KA­BA­RETT

Wie na­he doch oft das Hüb­sche beim Häss­li­chen liegt

In München - - INHALT - Ru­pert Som­mer

Ke­cke Be­spie­ge­lun­gen

Ei­gent­lich ist die schö­ne, schön ru­hi­ge Schweiz – sieht man vom be­tu­lich-lie­bens­wür­di­gen Alt­meis­ter Emil ein­mal ab – ja nicht un­be­dingt die Brut­stät­te gna­den­los ko­mi­scher Büh­nen­tie­re. Ha­zel Brug­ger ist der le­ben­de Ge­gen­be­weis. Mit der Kraft der La­ko­nie und des un­schlag­bar tro­cke­nen Hu­mo­r­an­griffs bohrt sich die aus Pres­se, Funk und Fernsehen („Die An­stalt“, „heu­te-show“, „Nur im Ers­ten“) be­kann­te, stets aber ir­gend­wie nah­bar und be­schei­den ge­blie­be­ne Er­folgs­ka­ba­ret­tis­tin in die Psy­che ih­rer Be­wun­de­rer. Mit „Ich bin so hübsch“lan­de­te sie zu­letzt zu­dem ei­nen star­ken Bu­ch­erfolg. Schwar­ze, ab­sur­de Ko­mik ist ih­re Spe­zia­li­tät. Und das was ihr ein­fach so „pas­siert“. Sie sam­melt Ge­schich­ten, die sich aus dem Nichts er­ge­ben und fin­det da­bei wun­der­schö­ne Wor­te für das Häss­li­che. Täu­schen las­sen soll­te man sich al­ler­dings nicht: Brug­ger liebt ih­ren Auf­klä­re­rin­nen-Job – auch wenn man ihr das nicht im­mer gleich an­sieht. (Al­te Kon­gress­hal­le, 3.4.)

Hol­ger Paetz schaut gern in den Spie­gel – auch in den Rück­spie­gel, et­wa bei sei­nen scharf­zün­gi­gen Jah­res-Bi­lan­zen. Was er im schil­lern­den Spie­gel­glas vor­fin­det, ge­fällt ihm da­bei nicht im­mer wirk­lich. Oft grinst ei­ne wah­re Frat­ze zu­rück. So auch im neu­en „Ek­s­ta­se in Wür­de“-Pro­gramm, das sich keck ganz weit un­ter die Gür­tel­li­nie wagt. „Hö­he­punkt will je­der“, weiß Paetz. „Da­nach lech­zen wir.“Er will aber her­aus­fin­den, wie man die ech­te Ek­s­ta­se hin­be­kommt. Wird schon klap­pen. (Fraun­ho­fer, 4./5.4.)

Zur eit­len Selbst­be­trach­tung neigt auch Fe­lix Oli­ver Schepp – und zur scho­nungs­lo­sen Ana­ly­se. „Jetzt mal Hand aufs Hirn“, for­dert er von sei­nem Pu­bli­kum und von sich selbst. „Oder raucht Ih­nen schon das Herz?“Im neu­en „Hirn­klop­fen“-So­lo singt er um un­ser al­ler Le­ben – mit den Mit­teln des Chan­sons und im fre­chen Mu­sik­ka­ba­rett. Und al­les gip­felt fu­ri­os mal wie­der in den skur­ril-poe­ti­schen „Schepp­sons“. (Lach- und Schieß­ge­sell­schaft, 26.3.)

Vie­le stel­len sich ein Schau­spie­ler­le­ben gla­mou­rö­ser vor. Ka­te­ri­na Ja­cob („Der Bul­le von Tölz“) weiß, wie trost­los es oft wirk­lich ist. Sie hat sie al­le mit­ge­macht, die Rei­sen in die ent­le­gens­ten Win­kel der Re­pu­blik. Aber war­um be­kla­gen? Im­mer­hin hat sie sich die wei­te Welt ja ge­wünscht. Mit ei­nem stark aus­ge­präg­ten Au­gen­zwin­kern er­zählt Ja­cob in ih­rem neu­en So­lo „Im Fett­napf steht man meist al­lein“von ih­ren Pro­vin­zoch­sen­tou­ren. (Hof­spiel­haus, 31.3.)

