Viel­falt statt Ein­falt

Krip­pen­kunst, Rechts­ex­tre­mis­mus in Deutsch­land, Aus­gra­bun­gen und in­di­ge­ne Völ­ker

In München - - AUSSTELLUNGEN - Baye­ri­schen Na­tio­nal­mu­se­um,

Was soll man blöd drum rum re­den, es ist nun mal wie es ist: Es win­tert und es weih­nach­tet. Wäh­rend der ers­te Schnee her­ab­tru­delt, du­delt es al­ler­or­ten und die Glüh­wein­bu­den ste­hen auch schon be­reit für ih­ren gro­ßen Jah­res­end­zeit­ein­satz. Wer es nicht so mit dem Glüh­wein hat, sich aber den­noch ad­vent­lich ein­stim­men mag, dem blei­ben stil­le Spa­zier­gän­ge durchs an­ge­zu­cker­te Na­del­holz oder ru­hi­ge Nach­mit­ta­ge bei ge­dimm­tem Licht. Und na­tür­lich die Krip­pen­aus­stel­lun­gen! Zum Bei­spiel im

das die gro­ße Samm­lung Max Schme­de­rers (1854-1917) zeigt. Schme­de­rer war nicht nur ein Münch­ner Ban­kier, son­dern vor al­lem ein lei­den­schaft­li­cher Samm­ler von kost­ba­ren Krip­pen. Er kauf­te be­vor­zugt his­to­ri­sche Fi­gu­ren aus Bay­ern und dem Al­pen­raum und reis­te re­gel­mä­ßig durch Sü­dita­li­en, im­mer auf der Su­che nach Meis­ter­wer­ken des nea­po­li­ta­ni­schen und si­zi­lia­ni­schen Ba­rock. In sei­nem gro­ßen Haus in der Neu­hau­ser und spä­ter in der Bri­en­ner Stra­ße schuf er für je­des Fi­gu­renen­sem­ble ei­ne ei­ge­ne Sze­ne­rie. Über 6000 Be­su­cher folg­ten jähr­lich sei­ner Ein­la­dung, die in den Pri­vat­räu­men aus­ge­stell­ten Krip­pen zu be­sich­ti­gen. Be­reits 1893 hat­te er über 2000 Fi­gu­ren, Tie­re und Bau­wer­ke zu­sam­men­ge­tra­gen, und um die­sen Schatz zu er­hal­ten, schenk­te er all sei­ne Krip­pen dem Baye­ri­schen Na­tio­nal­mu­se­um – und half da­bei, sie ent­spre­chend zu in­sze­nie­ren. Die Stu­dio­aus­stel­lung Der Herr der Krip­pen (bis 4. März) zeigt nicht nur Fi­gu­ren, son­dern auch Ar­chi­tek­tur­ku­lis­sen für die Krip­pen, die lan­ge im De­pot darb­ten, und er­gänzt sie mit Zeich­nun­gen und Bau­stel­len­fo­tos.

Wei­ter zum nächs­ten Krip­pen­ju­bi­lä­um. 1917, al­so mit­ten im Ers­ten Welt­krieg und in dem Jahr, in dem Max Schme­de­rer starb, grün­de­te sich der Ver­ein „Münch­ner Krip­pen­freun­de“. Da­mals wa­ren es 21 Freun­de, heu­te zählt der Ver­ein 250 Mit­glie­der. Sei­ne Auf­ga­be ist „die Krip­pen­pfle­ge in Mün­chen“. Die gro­ße Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung 100 Jah­re Münch­ner Krip­pen­freun­de (7. bis 26. De­zem­ber) in der Rat­haus­ga­le­rie zeigt über 100 Krip­pen von 1700 bis heu­te, aus den ver­schie­dens­ten Ma­te­ria­li­en und aus al­ler Welt. Hö­he­punkt ist die auf fünf Me­tern in­sze­nier­te Ver­eins-Krip­pe „Stif­tung Scha­chin­ger“mit über 200 Fi­gu­ren ver­schie­de­ner Münch­ner Schnit­zer. Am 24. De­zem­ber ist die Aus­stel­lung ge­schlos­sen, da fei­ern auch die Krip­pen­fi­gu­ren Weih­nach­ten.

2015 de­mons­trie­ren Rechts­ex­tre­mis­ten an­läss­lich der Er­öff­nung des NS-Do­ku­men­ta­ti­ons­zen­trums Mün­chen ge­gen den „an­ti­deut­schen Schuld­kult“. Erst im Ja­nu­ar die­ses Jah­res for­der­te der AfD-Po­li­ti­ker Björn Hö­cke ei­ne „er­in­ne­rungs­po­li­ti­sche Wen­de um 180 Grad“. Der rechts­ex­tre­me BIA-Stadt­rat Karl Rich­ter be­zeich­net die Prä­ven­ti­ons­ar­beit ge­gen Rechts­ex­tre­mis­mus als „Hetz- und Dif­fa­mie­rungs­ar­beit ge­gen Rechts“und for­dert re­gel­mä­ßig, das NS-Do­ku­men­ta­ti­ons­zen­trum Mün­chen zu schlie­ßen und das Ge­bäu­de ab­zu­tra­gen. Weil es Men­schen gibt, die so den­ken, sind Aus­stel­lun­gen wie die­se wich­tig: Nie wie­der. Schon wie­der. Im­mer noch. Rechts­ex­tre­mis­mus in Deutsch­land seit 1945 (29. No­vem­ber bis 2. April, Ka­ta­log) do­ku­men­tiert Ak­ti­vi­tä­ten, Ak­teu­re, Wel­t­an­schau­un­gen und Stra­te­gi­en der ex­tre­men Rech­ten seit Kriegs­en­de. Mün­chen und Bay­ern ste­hen im Mit­tel­punkt. Weg­schau­en

Die Welt ist bunt: Der in En­g­land ge­bo­re­ne Fo­to­graf Jim­my Nel­son reist dort­hin, wo es in­di­ge­ne Völ­ker gibt.

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