Mit­mensch­li­che Fest­ta­ge

Vom No­vem­ber bis Sil­ves­ter lockt das Tollwood Mün­chen in Zel­te und Bu­den

In München - - TOLLWOOD - Ru­pert Som­mer

Kann man sich in den gro­ßen Glüh­wein-Kon­sum­rausch stür­zen, als ob drau­ßen nicht der hal­be Glo­bus bren­nen wür­de? Satt und be­quem ha­ben sich die Wohl­stands­bun­des­bür­ger im schein­bar auf ewig ga­ran­tier­ten Wachs­tum ein­ge­rich­tet. Und wenn die Hor­ror­be­rich­te­te über das Elend, die Krie­ge, über Flucht und die Gren­zen, die im­mer mehr Herz­lo­se dicht hal­ten wol­len, zu sehr auf die Nie­ren schla­gen, kann man die „Ta­ges­schau“ja ab­schal­ten.

Nicht so die Toll­woo­dMa­cher, die auch in die­sem Jahr mal wie­der bei­des schaf­fen wol­len – ei­nes der mit Si­cher­heit stim­mungs­volls­tes Win­ter­fes­ti­vals der Stadt zu be­ge­hen und gleich­zei­tig die Au­gen nicht zu ver­schlie­ßen. Fast ein we­nig platt und na­iv könn­te das dies­jäh­ri­ge Fest-Mot­to „Wir, al­le“klin­gen. Und doch er­in­nert es an das gro­ße Mit­ein­an­der – und das Ge­bot zur Mit­mensch­lich­keit. Und da dür­fen dann na­tür­lich im Ba­zar-Trei­ben, das die wei­te Welt mit all ih­rer Schön­heit und den vie­len Ver­lo­ckun­gen – auch den ku­li­na­ri­schen –ins Zelt und die Bu­den­gas­sen holt, die nach­denk­li­chen Mo­men­te nicht feh­len. Ri­ta Rot­ten­wall­ner und ihr Toll­woo­dTeam ha­ben von 23. No­vem­ber bis zur gro­ßen Sil­ves­ter-Sau­se zum Jah­res­wech­sel wie­der ein ab­wechs­lungs­rei­ches Kunst-, Kul­tur- und De­bat­ten-Pro­gramm zu­sam­men­ge­stellt, des­sen Strahl­kraft sich schon durch die zum In­ne­hal­ten er­in­nern­den Kun­st­in­stal­la­tio­nen und dies­mal auch – in Zu­sam­men­ar­beit mit dem MUCA – viel Ur­ban Art aus­drückt.

Die be­son­ders gro­ßen Ge­dan­ken um Mensch, Um­welt und un­se­re Vi­sio­nen, wie wir jetzt und in Zu­kunft zu­sam­men le­ben wol­len, wer­den da­bei im Welt­sa­lon ge­wälzt. Hier dis­ku­tie­ren Po­lit-Pro­fis wie Wolf­gang Thier­se, der Kam­mer­spie­le-In­ten­dant Matthias Li­li­en­thal, aber auch Wis­sen­schaft­ler und Phi­lo­so­phen wie Klaus Main­zer von der TU oder Na­tur­fo­to­gra­fen wie Ro­land Mars­ke und Da­vid Het­tich über den be­droh­ten Glo­bus und die De­mo­kra­tie, die es zu schüt­zen gilt.

Für gu­te Zwe­cke tre­ten da­bei Bands wie Sim­ply Soul, die „SZ“-Re­dak­ti­ons­band De­ad­line, die Har­ry-KleinHaus­band Jazz­rausch oder die SkaKünst­ler von Strom & Was­ser auf. Und na­tür­lich gibt es auch kri­ti­sches Ka­ba­rett – ver­tre­ten durch Alt-OB Chris­ti­an Ude, HG Butz­ko, Ec­co Mei­ne­ke oder Micha­el Al­tin­ger.

Un­ter der gro­ßen Zelt­kup­pel in­ter­pre­tiert der Cir­que Eloi­ze die Not­wen­dig­keit, sich zu ar­ran­gie­ren, schmis­sig: Die Vor­zei­ge­pro­duk­ti­on „iD“ist ei­ne HipHop-Va­ri­an­te auf den Klas­si­ker „West Si­de Sto­ry“. Be­son­ders gut ver­daut sich das in Be­glei­tung ei­nes VierGän­ge-Bio-Me­nüs.

Und na­tür­lich dür­fen die Stel­zen­gän­ger, Perch­ten, Feu­er­künst­ler und Stra­ßen­grup­pen nicht feh­len, die den Gang übers nächt­li­che Ge­län­de zu ei­nem be­wusst­seins­er­wei­tern­den Er­leb­nis ma­chen.

Dass nicht nur der Punk, son­dern auch viel Welt­folk­lo­re, Reg­gae, Gos­pel, Blues und Jazz im Mu­sik­zelt ab­geht, macht dies­mal schon al­lein der ein­gän­gi­ge neue Na­men He­xen­kes­sel deut­lich. Auch das ist ein Tollwood-Ver­spre­chen, das man de­fi­ni­tiv ein­lö­sen soll­te.

Die Welt dreht am Rad: iD

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