Wells­nes­s­trip

In München - - LITERATUR - Jon­ny Rie­der

Mit­te der 70s, als CGI noch auf dem Bob­by­car rum­gurk­te, wa­ren die Spe­cial Ef­fects in den Ani­mal-Zoom-Mo­vies ech­te Hor­ror­show. Es gru­sel­te ei­nem vor dem Ge­dan­ken, dass Men­schen in der La­ge wa­ren, so trum­pi­ge Fil­me zu ma­chen. Ei­ner die­ser La­tri­nen­tauch­gän­ge war der 77erVer­such, H.G. Wells’ Kurz­ge­schich­te Das Im­pe­ri­um der Amei­sen als For­mi­cu­la-Va­ri­an­te auf die Lein­wand zu quä­len. Of­fen­bar dach­te Re­gis­seur Bert I. Gor­don ali­as Mr. B.I.G., die Grö­ße ma­che den Schre­cken. Da­bei er­nährt sich die 1905 er­schie­ne Kurz­ge­schich­te von H. G. Wells von et­was ganz an­de­rem: al­ter­na­te evo­lu­ti­on. Es gibt ei­ne smar­te Le­bens­form, die Ho­mo sa­pi­ens auf dem Brain­way über­holt hat. Die­se Amei­sen sind zwar deut­lich grö­ßer als ih­re be­kann­ten Kol­le­gen, aber eben kei­ne King Kongs oder God­zil­las. Da­für ent­schie­den brai­ni­ger. „Rück­bli­ckend scheint es uns voll­kom­men lo­gisch, dass die Evo­lu­ti­on im­mer grö­ße­re Ge­hir­ne her­vor­brach­te“, schreibt Yu­val Noah Hara­ri in Ei­ne kur­ze Ge­schich­te der Mensch­heit. „Weil wir der­art in un­se­re In­tel­li­genz ver­liebt sind, ge­hen wir da­von aus, dass mehr Hirn­power au­to­ma­tisch bes­ser ist. Aber wenn dem so wä­re, dann hät­te die Evo­lu­ti­on doch si­cher auch Kat­zen her­vor­ge­bracht, die Dif­fe­ren­zi­al­glei­chun­gen lö­sen kön­nen. War­um hat al­so im ge­sam­ten Tier­reich nur die Gat­tung Ho­mo ei­nen der­art leis­tungs­fä­hi­gen Den­kap­pa­rat ent­wi­ckelt?“Wahr­schein­lich hat sich die Evo­lu­ti­on mit dem Men­schen nur ei­nen ge­schmack­los halt­ba­ren Ka­lau­er er­laubt. Eben da setzt H.G. Wells ein. Was, wenn ne­ben Ho­mo sa­pi­ens ei­ne wei­te­re Spe­zi­es die Brain­power-Op­ti­on ge­zo­gen hät­te? Das Hör­spiel tar­disst die Hand­lung in die Ge­gen­wart und ver­passt ihr ein Schät­zing-Up­grade. Qua­si Öko-Twist. Beim fröh­li­chen Er­de­zer­stö­ren plät­ten die Gier­bei­ner auch den pe­rua­ni­schen Re­gen­wald, die Hood der Brain-Amei­sen. Die sind lei­der im Ze­ro-Ants­mu­se­ment-Mo­dus und zei­gen Ho­mo hoo­li­gans, wer der neue Chef ist im bar­rio glo­bal. Un­ter­ord­nen oder un­ter­ge­hen, that’s the quest. Al­les auf High Vol­ta­ge, gru­se­lig, mit fie­sem Ab­gang. Und die Well­sMes­sa­ge kommt wie von Old Lu­ther­hand an die Wand ge­klopft. H. G. Wells: Das Im­pe­ri­um der Amei­sen. Hör­spiel von Oli­ver Dö­ring, 1 CD, ca. 1 Std., www.fol­gen­reich.de

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