Mei­ne Fa­vo­ri­ten aus Marcs Pool

In München - - MEINE PLATTE -

Wer kennt ihn nicht, den Münch­ner Brit-Po­pe: Marc Liebs­cher. Zu­sam­men mit sei­nem/un­se­rem Spezl Max Göbl trat er zum ers­ten Mal 1990/1991 als Kon­zert­ver­an­stal­ter in Er­schei­nung. Un­ter dem Na­men „So­nic Flo­wer“or­ga­ni­sier­ten sie Kon­zer­te mit jun­gen Gi­tar­ren­bands aus En­g­land, Wa­les oder sonst wo in Eu­ro­pa, die dem spä­ter als „Britpop“be­zeich­ne­ten Mu­sik­stil frön­ten. Die meis­ten Kon­zer­te fan­den in ei­ner skur­ri­len Kel­ler-Bar am Rot­kreuz­platz statt, und zwar im Hi­de-Out. Es war wit­zig zu se­hen, dass im­mer auch ein paar Stamm­gäs­te her­um­lun­ger­ten, die um die 20 Jah­re äl­ter und eher dem Blues­rock zu­ge­tan wa­ren, wenn an sol­chen So­nic Flo­wer-Aben­den rund 60 bis 70 jun­ge Men­schen aus un­se­rem Dunst­kreis das Hi­de-Out be­völ­ker­ten. Je­den­falls lern­te ich durch die­se Kon­zert­aben­de, bei 10 DM Ein­tritt, ei­ni­ge coo­le Bands und Song­wri­ter ken­nen: Rail­road Earth, Ba­sin­ger, Bob, Rin­go.

Und ein­mal gab es auch ei­nen Auf­tritt der Wil­helms­ha­ve­ner Band The Co­lour Red, die tol­len Po­wer­Punk-Pop-Rock fa­bri­zier­ten und sehr ger­ne min­des­tens je zwei­mal am Abend je­weils Co­ver-Ver­sio­nen ih­rer Lieb­lings­songs von Bil­ly Bragg („A New En­g­land“) und The Jam („That´s En­ter­tain­ment“) zum Bes­ten ga­ben. Das hat mich mu­si­ka­lisch da­mals sehr be­ein­druckt. Man kann fast sa­gen, dass Co­lour Red da­mals so et­was wie ei­ne Lieb­lings­band für mich wa­ren. Im Früh­jahr 1994 frag­te mich Marc Liebs­cher, der als Kon­zert­ver­an­stal­ter im­mer dar­an in­ter­es­siert war die Kos­ten ge­ring zu hal­ten, ob Co­lour Red bei mir über­nach­ten könn­ten, da ich da­mals in Un­ter­föh­ring wohn­te und der nächs­te Auf­tritt in der Kul­tur­sta­ti­on in Ober­föh­ring ge­plant war. Ich

sag­te zu. Ich wer­de nie ver­ges­sen, wie sehr wir nach dem Kon­zert in mei­ner Woh­nung den Rock´n ´Roll hoch­le­ben lie­ßen. Ei­ne Af­ter-Show­Par­ty mit den Mu­sik­hel­den in den ei­ge­nen vier Wän­den – ir­re! Co­lour Red hat­ten da­mals ei­nen sehr gei­len Long­play­er ver­öf­fent­licht, der be­zeich­nen­der­wei­se den Ti­tel „‘94“trug. Das Nach­fol­ge-Al­bum „Hurst“hul­dig­te im Ti­tel ei­nem der Hel­den der Fuß­ball-Welt­meis­ter-Mann­schaft En­g­lands im Jahr 1966, Ge­off­rey Hurst (der bei West Ham Uni­ted kick­te), aber lei­der er­schöpf­te sich das mu­si­ka­li­sche Po­ten­zi­al der Band da­mals re­la­tiv früh und so hör­te man auch schon bald nichts mehr von den Jungs von der Nord­see­küs­te.

