Hül­len­los durch die Nacht

Nicht je­der Ex­zess ist gut ver­träg­lich. Aber im­mer sehr lus­tig

In München - - KABARETT -

Es ist ja nicht so, dass wir der­zeit nicht al­le Hän­de voll zu tun hät­ten. Im­mer­hin muss der Vor­weih­nachts-, Fa­mi­li­en­s­au­fen-,Sil­ves­ter­stress lang­sam nach­las­sen. Ste­fan Le­on­hards­ber­ger ist we­nig zu be­nei­den. Oder zu­min­dest der Höl­ler­bau­er Erich, von dem er in sei­nem neu­en „Rauh­nacht“-Pro­gramm, ei­ner Mün­chen-Pre­mie­re, er­zählt: Sel­bi­ger muss sich mit di­ver­sen Tier­seu­chen und dann auch noch mit sei­ner ir­ren Groß­mut­ter her­um­schla­gen. Als dann auch noch die Toch­ter in der Sil­ves­ter­nacht ver­schwin­det, steht für ihn fest: Im neu­en Jahr muss sich et­was än­dern. Doch be­kannt­lich ist er nicht der Ein­zi­ge, der der­lei Vor­sät­ze ge­fasst hat. Auch in der Schot­ter­gru­ben­dy­nas­tie der Rö­bel­rei­te­rers lie­gen die Ner­ven zwi­schen Ra­clette, Sekt und Neu­jahrs­kon­zert blank. Dann zieht auch noch das Sturm­tief mit dem furcht­er­re­gen­den Na­men Vla­di­mir auf, re­li­giö­se Fa­na­ti­ker ar­bei­ten mi­nu­ti­ös auf das Wel­ten­de hin, und so lang­sam wird die Fra­ge im­mer drän­gen­der: Wo zur Höl­le steckt ei­gent­lich No­ra? Le­on­hards­ber­ger zieht sich die Stie­fel für ei­nen Al­pen­wes­tern an. (Schlacht­hof, 5.1.)

Mit schlech­ten Wit­zen hat man im Durch­ein­an­der zwi­schen den Jah­ren nichts ver­lo­ren. Zum Glück gibt’s Ma­ler­meis­ter Ol­li, der gu­te Gags drauf­hat. Un­ter dem Mot­to Witz vom Ol­li wur­de er zum YouTube-Star, ob­wohl al­les sim­pel an­fing: Im­mer wie­der dreht Ol­li ein Vi­deo von sich, im Au­to, mit dem Han­dy auf dem Ar­ma­tu­ren­brett – und ver­zapft ei­nen Scherz. Ur­sprüng­lich ver­brei­te­te sich das nur in ei­ner WhatsApp-Grup­pe. Mitt­ler­wei­le lacht das hal­be Netz mit. „Pl­an­los die Nacht“heißt nun das of­fen­bar un­ver­meid­li­che Büh­nen­pro­gramm. (Ga­s­teig Carl-Orff-Saal, 2.1.)

Wer noch Kä­se­fä­den im Bart vor­fin­det, darf sich dar­an er­in­nern las­sen, dass er sich zu­min­dest in gu­ter Ge­sell­schaft be­fin­det: Oder ist es nicht so, dass sich der­zeit aus dem gro­ßen Topf Eu­ro­pa al­le im­mer nur die le­ckers­ten Stück­chen her­aus­pi­cken wol­len? Das stört zum Bei­spiel das neue En­sem­ble der Münch­ner Lach- und Schieß­ge­sell­schaft, das mit dem jüngs­ten Pro­gramm „Wir sind wie­der Wir“so sou­ve­rän zu­sam­men­ge­fun­den hat. Im neu­en „Exi­ten­zen“-Stück ar­bei­ten sie sich am Br­ex­itBlues ab. „Kann das gut ge­hen, wenn kei­ner mehr Sah­ne­stück­chen rein­legt?“, jam­mern sie rund um den Fon­due­topf. „Oder we­nigs­tens lac­to­se­frei­es Ti­ra­mi­su?“(Lach- und Schieß­ge­sell­schaft, ab 27.12.)

Lö­sun­gen im Pri­va­ten sucht Micha­el Al­tin­ger, der 2017 mit dem Baye­ri­schen Ka­ba­rett­preis geehrt wur­de. Im ak­tu­el­len So­lo „Hell“möch­te er aus der im­mer glei­chen Ab­fol­ge von Ar­beit, Al­ko­hol und ver­pass­tem Sport aus­bre­chen. Ei­ne Vi­si­on muss her. In­spi­ra­ti­on könn­te man ja aus den Bi­bel­ge­schich­ten zie­hen. Al­ler­dings: „Wir wis­sen nicht, was Je­sus ge­tan hät­te“, stellt er nüch­tern fest. „Aber der muss­te sich in un­se­rem Al­ter auch kei­ne Ge­dan­ken mehr ma­chen.“(Lach- und Schieß­ge­sell­schaft, 7./8.1.)

Kei­ne Sor­gen muss man sich bei Klaus Koh­ler ma­chen. Der um­trie­bi­ge Kla­vier­ka­ba­ret­tist strengt sich für Höchst­leis­tun­gen an – mu­si­ka­lisch, sport­lich und ero­tisch. Er spielt ei­ne Par­tie Kla­vier­fuß­ball und tritt da­bei ge­gen ei­ne Da­men­mann­schaft an, die ihn schnell au­ßer Ge­fecht setzt: „I’m a lo­ver, not a figh­ter“lau­tet die De­vi­se des größ­ten heim­li­chen Frau­en­hel­den, den die Welt je über­se­hen hat (Koh­ler über Koh­ler). Als „Der be­flü­gel­te Mann“wir­belt er nun durch den schmu­cken Sil­ber­saal. (Deut­sches Thea­ter, 31.12.)

Wer sich am Fest der Fes­te or­dent­lich durch­rüt­teln möch­te, der soll­te Lud­wig M. Mül­ler, Si­mon Pich­ler und Chris­toph Krall vom Ver­ein der Freun­de des Schüt­tel­reims ein Ohr lei­hen. Wie­der ein­mal wol­len sie für die Eh­re der ver­kann­ten Kunst­form kämp­fen, die man im deut­schen Sprach­raum schon seit dem 13. Jahr­hun­dert fürch­tet. Mit dem Al­ma­nach „Be­rührt, weil ge­schüt­telt“ha­ben die drei Sha­ker es zu­letzt zwi­schen zwei Buch­de­ckel ge­schafft. (Ver­eins­heim, 21.12.)

Mu­si­ka­lisch-thea­tral drängt es Su­san­ne Brantl auf die Büh­ne. In ei­nem trü­ben Trum­pJahr hat zu­min­dest sie ei­nen Glücks­fall er­lebt: Dann näm­lich, als sie dem Kon­tra­bas­sis­ten, Kom­po­nis­ten und Me­lan­cho­li­ker Alex Haas in die Ar­me lief. „Schö­ner Jam­mern“ist ih­re Kat­zen­mu­sik zu den Fest­ta­gen. (Fraun­ho­fer, 22.12.)

Glit­zer-La­dys: BLOND BOMBSHELL BUR­LES­QUE WEIH­NACHTS­RE­VUE

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