An­ne Bran­nys Ei­ne En­zy­klo­pä­die des Zar­ten (FVA)

In München - - LITERATUR - Her­mann Barth

Ei­ne gro­ße, be­hut­sa­me, zärt­li­che Lie­be. Der Ti­tel klingt be­tu­lich. Aber: Mut ge­fasst. Buch be­stellt! Die schö­ne al­te Idee von Di­de­rots En­zy­klo­pä­die: as­so­zia­tiv schrei­ben. Zu­sam­men­hän­ge her­stel­len, wo es auf den ers­ten Blick kei­ne gibt. Qu­er­ver­wei­se. Hin- und her: Von „An­häng­lich“zu „Weh­mut“, von „Trä­nen“zu „Zwei­fel“, zu „Rühr mich nicht an“. Es geht um Nä­he. Hin­ga­be. Ver­lust­angst. Ge­fähr­dung. Um Ha­sen: Ka­nin­chen, die er­rö­ten (o doch!), Dü­rers Ha­sen, den Ha­sen auf dem Schoß, sein Fell ... um Atem, In­ti­mi­tät, Ge­heim­nis, Lau­schen, Flüs­tern, Stil­le, Rauch ... Kör­per­er­fah­run­gen, Sin­nes­wahr­neh­mun­gen, Emp­fin­dun­gen, Ge­füh­le. Das Flüch­ti­ge. Ver­gäng­lich­keit. Mit Re­mi­nis­zen­zen an So­phie Cal­le, Ro­land Barthes, Ador­no etc. etc. Mit Bei­trä­gen vie­ler Ge­gen­warts­künst­ler. Mit im­mer wie­der auf­schei­nen­den, wun­der­ba­ren Lie­bes­er­klä­run­gen an Ma­ria, die hoch sen­si­ble ... Manch­mal ge­nügt es aber auch, Mit­tel­strei­fen auf Au­to­bah­nen zu ver­gol­den. Die­sem Buch muss man sich vor­sich­tig nä­hern, mit ei­nem schar­fen Mes­ser, denn man­che Bö­gen sind noch nicht auf­ge­schnit­ten. Buch­kunst. Tast­sinn. Au­gen­sinn. Ein in­tel­lek­tu­el­les Aben­teu­er. Freie Kunst. An der Uni­ver­si­tät Wei­mar. Ein Ph.D. Pro­jekt. Mein ers­tes Kult­buch 2018.

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