BALLETTFESTWOCHE

Von der Se­mio­tik der An­mut

In München - - INHALT - Ru­pert Som­mer

Es sind für Freun­de der ar­ti­gen Be­we­gung die wich­tigs­ten neun Ta­ge im Jahr. Sie stel­len da­mit leich­ten Fu­ßes an­de­re Groß­er­eig­nis­se wie an­ste­hen­de Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaf­ten oder das all­jähr­li­che Ok­to­ber­fest in den Schat­ten. Die Re­de ist na­tür­lich von der all­jähr­li­chen BallettFestwoche, für die sich die Staats­oper in die­sem Jahr vom 14. bis 22. April ganz fein her­aus­putzt und al­le Tu­tus noch ein­mal frisch auf­bü­geln lässt.

Da­bei be­gin­nen die Fest­spie­le dies­mal mit ei­ner ziem­lich be­ein­dru­cken­den Gast-Pre­mie­re un­ter dem Ti­tel Por­trait Way­ne McG­re­gor. Vor­stel­len darf sich der 1970 in Groß­bri­tan­ni­en ge­bo­re­ne Cho­reo­graph, der jetzt schon zu den Größ­ten die­ses Jahr­hun­derts zählt. McG­re­gor ist ein In­tel­lek­tu­el­ler, ei­ner, der zu­nächst eher sper­ri­ge Fä­cher wie Se­mio­tik stu­diert hat und auf sein wis­sen­schaft­li­ches Fun­da­ment die Tanz-Ar­bei­ten auf­baut. Au­ßer­dem ist der Haus-Cho­reo­graf des re­nom­mier­ten Roy­al Bal­let Lon­don ei­ner der ers­ten Ver­tre­ter der frei­en Sze­ne, der auf die­sen Pos­ten be­ru­fen wur­de. Er gilt als Mann des of­fe­nen Ohrs und lässt sich ger­ne von De­bat­ten in Kunst, Mu­sik, aber auch Phi­lo­so­phie in­spi­rie­ren. Der drei­tei­li­ge Er­öff­nungs­abend der Ballettfestwoche (14.4., da­nach auch noch 15.4.) stellt drei Wer­ke von McG­re­gor ins Zen­trum – dar­un­ter die Pro­duk­ti­on „Bor­der­lands“, die er einst für das San Fran­cis­co Bal­let ent­wi­ckelt hat­te, und „Kai­ros“, ent­stan­den für das Bal­lett Zürich. Span­nend macht die zeit­ge­nös­si­sche Werk­schau al­ler­dings na­tür­lich auch der krö­nen­de Ab­schluss – mit ei­ner neu­en Krea­ti­on, die er für und mit dem Baye­ri­schen Staatsballett er­ar­bei­tet hat.

Mit John Cran­ko steht vor al­lem ein den Münch­ner bes­tens be­kann­ter Na­me im Zen­trum: Erst im Fe­bru­ar ver­neig­te sich das En­sem­ble vor dem lang­jäh­ri­gen ehe­ma­li­gen Chef­cho­reo­gra­fen des Hau­ses. An­lass war da­mals das 50-jäh­ri­ge Ju­bi­lä­um von Cran­kos Münch­ners Di­enst­an­tritt. Nun dür­fen wäh­rend der BallettFestwoche mit Der Wi­der­spens­ti­gen Zäh­mung (16.4.) und den Hand­lungs­bal­let­ten One­gin (18.4.) so­wie Ro­meo und Ju­lia (17.4.) Mei­len­stei­ne sei­nes Wir­kens nicht feh­len.

Oh­ne­hin ver­steht sich die Fest­wo­che ja als ei­ne Art Schau­fens­ter – mit der bes­ten Ge­le­gen­heit, die gro­ßen Pre­mie­ren der ver­gan­ge­nen Mo­na­te noch ein­mal zu be­wun­dern. Des­halb ste­hen auch An­na Ka­reni­na (22.4.), Yu­ri Gri­go­ro­vichs mo­nu­men­ta­ler Spar­ta­cus (21.4.) so­wie Chris­to­pher Wheel­dons Ali­ce im Wun­der­land (20.4.) mit auf dem Spiel­plan. Und weil man sich Mit­te April un­ter Tanz­be­geis­ter­ten schon fast in der schöns­ten Jah­res­zeit wähnt, ge­nießt man auch noch ein­mal John Ne­u­mei­ers Ein Som­mer­nachts­traum (19.4.) – nun zum letz­ten Mal in die­ser Spiel­zeit dar­ge­bo­ten.

Mus­kel­spie­le: POR­TRAIT WAY­NE McG­RE­GOR

Flirt-Tän­ze: DER WI­DER­SPENS­TI­GEN ZÄH­MUNG

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