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Auf in den Ring: mit bo­xen­den Au­to­ren, nack­ten Aus­stei­gern und klu­gen Köp­fen

In München - - LITERATUR -

Auf dem der­zeit durch die Stadt to­ben­den Münch­ner Li­te­ra­tur­fest kommt man sich oh­ne Cord-Ja­ckett oft et­was na­ckig vor. Ge­schenkt! Im­mer­hin gibt es ja auch Li­te­ra­tur, die kei­ne Angst vor kur­zen Ho­sen hat. Da­vi­de Enia aus Ita­li­en ist so ein Typ. Mit „So auf Er­den“hat er ei­nen Wir­kungs­tref­fer plat­ziert. Kein Wun­der, haut er doch schweiß­trei­ben­de Ge­schich­ten über die Ma­fia, die Frau­en und die Bo­xe­rei raus. Letz­te­re qua­li­fi­ziert ihn zu sei­nem In­tel­lekt-Po­sie­ren im Ring. Da­für steigt er zu­sam­men mit Gui­do Bu­ett­gen („Cham­pa­gner­blut“) so­wie dem Team von „Bo­xing Cu­ba“ins Ram­pen­licht. Drei Bü­cher, drei Run­den. Ei­ne Kraft­an­stren­gung. (Box­werk, Schwind­str. 5, 25.11.)

Wer sich auf dem Li­te­ra­tur­fest tum­meln möch­te, der muss un­be­dingt den Su­per­star-Auf­tritt von Col­son Whitehead mit­neh­men, der sei­ne Zu­hö­rer in sei­nem Pu­lit­zer-ge­krön­ten Best­sel­ler „Un­der­ground Rail­road“über das ge­hei­me Flucht­netz­werk der in den Süd­staa­ten ge­schun­de­nen Schwar­zen aufs Gleis setzt. De­fi­ni­te­ly not to be mis­sed, wie der Kul­tur­gän­ger weiß. (LMU, 28.11.)

Eben­falls ein Pflicht­ter­min: Die Markt der un­ab­hän­gi­gen Ver­le­ger un­ter dem Mot­to An­de­re Bü­cher braucht das Land. Be­reits zum elf­ten Mal prä­sen­tie­ren sich 30 In­de­pen­dent-Häu­ser aus dem deutsch­spra­chi­gen Raum ih­re be­son­de­ren Ti­tel jen­seits des Main­streams. Ein Spi­rit, der in­spi­riert! (Literaturhaus, 2./3.12)

Als ei­nes der „be­glü­ckends­ten Bü­cher des Jah­res“be­zeich­ne­te der „Stern“den Ro­man „Was man von hier aus se­hen kann“von Ma­ri­an­na Le­ky. Da­mit liegt die Zeit­schrift gold­rich­tig, wenn man auch ei­ne et­was wei­ter ge­fass­te Woh­lig­keit-De­fi­ni­ti­on an­wen­den muss. Im­mer­hin hat es die Dorf­ge­schich­te aus dem Wes­ter­wald in sich. Die al­te Sel­ma kann den Tod vor­aus­se­hen. Im­mer wenn ihr im Traum ein Oka­pi er­scheint, stirbt am nächs­ten Tag ei­ner ih­rer Nach­barn. (Buch­hand­lung Lehm­kuhl, 23.11.)

Wie man erns­te The­men mit der ge­bo­te­nen Läs­sig­keit – und viel grim­mig-schwar­zem Hu­mor – an­packt, weiß na­tür­lich auch Mo­ni­ka Gei­er. In ih­rem neu­es­ten Kra­cher „Al­les so hell da vorn“rech­net ei­ne noch sehr jun­ge Pro­sti­tu­ier­te mit ih­rem Stamm­kun­den ab. Eben ging’s noch zur Sa­che, schon schnappt sie sich die Knar­re, er­schießt den Frei­er und haut mit des­sen Han­dy und Au­to ab. Frankfurt ist in Auf­ruhr: Der Er­mor­de­te war ein Po­li­zist! (Buch­hand­lung Glatt­eis, 25.11.)

Vor ei­nem kniff­li­gen Fall ste­hen die Kom­mis­sa­rin­nen, die im Ro­man „Schar­fe Hun­de“von Ni­co­la Förg auf­räu­men müs­sen. Sie be­kom­men es mit dem Be­sit­zer ei­ner Out­door-Agen­tur, ei­nem Cam­ping-Ur­lau­ber aus Hol­land und mit ei­ner be­gü­ter­ten Oma zu tun. Al­le drei sind tot –ge­stor­ben an Ei­sen­hut-Ver­gif­tun­gen. Zu­fall? Sui­zi­de? Mord? (Gleis 1 Un­ter­schleiß­heim, 25.11.)

Ein schein­bar ganz ge­sun­des, vom Zi­vi­li­sa­ti­ons­stress und sei­nen Ge­fah­ren los­ge­lös­tes Le­ben woll­ten die Aus­stei­ger ge­nie­ßen, die sich bei As­co­na zu­rück­ge­zo­gen hat­ten. Ein All­tag oh­ne Sta­tus­den­ken – und oh­ne stö­ren­de Tex­ti­li­en. Vie­le Münch­ner zog es dort­hin. Erich Müh­sam, Her­mann Hes­se, auch die wil­de Schwa­bin­ge­rin Fran­zis­ka von Revent­low. In den 60er Jah­ren drang die Kun­de in die USA, wo sie die Hip­pieBe­we­gung mit an­stieß. Ste­fan Boll­mann zeich­net das in „Mon­te Ve­ri­tà. 1900. Der Traum vom al­ter­na­ti­ven Le­ben

Er­bar­mungs­los: COLSON WHITEHEAD

Uner­schro­cken: DA­VI­DE ENIA

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