Ita­lie­nisch im Land­haus­stil

Die Fa­sa­ne­rie am Hart­manns­ho­fer Park setzt un­ter neu­er Füh­rung auf ita­lie­ni­sche Gast­lich­keit und Land­hau­sidyl­le.

In München - - LOKALES - Rai­ner Ger­mann

Mit der neu­en Päch­te­rin Mar­ti­na Mei­se wech­sel­te das Tra­di­ti­ons­lo­kal auch sein Ge­wand und er­strahlt seit sei­ner Neu­er­öff­nung im Ju­ni letz­ten Jah­res stil­ge­mäß in den Far­ben des Fas­ans, dem jahr­hun­der­te­lan­gen Sym­bol des Hau­ses. In ei­ner Sym­bio­se aus Münch­ner Gast­haus­kul­tur, ita­lie­ni­scher Kü­che und mo­der­nem Am­bi­en­te lädt die Lo­ka­li­tät zu ei­nem ku­li­na­ri­schen Aus­flug mit­ten Mün­chens ein – und doch fühlt man sich im eher un­be­kann­ten Hart­manns­ho­fer Park wie auf dem Lan­de, ob­wohl er ganz in der Nä­he von Schloss Nym­phen-burg und dem Bo­ta­ni­schem Gar­ten liegt. Das 1717 von Kur­fürst Max Ema­nu­el er­rich­te­te Jagd­haus war einst Teil des Nym­phen­bur­ger Schlos­ses, ver­rät die Spei­se­kar­te. Hier wur­den jähr­lich bis zu 700 Fa­sa­ne ge­züch­tet, Mün­chens Herr­schaf­ten gin­gen auf die Jagd und an­schlie­ßend ins Wirts­haus. 1914 stell­te man die Fa­sa­nen­zucht ein, die Gast­stät­te blieb, in den 1960er Jah­ren wan­del­te der Staat Bay­ern dann die Land­wirt­schaft rings­um in ei­nen Er­ho­lungs­park um. Nach er­folg­rei­chen frü­he­ren Zei­ten, war im neu­en Jahr­tau­send ir­gend­wann die Luft raus und die Fa­sa­ne­rie auch op­tisch ab­ge­wirt­schaf­tet. Das Haus wur­de un­ter neu­er Füh­rung mo­na­te­lang auf­wen­dig re­no­viert und ne­ben den fünf in­di­vi­du­ell ge­stal­te­ten his­to­ri­schen Gast­räu­men der ehe­mals kö­nig­li­chen Fa­sa­nen­zucht, lockt das An­we­sen zu­gleich mit ei­nem der wohl schöns­ten Bier­gär­ten Mün­chens. Durch die­se Struk­tur soll die Fa­sa­ne­rie wie­der ei­ne be­lieb­te Adres­se für Hoch­zei­ten, Ver­lo­bun­gen und Geburtstage wer­den, er­klärt Wir­tin Mar­ti­na Mei­se, die auch die Ca­fe-Bar Li­mu­lus im Mu­se­um Mensch und Na­tur am Schloss Nym­phen­burg be­treibt, bei ei­nem Pres­se-Din­ner. Der Herbst war in die­ser Hin­sicht schon mal sehr viel­ver­spre­chend. Na­tür­lich gibt es im Bier­gar­ten wei­ter­hin auch baye­ri­sche Spe­zia­li­tä­ten, ver­si­chert die Wir­tin, doch im Haus wird über­wie­gend ita­lie­nisch ge­kocht. Da­für ist Kü­chen­chef Pier­san­dro Pie­li zu­stän­dig, der zu­sam­men mit der Wir­tin das „Me­di­ter­ran meets Ba­va­ria“-Kon­zept kre­iert hat. Das heißt im Kl­ar­text, dass hier eben­so Piz­za und Pas­ta für hung­ri­ge Spa­zier­gän­ger und Fa­mi­li­en mit Kin­dern auf Kar­te und Ta­ge­s­ta­fel ste­hen, wie auch me­di­ter­ran an­ge­hauch­te Fleisch-, Wild- und Fisch­ge­rich­te. Wild­ge­rich­te