CALLCENTERFOLD

In München - - LITERATUR - Jon­ny Rie­der

Scheiß mich an. Der Welt­un­ter­gang ist so ein fucking Gra­chal seit ihn Trump­ba­by zur Chef­sa­che er­klärt hat. Mehr als ein ge­gähn­tes „basst scho, Oi­da“ist da nicht drin. Al­so doch Weltret­tung? Coo­ler na­tür­lich oh­ne Su­per­hel­den- und Cat­con­tent. Eher so un­be­ab­sich­tigt. Ne­ben­bei. Und zünf­tig. Soll ja Spaß ma­chen. Viel­leicht mit lau­ni­gen Face­book­posts. Das wär’ dann ein Fall für Ste­fa­nie Sarg­na­gel. Das Ösi­derb­dirndl mit dem ro­ten Che-Böl­lKäp­pi und ver­leg­ten Netz-Posts zie­hen ja al­ler­hand Spitz­na­men (Word­me­me – auf Hips­ter­speak): „Ar­schrit­ze Got­tes“, „Scho­aß and the Ci­ty“, „Bin­ge it li­ke Bu­kow­ski“. Kei­ne Fair­play­preis­kan­di­da­ten. Ma­dame kann näm­lich be­rau­schend fein­sin­nig sein. Sehr oft so­gar. In der Blät­ter­bei­la­ge ih­rer neu­en Ohr­wa­schl-In­va­si­on ist ein Car­toon. Ein Clown­mäd­chen mit ver­bun­de­nen Lat­schen sagt: „Hab mir die Fü­ße ver­grö­ßern las­sen“. It’s so Sarg­na­gel. So ur­ends­lei­wand. So yes! Über­haupt. So gut ge­launt kann man ei­gent­lich gar nicht sein, dass ei­ne Pa­ckung Sarg­na­gel die Stim­mung nicht noch op­ti­mie­ren könn­te. Ob­wohl die La­dy vom Typ her qua­si op­ti­mier­te An­ti­op­ti­mie­re­rin ist. Die Tag­li­ne wird da recht deut­lich: „In 80 Ta­gen aus dem Bett“. Auch ih­re Al­ter­na­tiv-Bio ist kurz und Gnack­watschn: ge­bo­ren im Zen­tral­fried­hof, am Oasch ge­reift im Be­zirk Ma­ria­zu­pf­di und an­ge­nehm ver­saut in der ur­frei­en Wie­ner Bin­ge-Ju­gend. Wer braucht da an Har­vard (Hor­vath – auf Ösi) oder an Ox­ford? Not­hing com­pa­res to a Call­cen­ter-Ma­gis­ter. „Ich kann im­mer die Stra­ßen­bahn­li­nie 18 oder die Stra­ßen­bahn­li­nie 6 neh­men für mei­ne täg­li­chen Stre­cken. Aber der 6er ist mir ir­gend­wie sym­pa­thi­scher. (...) Der 18er tut bis­sel Get­to, aber kurz vorm 10. Be­zirk, kurz be­vor’s hart auf hart kommt, biegt er doch lie­ber in die auf­stre­ben­den Vier­tel ab wie ei­ne fei­ge Sau.“Und dass sie den FPÖ-Na­ziDep­pen so zu­ver­läs­sig und ge­pflegt in die Goschn pe­ne­triert, macht sie nur noch hot­pant­si­ger. Das ver­lei­tet zum pro­mi­sing Po­wer­O­ra­ke­ling: 1. Nach ir­di­schem Ex­tre­me­hyp­ing Er­nen­nung zur Je­di-Rit­te­rin Lu­cy Sky­mo­cker. 2. Der To­des­stern mu­tiert zum Lach­sack. Darth Do­nald wird von sei­ner ei­ge­nen Fri­sur ver­speist. Twit­ter­mel­dung aus dem Off: „Burp!“ Am 18. Ok­to­ber sarg­na­gelt Ste­fa­nie Sarg­na­gel in den Münch­ner Kam­mer­spie­len.

Ste­fa­nie Sarg­na­gel: Sta­tus­mel­dun­gen. Up­ge­cy­celt und voice-ge­pimpt von der Au­to­rin, 2 CDs, ca. 3 Std., www.roof­mu­sic.de

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