Viel rum­ge­kom­men in den ver­gan­ge­nen zwei Jahr­zehn­ten ist üb­ri­gens auch Sepp Mül­ler – vor und hin­ter den Kon­zert­büh­nen, die er be­spiel­te. Sein neu­es So­lo „Ober­bay­er trifft ... ??!“ver­steht sich nun als ei­ne Ge­samt­auf­nah­me der vie­len span­nen­den, schö­nen, greis­li­gen, in­spi­rie­ren­den, muf­fi­gen oder ein­fach nur fa­den Be­geg­nun­gen. Wen er dies­mal trifft, weiß er of­fen­bar selbst noch nicht. Erst auf der Büh­ne wird sich das her­aus­stel­len. Li­fe is li­ve, eben. (Fraun­ho­fer, 24.3.)

Frank Smil­gies ist eben­falls ei­ner, der sich echt gut aus­kennt. Für we­ni­ger hat er zu viel er­lebt. Im neu­en Pro­gramm „Brett­stei­ger er­klärt al­les“schlüpft er in die Grant­ler­rol­le von Gor­don Brett­stei­ger, ei­nes Pro­fes­sors im Un­ru­he­stand. Ei­gent­lich ist er ja von sei­nen Hoch­schul­leh­rer­pflich­ten ent­bun­den, trotz­dem führt er wei­ter­hin ein geis­tig be­weg­tes Le­ben. Das liegt zum ei­nen an sei­nen scharf­zün­gi­gen Bei­trä­gen für das Ge­sell­schafts­ma­ga­zin „Früh­pen­si­on“, zum an­de­ren an sei­nem un­er­müd­li­chen Vor­trags­we­sen zu be­we­gen­den The­men wie „Die Zu­kunft der Fahr­rad­klin­gel“. Man muss ihm nur zu­hö­ren. (Lach- und Schieß­ge­sell­schaft, 29.3.)

Mit sich und der Welt weit­ge­hend zu­frie­den ist zum Glück auch Tan Caglar. Im­mer­hin kann er von sich be­haup­ten: „Rollt bei mir“. Mit sei­nem Ak­tiv­roll­stuhl „Spee­dy 4you“düst er über die Come­dy­büh­nen des Lan­des. „In­klu­si­on ist“, so Caglar, „wenn ein Roll­stuhl in der Ge­sell­schaft die­sel­be Ak­zep­tanz er­reicht hat wie ein Sel­fie-Stick.“Von der An­ar­chie an der Wurst­the­ke bis hin zum Ar­ma­ged­don auf dem Park­platz: Mit ihm wird auch ein ganz nor­ma­ler Ein­kauf zum Nah­kampf. (Schlacht­hof, 28.3.)

Ei­nen ganz ei­ge­nen Tick hat In­go Bör­chers ent­wi­ckelt. Al­les dreht sich bei ihm um sei­ne ge­pfleg­te Hy­po­chon­drie und den hek­ti­schen Hy­gie­ne­fim­mel. Mit sei­nem neu­en Ka­ba­rett-Pro­gramm „Fe­ri­en auf Sa­gro­tan“möch­te er der all­ge­mei­nen Ver­lot­te­rung im­mer ei­nen Sprüh­stoß vor­aus sei­en. Auf den zwei­ten Blick wird noch viel Erns­te­res ver­han-

delt, näm­lich all die Ur­sa­chen und Wir­kun­gen, Ne­ben­und Wech­sel­wir­kun­gen. (Ver­eins­heim, 23.3.)

