie­mand im Dorf glaubt ihm und nach ei­nem mys­te­riö­sen Brief, der von der Flucht der Mut­ter in ein bes­se­res Le­ben zeu­gen soll, lan­det der Jun­ge wie­der bei sei­nem Va­ter, dem Schlüs­sel­ma­cher. Es sind un­heim­li­che Bil­der, die Mié­vil­le in sei­ner düs­te­ren und an­spruchs­voll ver­fass­ten fan­tas­ti­schen Er­zäh­lung her­auf be­schwört, Schicht für Schicht ge­lingt es dem Le­ser in die pa­ra­bel­haf­te Fan­ta­sie­welt des Au­tors ein­zu­tau­chen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.