Ilo­na Jer­ger

In München - - LITERATUR - Jon­ny Rie­der

Und Marx stand still in Dar­wins Gar­ten

(Ull­stein)

„Wer zwei­mal bei Karl Marx ein­pennt, ge­hört schon zum Esta­blish­ment“. Das war 68. Heu­te, wo das Abrüs­seln bei Bü­chern mit mar­xähn­li­chen oder marx­hal­ti­gen In­halts­stof­fen nicht mal Face­book-Dis­li­king be­wirkt, steht es gar nicht mehr an. So­bald sich näm­lich ein His­to­ry-Play­er vom sta­tu­es­ken Mes­si­as oder Sa­tan in ei­ne knet­ba­re Pop­fi­gur ver­wan­delt, in ei­nen ent­so­ckel­ten, bron­chi­ti­sie­ren­den One-of-us und hin­ter sei­nen Satz­dampf­ma­schi­nen her­vor kör­pert, öff­net sich sein Werk. Ro­man­au­to­rin Ilo­na Jer­ger spielt mit ei­nem In­va­lid-Bud­dy-Zu­gang und floh­mark­tet er­staun­li­che Ana­lo­gi­en zwi­schen den Esta­blish­ment­scho­ckern Ka­pi­tal-Kal­le und Evo­man Charles Dar­win, der es dem lie­ben Gott or­dent­li­cher be­sorg­te als al­le Kom­mu­nis­ten zu­sam­men. Lon­don, 1881. In Jer­gers al­ter­na­te rea­li­ty be­geg­nen sich die ge­al­ter­ten Welt­bild­shaker, re­spek­tie­ren sich, ob­gleich Dar­win den Kom­mu­nis­mus ab­lehnt und der Kom­mu­nis­ten-Mo­ses die­sen ab­fäl­lig „Or­chi­de­en­züch­ter“nennt. Es macht Spaß, an de­ren Kran­ken­bet­ten zu sit­zen. Weil dort über­all Jer­gers ori­gi­nel­le und wit­zi­ge Bil­der hän­gen und die Au­to­rin sich so akri­bisch und em­pa­thisch um ih­re Ba­bys küm­mert wie die­se sich um Evo und die A-Klas­se. Fa­mos auch das Ma­king-of am En­de; liest sich wie ein Bo­nus­kri­mi.

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