Wer nimmt denn über­haupt noch die Sor­gen und Nö­te der Leu­te da drau­ßen ernst? Til­man Lu­cke mach­te es. Denn er kann stolz von sich be­haup­ten: „Ich bin das Volk“. In die­ser Funk­ti­on mischt er die gro­ße Po­li­tik auf – und sich selbst ein. Da­für muss­te er al­ler­dings üben. Lan­ge hat er die Rau­ten-Fin­ger­stel­lung ge­probt. In Talk­shows nimmt er gern ne­ben Horst See­ho­fer Platz. Und auch vom tür­ki­schen Bot­schaf­ter hat er sich schon ein­be­stel­len las­sen. Ein Pro­fi. (Schlacht­hof, 23.3.)

Auch in Ös­ter­reich ist der blau-brau­ne Teu­fel los. Ru­di Schöl­ler weiß das na­tür­lich und kann das mit viel Schmäh ver­mit­teln. In sei­nem Pro­gramm „Vor­märz spricht“spannt er den Bo­gen weit. Er spricht über den mo­der­nen All­tag, das Le­ben in Be­zie­hun­gen, die Aus­wüch­se der Di­gi­ta­li­sie­rung, Eu­ro­pa, Fa­ke News, ak­tu­el­le Er­näh­rungs­trends und die jüngs­ten Ita­li­en-Ur­lau­be. „Es gibt al­so viel zu be­spre­chen“, sagt er selbst. „Ob es dies­mal et­was zu la­chen gibt, wird man se­hen.“(Ver­eins­heim, 28.3.)

„Wir müs­sen re­den“lau­tet auch bei Ma­tu­schik und Roh­rer die De­vi­se: Die bei­den BR-Stars wol­len den Be­weis an­tre­ten, dass Frau­en und Män­ner trotz al­ler Un­ke­rei eben doch zu­sam­men­pas­sen. Zu­min­dest für 90 Mi­nu­ten auf ei­ner Klein­kunst­büh­ne. Man muss nur auf­pas­sen, dass sie sich nicht im Klein-Klein ver­lie­ren. Im­mer­hin gilt es hier so pa­cken­de Fra­gen zu klä­ren, ob nicht doch et­wa ei­ne Hist­ami­n­un­ver­träg­lich­keit ei­ner Lac­to­s­ein­to­le­ranz vor­zu­zie­hen ist. Kniff­lig! (Lach- und Schieß­ge­sell­schaft, 25.3.)

Viel­leicht passt da­zu das Män­ner­schnup­fenKa­ba­rett­pro­gramm. Das will näm­lich der jah­res­zeit­lich ziem­lich bri­san­ten Fra­ge nach­ge­hen, war­um Män­ner im­mer so viel mehr lei­den müs­sen, wenn sie krank sind. Man wird es her­aus­fin­den. (Pa­sin­ger Fa­b­rik, 25.3.)

Zum Ab­schluss darf’s dann gern noch mal et­was def­ti­ger wer­den: Hier flie­gen die Zwer­ge, und das Dra­chen­blut fließt. Aus der für al­ler­lei Un­fug ge­fürch­te­ten Fe­der von Alex­an­der Liegl, Man­fred O. Tau­chen („Watz­mann“) und Ga­bi Roth­mül­ler stammt der Text für das hoch­ka­rä­ti­ge, meist um­ju­bel­te En­sem­ble­stück Sieg­fried – Göt­ter­schweiß und Hel­den­blut – Ein Ger­ma­ni­cal mit Liegl, Con­stan­ze Lind­ner, Mar­tin Frank, Tho­mas Wen­ke, Roth­mül­ler und Aron Alt­mann. Jetzt don­nert es wie­der über die Bret­ter. Wa­ga­la­weia! (Lust­spiel­haus, 3. bis 8.4.)

War­tet ab, was pas­siert: HA­ZEL BRUG­GER

Trai­niert sich in Ek­s­ta­se: HOL­GER PAETZ

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