Marc Liebs­cher hin­ge­gen trieb sei­ne Kon­zert­ver­an­stal­ter- und DJ-Kar­rie­re in der Zwi­schen­zeit wei­ter vor­an: Ab 1995 gab es im Sub­stanz, der coo­len Punk-Kn­ei­pe von Frank Berg­mey­er und Jür­gen Fran­ke in der Rup­pert­stra­ße, ein­mal im Mo­nat don­ners­tags ei­nen Britpop-Abend un­ter dem Ti­tel „Blick­punkt Pop“. Das Gan­ze gip­fel­te in ei­nem Auf­tritt der Char­la­tans, ei­ner mei­ner zehn ab­so­lu­ten Lieb­lings­bands al­ler Zei­ten, vor 400 Men­schen im rest­los voll­ge­pack­ten Sub­stanz im Fe­bru­ar 1994. Es war gran­di­os. Blick­punkt Pop soll­te spä­ter auch der Na­me ei­nes Plat­ten­la­bels wer­den, das Marc grün­de­te. 1996 durf­te Marc Liebs­cher dann zu­sätz­lich den Mon­tag­abend im Strom mit sei­nem Sound be­schal­len. Als das Ato­mic Ca­fé am 11. Ja­nu­ar 1997 sei­ne Pfor­ten öff­ne­te, war klar, dass Marc Liebs­cher den Frei­tag über­neh­men soll­te. Er lock­te aus dem Stand und vor­erst re­gel­mä­ßig je­den Frei­tag min­des­tens 500 bis 600 Britpop-Fans in die Dis­ko an der Neu­turm­stra­ße und ver­half Chris­ti­an Hei­ne und Ro­land Schunk da­mit zu ei­nem fes­ten fi­nan­zi­el­len Back­ground für die ers­ten Jah­re des neu­en Münch­ner Kul­tSchup­pens. Am Sil­ves­ter­tag 1997 be­gann ich dann dort mei­ne Tür­ste­herKar­rie­re. En­de Mai 1998 kam es zu ei­nem wei­te­ren High­light mei­ner Mu­sik-Fan-Vi­ta: The Blue­to­nes aus Hounslow (Grea­ter Lon­don) tra­ten an ei­nem Frei­tag­abend im Ato­mic Ca­fé auf. Nach­dem sie schon mit ih­rem ers­ten Al­bum „Ex­pec­ting to Fly“1996 im Strom gas­tier­ten, hat­ten sie nun im Ato­mic ihr nächs­tes Al­bum „Re­turn to the Last Chan­ce Sa­loon” im Ge­päck da­bei. Der größ­te Hit des Al­bums, „If“wur­de von Marc Liebs­cher da­mals rauf und run­ter ge­spielt und bohr­te sich da­durch fest in un­se­re Ge­hör­gän­ge ein. Auch ihr drit­ter Long­play­er aus dem Jahr 2000, brach­te noch ein paar Pop-Per­len mit sich: „Muds­li­de“und „The Bas­e­ment Song“dürf­ten dem ei­nen oder an­de­ren Nerd noch ge­läu­fig sein.

We­ni­ge Ta­ge zu­vor, im Mai 1998, spiel­te die schwe­di­sche Band Kent aus Stock­holm (ur­sprüng­lich aus Es­kils­to­na) im Ato­mic Ca­fé. Nach zwei Al­ben, die sich in Schwe­den schon sehr gut ver­kauf­ten, mach­te erst ihr drit­tes Al­bum „Iso­la“sol­che Schlag­zei­len, dass es auch von Marc Liebs­cher ge­spielt wur­de. Der letz­te Track auf die­sem Al­bum na­mens „747“, der ge­nau 7:47 Mi­nu­ten dau­ert, ist bis heu­te ei­ne sehr ein­gän­gi­ge Num­mer. Wie ich Wi­ki­pe­dia ent­neh­me, be­schloss die Band, erst auf­grund der wach­sen­den Be­liebt­heit von „Iso­la“, das Al­bum in­ter­na­tio­nal auf Eng­lisch her­aus­zu­brin­gen und in den USA auf Tour­nee zu ge­hen. Der Er­folg blieb je­doch aus. Das nächs­te Al­bum „Ha­g­nes­ta Hill“(1999) wur­de wie­der ein gro­ßer Er­folg in ih­rer Hei­mat, die eng­li­sche Ver­si­on des Al­bums und die US-Tour­nee je­doch er­neut ein Flop. Wei­te­rer An­spiel­tipp aus Iso­la; „If you we­re he­re“, aus „Ha­g­nes­ta Hill“ha­be ich mir nur „Mu­sic non stop und Kav­lar Soul“in mei­nem Lap­top ge­spei­chert.

