Zoë Beck

In München - - LITERATUR - Jon­ny Rie­der

Die Lie­fe­ran­tin (Suhr­kamp) „Mit Rea­li­tät hat­te Po­li­tik nicht viel zu tun. Eher da­mit, wie sich die Din­ge an­fühl­ten. Und um Din­ge fühl­bar zu ma­chen, wa­ren Bil­der nö­tig. Bil­der schaff­ten es, gro­ße Ge­füh­le zu er­zeu­gen. Sie konn­ten Wah­len be­ein­flus­sen und Krieg aus­lö­sen.“Lon­don. Nach dem Br­ex­it – vor dem Dru­xit. Rot­weiß­blau re­giert die Stra­ße. Die Far­ben des Mobs. Die Far­ben der Re­gie­rung, die den Mob be­zahlt. Mit ih­rem neu­en Re­fe­ren­dum will sie Jun­kies als Ver­bre­cher ab­stem­peln und je­den An­spruch auf me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung ent­zie­hen. Ih­nen ent­ge­gen stellt Au­to­rin Zoë Beck die Le­ga­li­sie­rer. Aus de­ren Mit­te kommt auch ei­ne Ge­schäfts­idee, die den Dro­gen­markt auf­mischt: Ast­rei­ner Edel­stoff, ge­lie­fert per Droh­ne. Die Ma­fia will die Kon­kur­ren­tin aus dem Ver­kehr zie­hen und ko­ope­riert da­für mit der Re­gie­rung, de­ren Zom­bie­po­li­tik sie ihr Ge­schäft ver­dankt. Dro­gen­ver­bot macht Schwarz­markt. Schwarz­markt macht Ma­fia. Die Lie­fe­ran­tin ver­dich­tet Ge­sell­schafts­ana­ly­se, Vi­si­on und ei­nen kna­cki­gen Plot zu ei­nem rau­schen­den Thril­ler, der auch noch Platz hat für plas­ti­sche, kom­ple­xe Fi­gu­ren. Wi­der­sprüch­li­che und tra­gi­sche Fi­gu­ren, die hin­ter ih­rer pro­fes­sio­nell küh­len Fas­sa­de fast er­sti­cken an ih­ren Schuld­ge­füh­len. Ver­dammt gu­ter Stoff.

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