Wolfram Fleisch­hau­er

In München - - LITERATUR - Das Meer (Dro­emer) Jon­ny Rie­der Der Au­tor liest am 13.4. auf dem Kri­mi­fes­ti­val Mün­chen.

„It’s the con­su­mer, stu­pid.“Die Va­ri­an­te zu Bill Cl­in­tons Wahl­kampf­slo­gan ist die Ma­xi­me ei­ner Schar von Ak­ti­vökos, die das Leer­fi­schen der Mee­re stop­pen wol­len – mit ker­ni­gen Mit­teln. Sie ver­gif­ten Fische auf dem Weg zum Ver­brau­cher, um die Nach­fra­ge ab­zu­wür­gen. An­ders lässt sich die sub­ven­tio­nier­te Fi­sche­rei-Ma­fia nicht auf­hal­ten. Te­re­sa, ei­ne der Haupt­fi­gu­ren, weiß das. Sie ar­bei­tet of­fi­zi­ell als Be­ob­ach­te­rin und Kon­trol­leu­rin der EU. Ei­ni­ge ih­rer Kol­le­gen sind spur­los ver­schwun­den. Sie selbst wird ge­schnappt, als sie auf ei­nem Ma­fia­schiff den il­le­ga­len

Fang ma­ni­pu­liert. Die Ma­fia will nun ih­rer­seits die Um­welt­schüt­zer li­qui­die­ren. Ab die­sem Punkt führt Fleisch­hau­ers bril­lan­ter Thril­ler die We­ge sei­ner Fi­gu­ren zu­sam­men. Pri­va­te Ver­bin­dun­gen über­la­gern sich mit ge­schäft­li­chen. Und fast je­de Ent­schei­dung, die Te­re­sa und Co. tref­fen, kon­fron­tiert sie auf exis­ten­zi­el­le Wei­se mit dem Di­lem­ma der Wahl zwi­schen dem ei­ge­nen Wohl und dem der an­de­ren. Fleisch­hau­ers Sze­na­rio er­in­nert an den Film The East und in sei­ner Dring­lich­keit auch an Dan Browns In­fer­no. Der Back­s­tage­blick in die or­ga­ni­sier­te Mee­res­zer­stö­rung und den Pa­pier­tig­er­zoo EU haut ei­nem die Schup­pen von den Au­gen. Bü­cher wie die­ses soll­te man als Le­bens­mit­tel de­kla­rie­ren.

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