HEIM­SPIEL

– Plat­ten aus Mün­chen

In München - - FRISCH GEPRESST -

Bal­ta­sound (jazz­haus) gibt es wirk­lich. Und nein, es han­delt sich hier­bei um kei­nen neu­en Mu­sik­stil, son­dern es ist der Na­me ei­nes Or­tes auf der schot­ti­schen In­sel Unst. Die nörd­lichs­te des bri­ti­schen Em­pi­re um genau zu sein und es ist ein­sam dort. Und es ist kalt, auch im Som­mer klet­tern die Tem­pe­ra­tu­ren nur sel­ten über die 15 Grad-Mar­ke. Aber es ist flach und man hat ei­nen frei­en Blick auf die wei­ten Wie­sen und das Meer und so kann man bis zum Ho­ri­zont schau­en, und dar­über hin­aus, und man kann die Ge­dan­ken schwei­fen las­sen, wäh­rend ei­nem der Wind um die Na­se bläst ... Mar­tin Käl­be­rer hat sich von die­ser Umgebung in­spi­rie­ren las­sen und die­sem eben­so un­wirt­li­chen wie wun­der­schö­nen Fle­cken Er­de ein mu­si­ka­li­sches Denk­mal ge­setzt. Ein über­aus hö­rens­wer­tes, das zwi­schen Am­bi­ent, Klas­sik, Eth­no, New Age und Pop chan­giert und sei­ne Hö­rer auf sei­nen un­ver­gess­li­chen Bal­ta­sound-Trip mit­nimmt. (4.5. Prinzregententheater) Herr­schafts­zei­ten! Das ist fett! Die Zip­fe­schwin­ga san wie­da do! Und wie: Lef Dut­ti und Ge­org Urk­well aka Dicht & Er­grei­fend hau­en min­des­tens zwei Hän­de voll groß­ar­ti­ge HipHop-Stom­per raus. Es ist ein Fest. Ein Mun­d­art-Rap-Ma­ni­fest so­gar. Vor al­lem des­we­gen weil so ei­ne gran­dio­se Num­mer wie „Ned Daho­am“mal wie­der kei­ne Blatt vor den Mund nimmt und schon mal ein schö­ner Gruß an See­ho­fers Hei­mat­mi­nis­te­ri­um ist: „... vor dem Sy­rer Gschwerl hams Angst, wean pa­nisch, den­gan ir­gend­wann wead Gar­misch is­la­misch, okay wer auf Menschn zielt, is a Lo­kal­pa­tri­ot und grenz­di­bel, ihr va­hun­gerts no an geis­ti­ger Ma­ger­sucht, we­ga Dep­pen wia eich bin I auf Fah­nen­flucht“. Im sel­ben Kon­text dann „Gri­as de God schee­ne Geg’nd“. Die­ses Al­bum ist Zünd­stoff und sel­ten wur­de die baye­ri­sche Spra­che re­vo­lu­tio­nä­rer und sub­ver­si­ver ein­ge­setzt wie hier. Fun­dier­te Ge­sell­schafts­kri­tik trifft auf po­li­ti­sche Bri­sanz, mehr Ju­gend­kul­tur, mehr HipHop geht nicht! Ab­ge­se­hen da­von: So lan­ge Al­ben wie ghet­to mi nix o (Zip­fe Adam) noch in den Top 30 der deut­schen Al­bum­charts lan­den, kann man noch Hoff­nung ha­ben! (Li­ve am 9.5. bei 35 Jah­re IN-Mün­chen @ The Lo­ve­lace feat. Je­sper Munk, Me & Ma­rie, Aloa In­put u.a.)

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