DER KLAS­SI­KER

Über den Tel­ler­rand hin­aus

In München - - INHALT - To­bi­as Hell

Da stutzt man im ers­ten Mo­ment schon, wenn das Münch­ner Kam­mer­or­ches­ter bei sei­nem nächs­ten Abon­ne­ment­kon­zert gleich drei da­von an­kün­digt. Nicht groß ver­wun­dern wird dies je­doch al­le, die mit dem Werk von Bryce Dess­ner schon et­was nä­her ver­traut sind. War und ist der Ame­ri­ka­ner mit Wohn­sitz Pa­ris, der eng mit dem Kro­nos Quar­tett zu­sam­men­ar­bei­te­te und Auf­trags­wer­ke für die Los Angeles Phil­har­mo­nic oder das En­sem­ble In­ter­con­tem­porain ver­fass­te, im Ne­ben­be­ruf doch nach wie vor als Gi­tar­rist un­ter­wegs. Sei­ne groß an­ge­leg­te Kom­po­si­ti­on „Wi­res“wird nun im Prinz­re­gen­ten­thea­ter un­ter der Lei­tung von Ben Ger­non und mit Be­tei­li­gung Dess­ners sei­ne deut­sche Erst­auf­füh­rung er­le­ben und ist da­bei in gu­ter Ge­sell­schaft. Steht mit Tristan Mu­rails „Con­tes Cru­els“doch noch ein wei­te­res Werk, das ne­ben Streich­or­ches­ter eben­falls nach zwei E-Gi­tar­ren ver­langt. Ein­ge­rahmt wer­den die­se Ex­pe­ri­men­te mit Mu­sik von Ra­vel und Men­dels­sohn. (26.4. Prinz­re­gen­ten­thea­ter)

Ähn­lich ge­wagt ist die Mi­schung, mit wel­cher das vi­si­on string quar­tet an­reist, das im­mer wie­der durch sei­ne un­kon­ven­tio­nel­len Pro­gram­me auf­fällt und jüngst mit dem Mu­sik­preis der Jür­gen Pon­to Stif­tung aus­ge­zeich­net wur­de. Sie ha­ben dies­mal ne­ben Men­dels­sohns Streich­quar­tett Nr. 6 in f-moll und dem Opus 110 von Dmi­tri Schosta­ko­witsch eben­falls das Györ­gy Li­ge­tis „Met­a­mor­phi­sis Noc­turnes“im Ge­päck, die ei­ne in­ter­es­san­te Mi­schung ver­spre­chen. (28.4. Al­ler­hei­li­gen Hof­kir­che)

Ei­nen di­rek­ten Ver­gleich in Sa­chen Men­dels­sohn er­mög­licht sich da­bei durch das eben­falls be­vor­ste­hen­de Gast­spiel des Do­ver Quar­tet aus den USA. Denn auch die vier Ame­ri­ka­ner, die sich am re­nom­mier­ten Cur­tis In­sti­tu­te of Mu­sic in Phil­adel­phia zu­sam­men­ge­fun­den ha­ben, rei­sen mit den No­ten des f-moll-Quar­tetts an, wel­ches bei ih­nen je­doch in ei­nem an­de­ren Kon­text be­leuch­tet wird. Sei­te an Sei­te mit Mu­sik von Haydn und Bo­ro­din. (24.4. Her­ku­les­saal)

Ganz klas­sisch blei­ben im Ge­gen­satz da­zu die bei­den Ori­gi­nal­klang­spe­zia­lis­ten Gio­van­ni An­to­ni­ni und Ot­ta­vio Dan­to­ne, die sich in der Re­si­denz zur Ab­wechs­lung ei­ne klei­ne Aus­zeit vom Di­ri­gen­ten­pult gön­nen und zu ih­ren ur­sprüng­lich er­lern­ten In­stru­men­ten zu­rück­keh­ren. „La sua­ve me­lo­dia“ha­ben die zwei Ita­lie­ner den Abend über­schrie­ben, an dem sie ne­ben dem ti­tel­ge­ben­den Werk von Andrea Fal­co­nie­ri ei­ne gan­ze Rei­he von Kom­po­si­tio­nen zur Auf­füh­rung brin­gen wer­den, die von Co­rel­li, Hän­del oder Ja­cob van Eyck für die Kom­bi­na­ti­on aus Flö­te und Cem­ba­lo er­dacht wur­de. (25.4. Al­ler­hei­li­gen Hof­kir­che)

Ei­nen ex­zel­len­ten Ruf als Kam­mer­mu­si­ke­rin ge­nießt von je­her auch Gei­ge­rin Isa­bel­le Faust. Was sie je­doch nicht da­von ab­hält, bei ih­rem jüngs­ten Be­such in Mün­chen ge­mein­sam mit dem Swe­dish Cham­ber Orches­tra in Si­be­li­us‘ Vio­lin­kon­zert op. 47 zu schwel­gen, wel­ches im Her­ku­les­saal in sei­ner Ori­gi­nal­fas­sung er­klin­gen wird. Wer nun je­doch mit ei­nem rein skan­di­na­vi­schen Pro­gramm rech­net, ist auf der fal­schen Spur. Rah­men die Gäs­te aus dem ho­hen Nor­den die­sen Klas­si­ker doch mit den Un­ga­ri­schen Tän­zen von Jo­han­nes Brahms und Dvořáks Sin­fo­nie Nr. 7. Es di­ri­giert Ma­e­s­tro Tho­mas Daus­gaard. (20.4. Her­ku­les­saal)

Und gleich am Tag dar­auf gibt es bei den Münch­ner Sym­pho­ni­kern dann die Ge­le­gen­heit mit Ste­phen Waarts ei­nen auf­stre­ben­den Gei­ger der jun­gen Ge­ne­ra­ti­on ken­nen­zu­ler­nen. Der Ame­ri­ka­ner mit hol­län­di­schen Wur­zeln, der seit sei­nem Durch­bruch 2013 auf zahl­rei­che Auf­trit­te dies­seits und jen­seits des At­lan­tiks ver­wei­sen kann, wird sich hier­bei dem Vio­lin­kon­zert von Ro­bert Schu­mann stel­len. Ab­ge­run­det wird das Pro­gramm von Di­ri­gent Ke­vin John Edus­ei durch die 2. Sin­fo­nie von Jo­han­nes Brahms und Wil­helm Kill­may­ers „Nacht­ge­dan­ken“. (21./22.4. Prinz­re­gen­ten­thea­ter)

Klas­si­sches ganz un­ge­zwun­gen: VI­SI­ON STRING QUAR­TET

De­bü­tiert bei den Sym­pho­ni­kern: STE­PHEN WAARTS

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