Nō Thea­ter

Die Welt ist aus den Fu­gen. Kit­ten kann man das Schla­mas­sel nur mit Hu­mor und Ab­sur­dem

In München - - INHALT - Ru­pert Som­mer

Das Nō Thea­ter ist ei­ne alt­ja­pa­ni­sche Kunst­form, die von Men­schen er­zählt, die ih­ren Kör­per ver­las­sen ha­ben – aber kei­ne Ru­he fin­den. Sie blei­ben un­er­löst an der Schwel­le zwi­schen Dies- und Jen­seits hän­gen. Auch so ein Ort des Über­gangs ist na­tür­lich das rie­si­ge Spin­nen­netz der U-Bahn von To­kio. Hier schla­fen die Men­schen Schul­ter an Schul­ter. Sie sind tod­mü­de auf dem Weg hin zur Ar­beit, zu­rück von der Ma­lo­che, heim vom Sau­fen. Und sie son­dern Kör­per­ge­rü­che aus. Je­der neue Zug be­för­dert Aber­tau­sen­de ein­sa­me neue Ge­schich­ten durch die Stadt. To­shi­ki Ok­a­da hat dar­aus ein Büh­nen­werk ge­macht, für das man im Zu­schau­er­raum – an­ders als im Mil­lio­nen­mo­loch – so­gar ei­nen Sitz­platz be­kommt. (Kam­mer­spie­le, ab 18.2.)

Für die Aus­düns­tun­gen hat Neil Si­mons Er­folgs­ko­mö­die Ge­rüch­te ... Ge­rüch­te zwei Buch­sta­ben zu viel im Ti­tel. Hier dreht sich al­les mal wie­der um ei­ne Par­ty, die aus dem Ru­der läuft, be­vor sie über­haupt be­gon­nen hat. Ei­gent­lich woll­ten das New Yor­ker Bür­ger­meis­ter­ehe­paar Char­ley und My­ra nur acht Freun­de zu ih­rem zehn­ten Hoch­zeits­tag ein­la­den. Doch dann ist My­ra spur­los ver­schwun­den. Und ihr Gat­te liegt an­ge­schos­sen im Bett. Ein Selbst­mord­ver­such? Ver­mut­lich nicht ganz. (Ka­tho­li­sche Hoch­schul­ge­mein­de der TUM, ab 16.2.)

Ei­gent­lich sind Isa­bell und Ge­org ja ein glück­li­ches Paar und zu­frie­de­ne El­tern ei­nes ein­jäh­ri­gen Soh­nes. Sie ist Cel­lis­tin in ei­nem Mu­si­cal-Orches­ter, er ar­bei­tet als Re­dak­teur ei­ner tra­di­ti­ons­rei­chen Ta­ges­zei­tung. Doch dann macht sich Pa­nik in ih­rem Le­ben breit. Die Glück­li­chen spot­ten ih­rem Stück­ti­tel. Das Kol­lek­tiv Aus­bau.sechs hat aus dem Ro­man von Kris­ti­ne Bil­kau ei­ne „per­for­ma­ti­ve In­stal­la­ti­on“ge­macht. (Kam­mer­spie­le, 24. bis 26.2.)

Im­mer wie­der zu­mu­ten muss man sich das schon zwi­schen 1962 und 1965 ge­schrie­be­ne und in der un­mit­tel­ba­ren mie­fi­gen Nach­kriegs­zeit an­ge­sie­del­te bra­chia­le Volks­stück Jagd­sze­nen aus Nie­der­bay­ern von Mar­tin Sperr. Re­siIn­ten­dant Mar­tin Ku­sej höchst­per­sön­lich hat das wil­de Trei­ben rund um Dorf­trot­tel, Dorfhu­ren und ei­nen we­gen Ho­mo­se­xua­li­tät In­haf­tier­ten zu 14 wil­den Sze­nen ver­knappt. Im­mer im Zen­trum steht die „Jagd­bar­keit des Men­schen“, die lei­der auch heu­te wie­der hoch­bri­sant ist. (Re­si­denz­thea­ter, ab 26.2.)

