Ma­gic Ci­ty

In München - - INHALT - Bar­ba­ra Tei­chel­mann

Man­che be­haup­ten ja, Mün­chen sei wie ei­ne ver­wöhn­te Toch­ter. Schön, aber ein biss­chen lang­wei­lig. Egal, was man von die­sem Ver­gleich hal­ten mag – gera­de jetzt, wo sie faul und ge­bräunt in der Son­ne liegt, ist es wirk­lich schwer vor­stell­bar, dass die­se Stadt auch wild sein kann. Ist aber so, bzw. war mal so. Mün­chen ist der Ur­sprung der deut­schen Graf­fi­ti-Sze­ne. Los ging es 1970, als „Hei­duck“auf­tauch­te. Ein un­be­kann­tes Wort an vie­len Wän­den, und nie­mand wuss­te, was die­se zwei Sil­ben be­deu­ten sol­len. Die Zei­tun­gen be­rich­te­ten, ganz Mün­chen rät­sel­te. Fi­nal ge­klärt ist die­ser se­man­tisch ge­heim­nis­vol­le Auf­takt bis heu­te nicht. An­geb­lich war es ei­ne Kom­mu­ne aus dem Schlacht­hof­vier­tel, die da­mit an­fing, und an­de­re mach­ten wei­ter. Be­mer­kens­wert, dass die Cr­ew so dicht ge­hal­ten und sich nicht doch ei­ner ver­plap­pert hat. Das lag wohl vor al­lem dar­an, dass das Be­schrei­ben oder Be­sprü­hen von Wän­den straf­bar war. Und im­mer noch ist. Au­ßer man hält sich an ei­ne Flä­che, die von der Stadt frei­ge­ge­ben wur­de. Ja, es dau­er­te ei­ne gu­te Wei­le, bis sich die öf­fent­li­che Wahr­neh­mung än­der­te und aus Van­da­lis­mus Kunst wer­den durf­te. Die Aus­stel­lung „Ma­gic Ci­ty – Die Kunst der Stra­ße“in der klei­nen Olym­pia­hal­le er­zählt die­se Ge­schich­te und die Münch­ner Ge­schich­te und hat da­zu ei­ne Men­ge Künst­ler ein­ge­la­den. Und egal, wie man zu so­ge­nann­ten „Event­aus­stel­lun­gen“steht, die­se hier ist mit sehr viel Auf­wand und sehr lie­be­voll ge­stal­tet. Oder wie es die PR-Ab­tei­lung for­mu­liert: „In ei­ner bis­her ein­zig­ar­ti­gen Zu­sam­men­ar­beit ha­ben Street-Art-Künst­ler aus al­ler Welt ge­mein­sam ih­re glo­ba­le Traum­stadt er­schaf­fen, die die Be­su­cher nun stau­nend durch­wan­dern kön­nen.“2.500 Qua­drat­me­ter ist die ma­gi­sche Stadt groß, und es gibt so ziem­lich al­les zu se­hen, was Street-Art be­deu­tet: Graf­fi­ti, Tags, Text­bot­schaf­ten, 3D-Il­lu­sio­nen, Ob­jek­te, Skulp­tu­ren, In­stal­la­tio­nen ... Die gan­ze Band­brei­te eben. Bis auf we­ni­ge Leih­ga­ben wur­den al­le Ar­bei­ten frisch für die­se Aus­stel­lung ge­fer­tigt. 40 Künst­ler aus 20 Län­dern wa­ren be­tei­ligt – und na­tür­lich ist auch der an­ony­me Bank­sy da­bei, Blek Le Rat aus Pa­ris, Bond Tru­luv aus Deutsch­land, Loo­mit aus Mün­chen, The Lon­don Po­li­ce ... es gibt ein Ka­rus­sell mit Hä­kel­kleid, fluo­res­zie­ren­de Au­ßer­ir­di­sche, die ei­ne Frau da­von tra­gen, man kann in ei­nen über­di­men­sio­na­len Spiel­zeug-Grei­f­au­to­ma­ten klet­tern und sich dort drei­di­men­sio­nal fo­to­gra­fie­ren las­sen, man kann Hulks Ba­by tref­fen und in ei­nem kriegs­ka­put­ten Mi­nia­tur-Stadt­vier­tel um­her­ge­hen und über Ge­walt nach­den­ken. Und wer will, kann im­mer wie­der ein biss­chen da­zu­ler­nen. Aber ei­gent­lich hat Car­lo McCor­mick, der New Yor­ker Kunst­jour­na­list und Her­aus­ge­ber des „Pa­per“-Ma­ga­zins, die ma­gi­sche Stadt so ge­plant und ku­ra­tiert, dass man sie durch­strei­fen und da­bei un­be­schwer­ten Spaß ha­ben soll. Und das ist ge­lun­gen.

Ron Eng­lish ist 1959 in den USA ge­bo­ren und ei­ne fes­te Grö­ße der Street-Art-Be­we­gung. Sein klei­ner grü­ner Hulk lässt Stone­henge aus­se­hen wie Spiel­zeug­klöt­ze.

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