Cast­le Free­man

In München - - LITERATUR - Jon­ny Rie­der

Auf die sanf­te Tour

(Na­gel & Kim­che)

Ein She­riff sitzt auf sei­nem Stern und denkt über das Le­ben nach. Egal, wie john­way­nig, ga­ry­ko­ope­rig oder ja­mes­co­bur­ny das ge­spei­cher­te She­riff-Kli­schee ist, this man is dif­fe­rent. Cast­le Freem­ans She­riff Wing ist ein Gr­üb­ler und Wo­gen­glät­ter – kein Bal­ler­mann. Klingt nicht nach un­cle­sam­wür­di­ger Bo­dy­count­quo­te. Lang­sam zie­hen, Djan­go. Dem Mustang wächst des­we­gen kein Ein­horn. Und der Mal­bo­ro Man raucht noch lan­ge kei­ne ro­sa Zu­cker­wat­te. Erst recht nicht, wenn die Rus­sen kom­men. Als ideo­lo­gisch ge­läu­ter­te Va­ri­an­te der Rot-In­va­si­on. So sehr ge­läu­tert, dass es selbst den Yan­kees zu viel wird. Der neue Iwan trumpt und ca­po­net, als ha­be er die Ge­set­ze des Wes­tens er­fun­den. Das ist auch für She­riff Wing ei­ne neue Di­men­si­on. Sys­tem­fra­ge: Funk­tio­niert die Old-School-Chil­lTak­tik noch? Oder braucht es hier ei­nen Nice-war-ges­tern-Mar­shall, ei­nen wie Wings De­pu­ty Lyle? Te­xas­cool, in die­sem She­riff­hirn her­um­zu­rei­ten. Su­re, kein NASA-Rech­ner, der dir in fünf Se­kun­den dei­ne Mars-Lan­dungs­ko­or­di­na­ten um die Sy­nap­sen klatscht. Mehr der Ver­mont-Dio­ge­nes. „Das Ge­setz war bei­na­he das Ge­gen­teil von She­riff­sein; es war das, was kam, wenn das She­riff­sein nichts ge­bracht hat­te.“Ein Mann. Ein Buch. Ein big fucking Hal­le­lu­ja.

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