Zum Ab­schluss will ich noch auf Sam­ba aus Müns­ter ver­wei­sen. Der Na­me der Band geht auf den seit den 1970er Jah­ren be­lieb­ten gleich­na­mi­gen Sport­schuh ei­ner Fir­ma mit drei Strei­fen aus Her­zo­ge­nau­rach zu­rück. Sam­ba wur­de 1994 von den Schul­freun­den Knut Stenert und Götz Grom­mek ge­mein­sam mit Schlag­zeu­ger Tho­mas Hop­pe ge­grün­det. Mit ih­ren deutsch­spra­chi­gen Tex­ten und ver­träum­ter Punk­pop-At­ti­tü­de brach­ten vie­le Sam­ba schnell mit der Ham­bur­ger Schu­le in Ver­bin­dung, ob­wohl sie mit ent­spre­chen­den Bands bis auf die Spra­che kaum et­was ge­mein hat­ten. Ob­wohl ge­ra­de ihr drit­tes Al­bum „t.b.a.“für mich ei­nes der schöns­ten Al­ben ist, durch die ich je­mals auf ei­ne Band auf­merk­sam wur­de, ließ das Ma­jor La­bel Epic Re­cor­ds die Band man­gels Er­folg fal­len. Die fol­gen­den zwei CDs („Mil­lio­nen zie­hen mit“und „Ko­man­do“) wur­den wie­der in Müns­ter von der Band pro­du­ziert und er­schie­nen 1999 und 2001 auf dem La­bel Blick­punkt Pop von Marc Liebs­cher.

Und jetzt noch ein kur­zer Sprung in die Ge­gen­wart: Nach­dem man seit dem letz­ten Sam­ba-Al­bum aus dem Jahr 2014 ge­nau 2,5 Jah­re nichts mehr von ih­nen ge­hört hat­te, tauch­te Knut Stenert im Früh­jahr 2017 un­ter dem Pseud­onym „Hans Ma­ria Rich­ter“wie­der aus der Ver­sen­kung auf und leg­te mit „Die Welt zu Gast beim Feind“ein tol­les So­lo-Al­bum vor. Die Tex­te sind ein­deu­tig aus Knut Sten­erts Fe­der und sein Ge­sang ist auch un­ver­kenn­bar zu iden­ti­fi­zie­ren. An­spiel­tipps von mir: „Hey Hey Hey“, „Die Syn­chro­ni­sa­ti­on be­ginnt“und „Un­ter dem Schirm“. Marc Liebs­cher hat je­den­falls von mir schon den Auf­trag er­hal­ten, mich über ei­nen et­wai­gen Auf­tritt von Knut Stenert a.k.a. Hans Ma­ria Rich­ter in Mün­chen auf dem Lau­fen­den zu hal­ten. Man sieht sich dort. Axel Du­be­low­ski

... auch be­kannt un­ter sei­nem Spitz­na­men „Lö­wen­bom­ber“, war von 1997 bis 2004 Tür­ste­her im Ato­mic Ca­fé, von 2006 bis 2014 Fan­be­auf­trag­ter beim TSV 1860 Mün­chen und ar­bei­tet seit 2015 bei der Fern­seh­pro­duk­ti­ons­fir­ma Con­stan­tin En­ter­tain­ment in Is­ma­ning.

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