Au­gus­tus und die Lieb­lings-Plat­te

Malz und Bries in den Drei Müh­len

In München - - LOKALES - Pe­ter Trisch­ber­ger

„Macht euch bit­te kei­ne Ar­beit, ich kom­me heu­te Abend gleich nach der Be­spre­chung und dann ge­hen wir was le­cke­res Bay­ri­sches es­sen und ein le­cker Bier­chen trin­ken – so ein le­cke­res Au­gus­tus!“Der preu­ßi­sche Sch­wa­ger hat sich kurz­fris­tig an­ge­sagt und ir­gend­wer hat doch erst kürz­lich was von ei­ner klei­nen Wirt­schaft beim Schlacht­hof er­zählt – mit „Lieb­lings­plat­te“auf der Kar­te, hieß die nicht „Drei Müh­len“? Das geht – sind nur vier Bus­hal­te­stel­len von uns, sie ko­chen bay­risch und ha­ben Au­gus­tus. Al­so los. Nach ei­ner klei­nen MVVAus­kunfts-Odys­see we­gen ab­ge­schaff­ter Hal­te­stel­len und ei­nem län­ge­rem Fuß­marsch schaf­fen wir es in die Rei­fens­tu­el­stra­ße in die ein­la­dend ge­müt­lich be­leuch­te­te Wirt­schaft. Brezn-Gir­lan­de im Wind­fang kaum stö­ren­de Bay­ern­tum-De­vo­tio­na­li­en (die mo­bi­le­mä­ßig auf­ge­häng­ten Au­gus­ti­ner-Bier­sor­ten-Wer­be­ta­feln mal gnä­dig aus­ge­nom­men). Dem Sch­wa­ger ge­fällt‘s, uns auch, die freund­li­che Be­die­nung bringt uns die Spei­se­kar­ten und kurz dar­auf sau­ber ge­zapf­tes, wohl tem­pe­rier­tes Hel­les (3,30; frei­tags ab 18.00 aus dem Holz­fass) von Au­gus­ti­ner. Und – man stau­ne hoch­er­freut – das Be­steck fein säu­ber­lich in Ser­vi­et­ten ge­steckt, nicht stink­faul in ei­nes die­ser all­üb­li­chen SB-Drecks­krü­gerl ge­stopft. Das Rät­sel um die an­geb­li­che „Lieb­lings­plat­te“ist dann auch schnell ge­klärt: Die Lieb­ha­ber­plat­te (12,90) hat der Tipp­ge­ber tod­si­cher ge­meint – ge­bra­te­ne Bries­wurst, Span­fer­kel­le­ber und Kalbs­brust, so­zu­sa­gen ei­ne klei­ne In­ne­rei­en­Aus­wahl. Hier winkt der Au­gus­tus-Sch­wa­ger schnell ab, gleich so „bay­risch“muss es auch wie­der nicht sein. Man ei­nigt sich auf Wie­ner Schnit­zel vom Kalb (15,90), das war ein biss­chen arg dünn ge­klopft, aber an­sons­ten ab­so­lut in Ord­nung. Nur der Bei­la­gen­sa­lat hat­te wohl schon et­was län­ger ge­stan­den und war so zu ei­nem sehr un­kna­cki­gen Blatt­ge­mü­se-Mix mu­tiert. Ein­mal ein „echt bay­ri­sches!!!“Hüft­steak (me­di­um) mit Brat­kar­tof­feln (15,90) und haus­ge­mach­ter Pfef­fer­sau­ce – gu­ter Durch­schnitt, al­ler­dings am dün­ne­ren Flei­schrand lei­der ein biss­chen zu „durch“. Und für mich al­so die „Lieb­lings­plat­te“: wohl­schme­cken­de Mil­z­wurst, fei­ne Le­ber, ge­rös­te­tes Kalb­s­herz und Kar­tof­fel-Stampf wie bei der Oma – ab­so­lut kor­rekt und wie es sein soll­te. Ein paar „le­cke­re Au­gus­tus­se“ge­sell­ten sich auch noch da­zu, al­so ins­ge­samt ein sehr ge­lun­ge­ner Abend. Noch ein­mal wa­ren wir dar­auf­hin abends hier und be­ka­men ei­nen schön ma­ge­ren Schwei­ne­bra­ten (8,90) mit zwei klei­nen, aber an­stän­di­gen Sem­mel- und Kar­tof­fel­knö­deln, ei­nem sehr gut Kraut­sa­lat und reich­lich re­scher Krus­te und ei­nen Zwie­bel­rost­bra­ten (15,90), der zwar mit haus­ge­mach­ten Spätz­le, ta­del­los me­di­um ge­bra­te­nem Fleisch, aber lei­der mit et­was arg we­nig Sau­ce und sehr blas­sen Zwie­beln ser­viert wur­de. Auch beim zwei­ten Be­such war der Ser­vice wie­der le­ger, freund­lich und schnell – ge­nau­so wie bei der mit­täg­li­chen Ein­kehr. Hier er­freu­te uns ein üp­pig gro­ßes Kraut­wi­ckerl mit def­ti­ger Speck­sau­ce und Salz­kar­tof­feln(11,80) – da muss man sich nicht über die zahl­reich an­we­sen­den Werk­tä­ti­gen wun­dern. Von elf bis halb eins gibt es auch noch ein so­ge­nann­tes „Münch­ner Früh­stück“mit di­ver­sen Würs­ten plus Brezn (1,95 zwei Weiß­würscht). Das wä­re doch vi­el­leicht auch mal was für mei­nen gu­ten Au­gus­tus-Le­cker-Lieb­lings­sch­wa­ger – aber um die­se Zeit ist der meis­tens noch un­ter­wegs auf der Au­to­bahn oder in ei­ner „Le­cker“-Rast­stät­te, der Ärms­te ...

Ein ge­müt­li­cher Platz ...

... mit klei­nen, le­cker Wun­dern

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.