Kei­ne staa­de Zeit

Dys­to­pi­scher Dia­lekt-Rock’n’Roll und fra­gi­le Bal­la­den

In München - - CONCERTS -

Mün­chens ein­zig­ar­ti­ges 14köp­fi­ges „me­di­tar­ren­e­an trash ar­ke­s­tra“na­mens G.rag y Los Her­ma­nos Pat­che­kos lädt auch heu­er wie­der zum zwei­tä­gi­gen Wee­ken­der ein. Dar­ge­bo­ten wer­den hier nicht nur die Hits von ak­tu­el­len Al­bum „Wa­cky To­ba­cky“, son­dern auch vie­le Per­len aus ih­rer ge­sam­ten bis­her 18 jäh­ri­gen Schaf­fens­pe­ri­ode, dar­un­ter her­aus­ra­gen­de Co­ver­ver­sio­nen von Hank Wil­li­ams bis Ca­ri­bou und Kraft­werk, die im G.Rag-Sound zwi­schen Lo-Fi, Cum­bia, Swing, Folk, La­tin, Hard­core/Punk bis Land­ler und Coun­try dar­ge­bo­ten wer­den. An den Aben­den sup­por­ten Hon­ky­tonk Mo­ve­ment/Fred Ras­pail die Pat­che­kos, da­nach wird mit den DJs Au­to­scoo­ter & El Pre­si­den­te ge­fei­ert. (24. und 25. 11. Mil­la)

The Dic­ta­tors grün­de­ten sich 1973 in New York Ci­ty und wa­ren die PrePunk­band nach New York Dolls und noch vor den Ra­mo­nes. Ih­re ers­te Plat­te „Go Girl Cra­zy“er­schien 1975 und ist dem Sub­gen­re Stree­t­rock zu­zu­ord­nen. Nach drei Al­ben war be­reits En­de der 1970er Jah­re Schluss und es wur­de ru­hig um die bei­den Haupt­ak­teu­re Hand­so­me Dick Ma­ni­to­ba und Ross The Boss, der in den 1980ern Ma­no­war grün­de­te. Seit 2014 tourt die Band wie­der durch die Welt, im No­vem­ber 2015 er­schien die neue Sing­le „Supp­ly And De­mand“, die in­ner­halb we­ni­ger Wo­chen aus­ver­kauft war. Heu­er än­der­te die Band ih­ren Na­men in Ma­ni­to­ba NYC –Band bleibt gleich, Songs blei­ben gleich, Show bleibt gleich. (24. 11. Ru­mours)

Zwan­zig Jah­re ste­hen sie schon auf der Büh­ne, seit zwan­zig Jah­ren sind sie rast­los: Nort­hern Li­te sind drei Her­ren, die von Erfurt aus den Sound des Elek­tro, Pop, Rock und Tech­no re­vo­lu­tio­nier­ten. Sie ha­ben in die­ser Zeit ei­ne stol­ze An­zahl an Al­ben und Singles pro­du­ziert. Kein Wun­der, dass ih­re Best-Of-Show zum Ju­bi­lä­um durch­aus drei St­un­den dau­ern kann und ei­ne ein­drucks­vol­le Band­brei­te bie­tet. Eins ist da­bei si­cher: Bei den Beats von Nort­hern Li­te kommt je­der ins Tan­zen, erst recht, wenn die drei live auf der Büh­ne ste­hen. Auf die Tour brin­gen sie ihr Al­bum „23“mit, auf dem sie die­se Zahl an Hits neu über­ar­bei­tet ha­ben. (25.11. Muf­f­at­hal­le)

Die mu­si­ka­li­sche Ver­bin­dung von Mo­dest Mou­se, Da­vid Bo­wie und Ar­ca­de Fi­re war für die ka­na­di­sche In­die­rock-For­ma­ti­on Wolf Pa­ra­de un­ge­heu­er frucht­bar, noch nie hat­te man ei­nen der­art ge­ra­den und kla­ren Klang aus schrä­gen Tö­nen ge­hört, an dem nichts fehl­te und nichts zu viel war. Bis 2011 ha­ben Spen­cer Krug und Dan Boeck­ner als un­glei­ches Paar der Rock­mu­sik ei­nen ganz neu­en Sound bei­ge­steu­ert. Zwei Sän­ger, die je­weils auch ih­re ei­ge­nen Songs sin­gen, nä­her­ten sich im­mer mehr an, wur­den im­mer mehr zu zwei Sei­ten ei­ner Band. Nun wer­den un­ter dem Mot­to „The Hia­tus is over“neue Songs vor­ge­stellt, man darf ge­spannt sein. (27.11. Fei­er­werk Han­sa 39)

