Mi­le­na Mi­chi­ko Flašar

In München - - LITERATUR - Herr Ka­tō spielt Fa­mi­lie (Wa­gen­bach) (Mi­le­na Mi­chi­ko Flašar liest, am Do 15.3. in der Buch­hand­lung Lehm­kuhl). Her­mann Barth

Nicht wei­nen. Ei­gent­lich ist al­les bes­tens. Er ist pen­sio­niert. Er ist ge­sund. Er hat end­lich Zeit. Aber er weiß nichts mit sich an­zu­fan­gen. Da be­geg­net ihm die jun­ge Mie. Die hat ei­nen in­ter­es­san­ten Job für ihn. Im Auf­trag der Agen­tur „Hap­py Fa­mi­ly“tritt er mal als ent­fern­ter Ver­wand­ter, mal als Opa, mal als Chef bei Hoch­zei­ten, Trau­er­fäl­len, Ehe­kri­sen auf. Er­fährt da­bei viel von den Sehn­süch­ten, den Wün­schen und see­li­schen Nö­ten an­de­rer Men­schen. Er spielt sei­ne Rol­len als „Stand In“gut, sehr gut so­gar. Nur, zu­hau­se, bei sei­ner Frau, schei­tert er oft an den ein­fachs­ten Din­gen, er­kauft sich Auf­merk­sam­keit mit bil­li­gen Tricks, träumt von ei­nem Mit­ein­an­der, das nie ge­lingt. Sei­ne Frau, sie lei­det, vi­el­leicht, längst an RHS, dem „Re­ti­red Hus­band Syn­drom“, und geht lie­ber tan­zen, als mit ihm zu­sam­men zu sein. Auch die be­wun­der­te Mie führt ein völ­lig an­de­res Le­ben als ge­dacht. Und mit den Sor­gen der Toch­ter fühlt er sich über­for­dert. Ei­ne In­nen­schau, ein dich­ter Stream of Con­scious­ness, vol­ler Aus­bruchs­ver­su­che, al­ter und neu­er Ri­tua­le. Auf der Su­che nach Halt, Sinn, der Fä­hig­keit, zu lie­ben. Zart-me­lan­cho­lisch. Al­lein: Das Herz, es schlägt.

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