Old School, aber gut

Die Cri­me-Queen und ein Sci-Fi-Klas­si­ker im neu­en Ge­wand

In München - - FILM-ABC - Rai­ner Ger­mann

Dass die Fran­zo­sen Aga­tha Chris­tie-Fans sind, be­weist die­se am­bi­tio­nier­te Rei­he: Die Edi­ti­on Aga­tha Chris­tie – Klei­ne Mor­de (KSM) ver­sam­melt elf span­nen­de Kri­mis, die auf Ro­ma­nen der Welt­best­sel­ler-Au­to­rin ba­sie­ren – dar­un­ter „Die Mor­de des Herrn ABC“, „Die To­te in der Bi­b­lio­thek“, „Die Kat­ze im Tau­ben­schlag“, „Ru­he un­sanft“– und für Fran­ce 2 pro­du­ziert wur­den. An­toi­ne Du­le­ry und Ma­ri­us Co­luc­ci spie­len hier das Er­mitt­ler Duo La­ro­siè­re und Lam­pi­on, das sei­ne Ar­beit mit fran­zö­si­schem Charme und gro­ßer Lei­den­schaft würzt. Im Frank­reich der 1930er Jah­re ha­ben die bei­den kom­ple­xe und rät­sel­haf­te Mord­fäl­le wie Ei­fer­suchts­dra­men und Gift­mor­de aus Chris­ties Fe­der zu lö­sen – herr­lich alt­mo­disch und in­tel­li­gent in­sze­niert.

In die glei­che Ker­be schlägt Aga­tha Chris­tie – Part­ners In Cri­me (Po­ly­band). Die für die BBC pro­du­zier­te Rei­he spielt im Groß­bri­tan­ni­en der 1950er Jah­re, ein Land in den Nach­we­hen des Zwei­ten Welt­krie­ges, das sich ge­ra­de po­li­tisch auf der Welt­kar­te neu po­si­tio­niert. Der gut­mü­ti­ge Bie­nen­züch­ter Tom­my Be­res­ford (Da­vid Wal­li­ams) und sei­ne ehr­gei­zi­ge Frau Tup­pence (Jes­si­ca Rai­ne) grün­den ihr ei­ge­nes De­tek­tiv­bü­ro, stol­pern in ei­ne Welt voll von Mord, Ge­heim­agen­ten und Ver­schwö­run­gen und lö­sen ih­re Fäl­le mit viel bri­ti­schem Hu­mor (un­be­dingt im Ori­gi­nal an­schau­en!) und, trotz kniff­li­ger De­tek­tiv­ar­beit, auf zum Teil schon fast put­zi­ge Art und Wei­se.

Wer er­in­nert sich nicht an den Sci-FiKlas­si­ker: auch das Ori­gi­nal mit Yul Bryn­ner von West­world (War­ner Ho­me) spielt in ei­ner fik­ti­ven Wes­tern­welt, in der zah­lungs­kräf­ti­ge Kun­den so rich­tig die Sau raus­las­sen und Cow­boy spie­len kön­nen. So­ge­nann­te „Hosts“mi­men dort die Be­woh­ner, sie sind per­fekt ge­stal­te­te An­dro­iden, die sich äu­ßer­lich nicht von Men­schen un­ter­schei­den und ge­liebt, ver­ge­wal­tigt, ge­tö­tet und eben wie­der her­ge­stellt wer­den kön­nen. Doch ein Up­date geht schief und es scheint, dass die Hosts so et­was wie Er­in­ne­run­gen und Ge­füh­le ent­wi­ckeln, was schon bald zu er­heb­li­chen Schwie­rig­kei­ten im Um­gang mit der Kund­schaft führt. Per­fekt in­sze­niert und mit Ant­ho­ny Hop­kins, Ed Har­ris und Evan Ra­chel Wood hoch­ka­rä­tig be­setzt, ist „West­world“ein ge­lun­ge­nes Bei­spiel da­für, wie aus ei­nem ein­di­men­sio­na­len Sci­ence Fic­tion-Film ei­ne viel­schich­ti­ge und zum Teil phi­lo­so­phi­sche Se­rie wird.

Er stellt Sinn­fra­gen und lässt den Zu­schau­er hin­ter der Ka­me­ra Platz neh­men, um gro­ße Schau­spie­ler un­se­rer Zeit (Pitt, Gos­ling, Bar­dem, Af­f­leck, Ba­le, Port­man, Blan­chett, Fass­ben­der) wie un­ter ei­ner Lu­pe bei der Ar­beit zu be­ob­ach­ten: Ter­rence Malick. „The Tree of Li­fe“, „To the Won­der“, „Knight of Cups“, „Song to Song“– die vier letz­ten gro­ßen Meis­ter­wer­ke ver­eint in ei­nem ex­klu­si­ven Schu­ber (Stu­dio­ca­nal) – für Ci­ne­as­ten und Freun­de des Aus­nah­me­re­gis­seurs das wohl per­fek­te Weih­nachts­ge­schenk.

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