Col­son Whitehead

In München - - LITERATUR - Rai­ner Ger­mann

Un­der­ground Rail­road Ein Plä­doy­er für die Frei­heit: Co­ra ist ei­ne von un­zäh­li­gen Schwar­zen, die bis Mit­te des 19. Jahr­hun­derts auf den Baum­woll­plan­ta­gen Geor­gi­as schlim­mer als Tie­re be­han­delt wer­den. Und das ist wört­lich zu neh­men: der Will­kür sa­dis­ti­scher wei­ßer Herr­schaft aus­ge­setzt, blei­ben oft nur Selbst­mord und Wahn­sinn als Aus­weg, den men­schen­un­wür­di­gen Le­bens- und Ar­beits­be­din­gun­gen so­wie den grau­sa­men Be­stra­fun­gen zu ent­flie­hen, die aus dem Mit­tel­al­ter der In­qui­si­ti­on den Weg in die neue Welt ge­fun­den ha­ben. Co­ra flieht mit Hil­fe ei­nes Hilfs­netz­werks, das es wirk­lich ge­ge­ben hat und in Skla­ve­rei le­ben­den Men­schen die Flucht in Staa­ten er­mög­lich­te, in de­nen sie in Frei­heit le­ben konn­ten. Col­son Whitehead hat sich in sei­nem Pu­lit­zer­preis ge­krön­ten Ro­man für die Flucht sei­ner Prot­ago­nis­tin ei­nen fik­ti­ven Twist aus­ge­dacht: Über ei­ne Fall­tür ge­langt sie in den Un­ter­grund und es be­ginnt ei­ne atem­be­rau­ben­de Rei­se auf der ti­tel­ge­ben­den Ei­sen­bahn­stre­cke von South Ca­ro­li­na, North Ca­ro­li­na über Ten­nes­see bis nach In­dia­na, auf der sie Lei­chen­die­ben und Kopf­geld­jä­gern, aber auch selbst­lo­sen und to­des­mu­ti­gen „Bahn­hofs­wär­tern“be­geg­net. Whiteheads Ro­man ist un­glaub­lich span­nend und vir­tu­os er­zählt, macht nach­denk­lich und vor al­lem rich­tig wü­tend, wenn man hört, dass Do­nald Trump da­ge­gen ist, das Kon­ter­fei des Skla­ven­hal­ters und US-Prä­si­den­ten And­rew Jack­son durch die Flucht­hel­fe­rin Har­riet Tub­man, ei­ner ech­ten „Un­der­ground-Rail­road“-Ak­ti­vis­tin, auf der 20-Dol­larNo­te zu er­set­zen, wie es die Re­gie­rung Oba­ma be­schlos­sen hat­te.

Am 28.11., 20 Uhr, prä­sen­tiert Col­son Whitehead sei­nen Ro­man im Rah­men des Li­te­ra­tur­fests im Au­di­max der LMU Mün­chen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.