hät­ten in der Fa­sa­ne­rie in der Sai­son ei­nen be­son­de­ren Stel­len­wert, al­lein schon we­gen der His­to­rie des Hau­ses. Das kön­nen zum Bei­spiel Hirsch-Ra­vio­li mit But­ter, Thy­mi­an und Wald­früch­ten sein oder ein Risot­to mit St­ein­pil­zen und Kas­ta­ni­en (14,50). Vor­weg ein Kar­tof­fel-Car­pac­cio mit schwar­zem Trüf­fel (12,50), da­nach ein Wild­schwein mit Po­len­ta (21,50) oder Hirsch­fi­let in Rot­wein­so­ße mit Pflau­men, Kas­ta­ni­en, Lin­sen und Kar­tof­feln (27,50). Bei un­se­rem Din­ner wur­de ein Me­nü mit Wein­be­glei­tung ser­viert: Los ging es nach ei­nem Pro­sec­co Fa­ve­ri spu­man­te brut mit ei­nem Du­ett von ge­bra­te­ner Co­te­chi­no (gro­be, sehr wür­zi­ge Wurst) und ei­nem Thun­fisch in der Se­sam­krus­te mit schwar­zen Boh­nen und ei­nen Blau­kraut­sa­lat mit Äp­feln. Ei­ne un­ge­wöhn­li­che Kom­bi­na­ti­on, die bis auf den Thun­fisch auch recht stim­mig war, vi­el­leicht wä­re hier ei­ne Va­ri­an­te mit ei­nem Süß­was­ser­fisch pas­sen­der. Der da­zu ge­reich­te Char­don­nay aus dem Fri­aul konn­te gut mit­hal­ten, das galt auch für den Cel­lier die Mar­ren­on Sy­rah zum Haupt­ge­richt. Hier wur­de ein (fast schon zu) üp­pi­ges Stück Rump­steak (lei­der statt wie an­ge­kün­digt me­di­um fast schon et­was zu durch), mit Rot­wein­so­ße, Pflau­men und sehr ge­lun­ge­nen Kür­bis­gnoc­chi ge­reicht. Wie ge­sagt, ei­ne üp­pi­ge An­ge­le­gen­heit, nach ei­nem zwei­stün­di­gen Spa­zier­gang durch den Park aber wahr­schein­lich ge­nau das Rich­ti­ge. Die ge­misch­ten Nach­spei­sen mit Ti­ra­mi­su, Pan­na Cot­ta mit Bee­ren und Kas­ta­ni­en­creme konn­ten trotz ge­rin­ger Über­ra­schung über­zeu­gen. Ein Vier-Gän­ge-Me­nü kos­tet in der Fa­sa­ne­rie um die 40 Eu­ro, ein Preis den man nor­ma­ler­wei­se nur au­ßer­halb Mün­chens fin­det. Das An­we­sen ver­fügt auch über ei­ne eben­falls frisch re­no­vier­te Ten­ne, hier sol­len nun wech­seln­de Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen statt­fin­den, Kon­zer­te oder Le­sun­gen, au­ßer­dem ist Platz ist für klei­ne bis gro­ße Ge­sell­schaf­ten. Zur De­vi­se der Wir­tin Mar­ti­na Mei­se „Auf die Qua­li­tät kommt es an!“möch­te man nur er­gän­zen, dass manch­mal we­ni­ger ein biss­chen mehr sein kann (Por­tio­nen) und et­was mehr Raf­fi­nes­se auch sei­nen Preis hat. Aber ins­ge­samt: die wirk­lich sehr an­spre­chend re­no­vier­te Fa­sa­ne­rie ist ei­nen Aus­flug wert, im Som­mer kom­men wir wie­der und schau­en, was es im Bier­gar­ten so gibt.

Die Fa­sa­ne­rie, Hart­manns­ho­fer Str. 20, 80997 München, Tel: 92 28 46 00, www.fa­sa­ne­rie.de

Im Zei­chen des Fas­ans

... und neu re­no­viert

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