AUS DEM 2UDER GE­LAU­FEN

4ROTZ AUSGEFEILTER -ASTERPLäNE GEHT WIE­DER EI­NE -EN­GE SCHIEF

In München - - KABARETT -

Wenn al­le Welt drau­ßen am Bag­ger­see schwitzt, ist man doch gut be­ra­ten, sich die gro­ße Sinn­fra­ge zu­stel­len. War­um das al­les? So wie das En­gel­bert Erz tut, in den man sich gut hin­ein­den­ken kann. Im­mer­hin ist auch er ei­ner, der jetzt noch schuf­ten und gr­ü­beln muss, wäh­rend sein Chef längst die Ha­xen hoch­ge­legt hat. Sechs Ta­ge lang hat En­gel­bert ge­schwitzt – um nach den Plä­nen des Meis­ters ei­nen wun­der­ba­ren Bau­kas­ten in Ord­nung zu brin­gen. Es ging um nichts Ge­rin­ge­res als die Er­schaf­fung ei­ner per­fek­ten Welt. Doch wie je­der klei­ne An­ge­stell­te weiß: Wenn der Boss nicht ein­ver­stan­den ist, kann man noch so bu­ckeln und kratz­fu­ßeln – es wird nichts mehr. Denn längst kam beim Chef der Zorn ins Spiel. Er war mit sei­ner Schöp­fung al­les an­de­re als ein­ver­stan­den – und woll­te sie prompt wie­der zer­stö­ren. In letz­ter Mi­nu­te kam En­gel­bert Erz, dem ge­treu­en Hel­fer, ei­ne ret­ten­de Idee – „Der Sieb­te Tag“. Er über­re­de­te den Meis­ter, doch noch ei­ne Schöp­fungs­pha­se dran­zu­hän­gen, um am ti­tel­ge­ben­den Ex­tra-Ar­beits­tag schnell noch et­was Un­ge­heu­er­li­ches zu er­fin­den – den Witz. Da­nach lief’s fast bes­ser. Aber eben fast nur, wie uns Si­gi Zim­mer­schied warnt. Schon schwingt der Chef wie­der den Ham­mer: Er hat bis da­to noch kein ein­zi­ges Mal ge­schmun­zelt. Wir müs­sen uns al­le rein­hän­gen. (Fraun­ho­fer, ab 17.8.)

Nicht zu Thors Ham­mer, son­dern zu Sieg­frieds Schwert greift das Lust­spiel­haus-En­sem­ble im som­mer­li­chen Ger­ma­nen­spek­ta­kel glei­chen Na­mens. Alex­an­der Liegl, Man­fred O. Tau­chen („Watz­mann“) und Ga­bi Roth­mül­ler sprin­gen in Sa­chen Ni­be­lun­gen­sa­ga mit dem ge­bo­ten Unernst um. Sie strei­fen ih­ren wa­cke­ren Ak­teu­ren Spit­zen­häub­chen und Tarn­kap­pen über und schi­cken sie in den Dra­chen­kampf. Bö­se Zwer­ge schla­wi­nern der­weil mit ge­spal­te­nen Zun­gen, die Göt­ter zof­fen sich und die Jung­frau­en äch­zen. Die Lust, mit dem Schwert al­les zu Klump zu hau­en, wächst mit je­der Se­kun­de – und mit je­dem neu­en Som­mer­hit­ze­grad. Und wenn al­le Hel­den er­sto­chen sind, die Göt­ter hin­wegdäm­mern und die Ober­schicht mal wie­der so rein gar nichts ka­piert hat, geht al­les wie­der von vor­ne los. (Lust­spiel­haus, ab 15.8.)

Kurz vor­her lädt ein wei­te­res En­sem­ble schon zum Au­gust-Gau­de­um auf den Var­reck­ten Hof, die gleich­na­mi­ge Stu­ben­oper von Ge­org Rings­gwandl. Auf sel­bi­gen Hof führt die Weich­sen­rie­de­rin, bür­ger­lich: Ce­ci­lie Kres­zen­ti­na Schnap­per, ein ei­ser­nes Re­gi­ment – mit ih­rem der­ben Mund­werk und mit der Flie­gen­klat­sche. An der Fra­ge, ob sie selbst ei­nen an der Klat­sche hat, schei­den sich die Geis­ter. Ein­hel­li­ge Mei­nung ist al­ler­dings: Mit der Al­ten stimmt was nicht. Die Bäue­rin selbst weiß al­ler­dings, was ihr fehlt: ein En­kel­kind. Kein Wun­der, wenn doch al­le so schwer mit dem Bu­si­ness samt zu­ge­hö­ri­gem Bur­nout be­schäf­tigt sind, kommt nie­mand mehr fach­ge­recht zum Sch­nackseln. Die wei­te Welt, je­den­falls die öst­lich von Din­gol­fing, weht es plötz­lich auf den Hof, als es die aus Ost-Eu­ro­pa, wenn nicht so­gar wirk­lich aus Mol­da­wi­en stam­men­de Pfle­ge­kraft Svet­la­na zur Bäue­rin ver­schlägt. Ero­ti­sche Ver­wir­rung stellt sich ein. Und im­mer neu­gie­rig fol­gen die Zu­schau­er­au­gen der al­ten „Schau ma moi“-Dra­ma­tur­gie. (Lust­spiel­haus, bis 12.8. und 3./4.9.)

Mit der Mehr-Ge­ne­ra­tio­nen­fra­ge be­schäf­tigt sich üb­ri­gens auch Wer­ner Koc­z­wa­ra in sei­nem zeit­los schö­nen Pro­gramm „Ei­ner flog übers Ord­nungs­amt“, in dem schwie­ri­ge Moral­ab­wä­gun­gen ge­trof­fen wer­den. So gilt doch der En­kel, der mit ei­nem Ge­wehr aus 500 Me­ter Ent­fer­nung sei­ne Groß­mut­ter prä­zi­se nie­der­stre­cken kann, zwar als be­nei­dens­wert gu­ter Schütze. Aber ist er wirk­lich ein gu­ter Ver­wand­ter? Eben­so kniff­lig die Ein­gangs­fra­ge, die Kocwa­ra ger­ne an ein be­son­ders bes­ser­wis­se­ri­sches Pu­bli­kum stellt: Ein­mal an­ge­nom­men, man rast mit ei­nem 30-Ton­ner ei­ne stark ab­schüs­si­ge Stra­ße hin­un­ter, bis man plötz­lich merkt, dass die Brem­sen nicht funk­tio­nie­ren. Di­rekt vorn steht ein Kin­der­chor, der gera­de Weih­nachts­lie­der probt. Nur nach links könn­te man in ei­ne Not­aus­fahrt aus­wei­chen. Doch dort hat sich ei­ne Grup­pe In­vest­ment­ban­ker auf­ge­baut. Was al­so tun? Scherz­keks! (Lach- und Schieß­ge­sell­schaft, bis 5.8. und 8. bis 12.8.)

Wie gut, dass zu­min­dest im Klas­si­ker­pro­gramm „Vor­ge­spiel­te Hö­he­punk­te“von Klaus Koh­ler kein Blut fließt. Aber wel­che Flüs­sig­keit dann? Sinn­lich wird’s auf je­den Fall rasch wie­der, wenn Koh­ler singt, rappt, di­ri­giert,

Selbst­iro­nisch: MAS­SI­MO ROC­CHI

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