Pe­ter Hayes, Ro­bert Le­von Be­en und Leah Sh­a­pi­ro sind der Black Re­bel Motor­cy­cle Club und noch im­mer ei­ne der cha­ris­ma­tischs­ten Rock­bands, die Ame­ri­ka in den letz­ten bei­den Jahr­zehn­ten her­vor­ge­bracht hat. Das liegt zum ei­nen an ih­rer groß­ar­ti­gen Büh­nen­prä­senz und zum an­de­ren an Rock­songs wie „Spre­ad Your Lo­ve“, „Wha­te­ver Hap­pen­end To My Rock’n’Roll (Punk Song)“oder dem eher blue­si­gen „Ain’t No Ea­sy Way“. Von Je­sus And Ma­ry Chain über Vel­vet Un­der­ground, Rol­ling Sto­nes bis zu den Stoo­ges reicht das Spek­trum, al­ler­dings ver­bin­den BRMC das Gan­ze so ge­ni­al, dass man nur an das Trio aus San Francisco denkt. Nun kün­digt sich ein neu­es Al­bum an, ei­ni­ge Songs wer­den si­cher auf der Tour be­reits vor­ge­stellt. Sup­port: The Va­cant Lots (28.11. Ton­hal­le)

Sie­ben Jah­re sind seit ih­rem letz­ten Al­bum ver­gan­gen, in der Pop­mu­sik ist das ei­ne hal­be Ewig­keit. Nun keh­ren Sän­ge­rin Va­le­rie Tre­bel­jahr und ih­re For­ma­ti­on La­li Pu­na zu­rück in ei­ne Welt, die sich in der Zwi­schen­zeit ra­di­kal ver­än­dert hat. „Two Win­dows“, das fünf­te Al­bum der Band, wirkt trotz­dem nicht aus der Zeit ge­fal­len ist. Der me­lan­cho­li­sche, ver­träum­te Elek­tro-Pop, für den die Grup­pe weit über die Gren­zen ih­rer Hei­mat­stadt Mün­chen hin­aus be­kannt ge­wor­den ist, trifft auf Tex­te, in de­nen die Prot­ago­nis­tin, die we­gen fa­mi­liä­rer Ver­pflich­tun­gen ei­ne Zeit­lang das Mu­sik­ma­chen auf­ge­ge­ben hat­te, die nicht im­mer idyl­li­schen Ve­rän­de­run­gen in ih­rem Le­ben re­flek­tiert. Da­zu pumpt dy­na­misch der Bass, Tre­bel­jahr kennt das noch von frü­her, als sie in der Club­sze­ne Lis­s­a­bons un­ter­wegs war. (29. 11. Kam­mer­spie­le)

Auf „Good Ti­mes“, der neu­en und ach­ten Plat­te von Man­do Diao, ist al­les ganz an­ders – und doch vie­les wie ge­wohnt oder gar bes­ser. Nach 19 ge­mein­sa­men Jah­ren hat­te im Ju­ni 2015 der Sän­ger und Gi­tar­rist Gus­taf No­rén die Band ver­las­sen, üb­rig blieb Mas­ter­mind Björn Dix­gård, der durch sei­ne mar­kan­te Stim­me im­mer schon als zen­tra­ler Front­mann iden­ti­fi­zier­bar war. Mit dem neu­en Al­bum hat sich die Band ein wei­te­res Mal mu­si­ka­lisch neu er­fun­den, denn es ist ei­ne ech­te Ge­mein­schafts­leis­tung. Das ers­te Mal ha­ben sich Sän­ger und Gi­tar­rist Dix­gård, Bas­sist Carl-Jo­han Fo­gel­k­lou, Key­boar­der und Gi­tar­rist Da­ni­el Hag­lund und Schlag­zeu­ger Pa­trik Hei­kin­pie­ti so­wie der neue Gi­tar­rist Jens Si­ver­stedt gleich­be­rech­tig am Song­wri­ting be­tei­ligt. Live im­mer ein Fest ... (29.11. Ze­nith)

Nach ih­rem De­büt­al­bum auf den wie­ne­ri­schen Spu­ren von Vel­vet Un­der­ground folg­ten bei den Bu­ben im Pelz nun selbst­kom­po­nier­te Songs auf dem ak­tu­el­len Werk „Kat­zen­fes­tung“. Ihr ers­tes rich­ti­ges Al­bum ist mehr Sto­ner, mehr Noi­se, über­haupt mehr Rock, mit da­bei sind auch noch Voo­doo Jür­gens, Mons­ter­he­art und Sir Tra­la­la. Lie­der über die Lie­be und das Le­ben in Wi­en in den kom­men­den Apo­ka­lyp­se-Jah­ren, dys­to­pi­scher Dia­lekt-Rock’n’Roll und fra­gi­le Bal­la­den über ei­ne Zeit, in der sich al­le ein­sper-

Pop total: HURTS

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