Zu­min­dest von der An­la­ge her könn­te man auch Mac­beth – Gwiss ist nur, dass nix gwiss is für ein Volks­stück hal­ten. Die Münch­ner Volks­sän­ger-Büh­ne hat das blut­trie­fen­de Sha­ke­speare-Mas­sa­ker auf bai­risch um­ge­dich­tet – an­ge­rei­chert mit Ge­sang und Du­del­sack-Ge­jam­mer. (Klei­nes Thea­ter Haar, ab 17.2.)

Eben­falls ei­nen klas­si­schen Text hat sich die zwölf­te Klas­se der Ru­dolf-St­ei­ner-Schu­le vor­ge­nom­men – und zwar den Rei­ne­ke Fuchs nach dem be­rühm­ten, sel­ten ge­le­se­nen Goe­the-Lang­ge­dicht. Was hier über die Büh­ne geht, ist eben­falls be­klem­mend aktuell – mit Kor­rup­ti­on, Ge­walt und Macht-Ma­ni­pu­la­ti­on. (Leo 17, bis 17.2.)

An die Ur­sprün­ge zu­rück möch­ten Hed­wig Rost und Jörg Ba­es­ecke mit ih­rer thea­tra­len For­schungs­rei­se Wie die Welt auf die Welt kam. Und die muss na­tür­lich die Fra­ge nach dem Huhn und dem Ei klä­ren. Wie stel­len sich die Men­schen al­ler­or­ten die Ent­ste­hung der Er­de vor? Um das zu klä­ren, sind die Wis­sen­schaft­ler un­ter­wegs – im­mer mit dem Fin­ger über den Glo­bus. (Schau­burg – Thea­ter der Ju­gend, ab 18.2.)

In Deutsch­land an­ge­kom­men aus den un­ter­schied­lichs­ten Ecken der Welt sind fünf Stu­den­ten, die ge­mein­sam ei­ne WG in ei­nem miet­güns­ti­gen so­zia­len Woh­nungs­bau ge­fun­den ha­ben. Ein Glück. Doch das soll nicht von Dau­er sein. Durch bü­ro­kra­ti­sche Schlam­pe­rei gilt die Woh­nung an ei­ne deut­sche Fa­mi­lie mit zwei Kin­dern ver­mie­tet. Und dann kün­digt sich auch noch Herr Rei­ze vom Amt für ei­ne Be­ge­hung an. Kur­zer­hand im­pro­vi­sie­ren die Be­woh­ner, an­ge­führt vom Sy­rer Ta­rik, des­sen Ein­bür­ge­rung ei­gent­lich kurz be­vor­steht. Sie bil­den sich im Pri­vat­fern­se­hen und spie­len den Kon­trol­leu­ren so ge­schult die per­fek­te deut­sche Klein­fa­mi­lie vor. Ach­tung Deutsch! Das wird lus­tig. (Ko­mö­die im Baye­ri­schen Hof, ab 28.2.)

Na­tur­ge­mäß leicht­fü­ßig da­her kommt selbst­ver­ständ­lich auch Die Fa­schings­fee. Der im­mer noch hei­mat­lo­se Gärt­ner­platz-In­ten­dant Jo­sef E. Köp­p­lin­ger hat die gleich­na­mi­ge Ope­ret­te von Em­me­rich Kál­mán, die im­mer­hin am Gärt­ner­platz ih­re Münch­ner Erst­auf­füh­rung er­leb­te, neu auf die Büh­ne ge­bracht. Da­rin tän­zelt ei­ne aus­ge­las­se­ne Fa­schings­ge­sell­schaft durch die Spät­wir­ren ei­ner in Ös­ter­reich-Un­garn und auch in Bay­ern un­ter­ge­hen­den Mon­ar­chie. Und dort kann­te man sich im­mer schon mit far­ben­präch­ti­gen Ko­s­tü­mie­run­gen aus. (Al­te Kon­gress­hal­le, ab 16.2.)

The­ma­tisch fast schon ver­wandt ist die Opu­lenz des Sis­si-Mu­si­cals, das ja eben­falls ei­nen en­gen Bay­ern-Be­zug hat. Im­mer­hin wuchs der Wild­fang, der spä­ter Ös­ter­reichs Kai­se­rin wur­de, sorg­los und un­be­schwert auf Schloss Pos­sen­ho­fen am Starn­ber­ger See auf. (Re­si­denz, 20.2.)

In der Zwi­schen­welt: NŌ THEA­TER

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