Weg mit dem Kreuz, her mit der Ei­chel! (ein Auf­ruf zur Ehr­lich­keit)

In München - - BELÄSTIGUNGEN -

Von dem po­li­ti­schen Erd­be­ben, das Bay­ern der­zeit er­schüt­tert, wer­den wir un­se­ren Nach­fah­ren kaum in ver­ständ­li­chen Be­grif­fen be­rich­ten kön­nen, weil es ih­nen (hof­fent­lich) an Ver­ständ­nis für ein der­ar­ti­ges Kas­perl­thea­ter grund­sätz­lich feh­len wird. Ge­strit­ten wird nicht über den „Kli­ma­wan­del“, der uns den drei­vier­tel­ten April lang ei­nen bra­chia­len Höchst­som­mer be­schert und die Schleim­häu­te der ar­men All­er­gi­ker täg­lich mit fünf Pfund Blü­ten­staub ze­men­tiert hat. Auch nicht dar­über, daß es um die Tril­lio­nen Blü­ten, die leuch­ten, pran­gen, prot­zen und vor sich hin stau­ben, vie­ler­orts merk­wür­dig still ist, weil die Bie­nen of­fen­bar nicht mit­be­kom­men ha­ben, daß ir­gend­ei­ne Mi­nis­te­rin dem­nächst even­tu­ell „an­zu­den­ken“an­ge­deu­tet hat, ob man vi­el­leicht un­ter Um­stän­den ei­nes Ta­ges dar­über dis­ku­tie­ren könn­te („ziel­füh­rend“), den che­mi­schen Mas­sen­mord an den sum­men­den Zeit­ge­nos­sen … nun ja, zu „über­den­ken“oder so. An­ge­pran­gert wird auch nicht die gras­sie­ren­de Ar­mut, die auf den ex­plo­die­ren­den Reich­tum zu­rück­geht, Land­schafts­zer­stö­rung durch wu­chern­de Neu­bau­sied­lun­gen, Ge­wer­be­ge­bie­te und Au­to­pis­ten, der phi­lo­so­phi­sche Wahn­sinn, daß vie­le „Mit­bür­ger“(die ei­gent­lich Bür­ger sein soll­ten, die man aber durch die be­schö­ni­gen­de Vor­sil­be „mit ins Boot“zu ho­len vor­täuscht, was ei­ne der Haupt­auf­ga­ben heu­ti­ger „Po­li­tik“ist) – daß vie­le von de­nen sich mit ih­rem Le­ben recht zu­frie­den wäh­nen, ob­wohl sie den größ­ten Teil da­von mit Ar­beit ver­schwen­den. Ganz zu schwei­gen von Woh­nungs­not, Ex­port­über­schuß, au­ßen­po­li­ti­schen Skan­da­len, Lü­gen, Ver­tu­schun­gen, von ras­sis­ti­schen Um­trie­ben der Na­zis in der Ukrai­ne bis hin zu al­len mög­li­chen Krie­gen, über die man uns nichts oder höchs­tens Hum­bug be­rich­tet. Nein, wo­mit die „so­zia­len Me­di­en“der­zeit flä­chen­de­ckend ge­pflas­tert wer­den (zwecks Si­mu­la­ti­on ei­ner „De­bat­te“), ist der Be­fehl des nicht ge­wähl­ten Mi­nis­ter­prä­si­den­ten, künf­tig sei­en in sämt­li­chen frei­staat­li­chen Be­hör­den Kreu­ze an die Wand zu na­geln. Und zwar weil das Ding „nicht ein re­li­giö­ses Sym­bol“, son­dern ein „Be­kennt­nis zur Iden­ti­tät“und zur „kul­tu­rel­len Prä­gung“des Bay­ern­lan­des sei. Daß das Kreuz in sei­ner Ur­form kei­nes­wegs „für ele­men­ta­re Wer­te wie Nächs­ten­lie­be, Men­schen­wür­de und To­le­ranz“stand, son­dern als Hin­rich­tungs­werk­zeug recht grau­si­ge „Wer­te“durch­set­zen soll­te und des­we­gen auch als „Gal­gen“be­zeich­net wur­de, brau­chen wir nicht be­to­nen. Das weiß der Herr Sö­der si­cher­lich sel­ber aus dem Schul­un­ter­richt, wenn er sel­bi­gen nicht aus­dau­ernd ge­schwänzt hat, um un­ter dem Bild­nis des tot­ge­mar­ter­ten Mes­si­as für sei­ne po­li­ti­sche Kar­rie­re zu be­ten. Wir spa­ren uns den Hin­weis, daß ein Christ, der öf­fent­lich be­haup­tet, das Kreuz sei „nicht ein re­li­giö­ses Sym­bol“, an­ge­sichts der Tat­sa­che, daß das Kreuz DAS zen­tra­le Sym­bol der christ­li­chen Re­li­gi­on so­wie Ur­sprung und Zen­trum des al­ler­hei­ligs­ten Sa­kra­ments sel­bi­ger Re­li­gi­on und so­mit IM­MER ein Be­kennt­nis zum Chris­ten­tum ist, – daß so je­mand kein Christ, son­dern ein ganz schlim­mer Ket­zer ist. Da kann er sich in sei­nem (ehe­ma­li­gen) Hei­mat­mi­nis­te­ri­um so vie­le Ge­bets­räu­me ein­rich­ten las­sen, wie er mag. Wenn das Kreuz ab­ge­se­hen da­von noch für ei­nen „Wert“steht, dann ist das ein ele­men­ta­rer, näm­lich – sie­he Fried­hof – der Tod. Rei­ten wir auch nicht auf den Saue­rei­en her­um, die die christ­li­che Re­li­gi­on in den letz­ten 2000 Jah­ren im Na­men ih­res Kreu­zes welt­weit an­ge­rich­tet hat. Da ge­nügt ein Blick in die He­ka­tom­ben ein­schlä­gi­ger Li­te­ra­tur, von De­sch­ners „Kri­mi­nal­ge­schich­te des Chris­ten­tums“bis hin zu Kem­me­richs im­mer­hin amü­san­ten „Kul­tur-Ku­rio­sa“(wo sich üb­ri­gens auch ein er­quick­li­ches Sam­mel- su­ri­um an his­to­ri­schen Bei­spie­len für den Um­gang mit Ket­zern fin­det). Ist ja eben­falls al­les nicht neu. Und wir ver­zich­ten dar­auf, die baye­ri­sche Ver­fas­sung zu zi­tie­ren, de­ren Ar­ti­kel 142 fest­stellt: „Es be­steht kei­ne Staats­kir­che“, und in der au­ßer­dem steht: „Die Zu­las­sung zu den öf­fent­li­chen Äm­tern ist von dem re­li­giö­sen Be­kennt­nis un­ab­hän­gig.“Daß schon in der Kon­sti­tu­ti­on von 1808 die Re­li­gi­ons­frei­heit ga­ran­tiert war, daß die ers­te de­mo­kra­ti­sche Ver­fas­sung Bay­erns von 1919 be­stimm­te, es dür­fe nie­mand „zur Teil­nah­me an Kul­tus­hand­lun­gen“und „re­li­giö­sen Übun­gen“ge­zwun­gen wer­den, müs­sen wir nicht er­wäh­nen. Schließ­lich hat an letz­te­rer die Baye­ri­sche Volks­par­tei mit­ge­schrie­ben, die Vor­gän­ger­or­ga­ni­sa­ti­on der CSU, man weiß das al­so (auch wenn das Des­in­ter­es­se baye­ri­scher Re­gie­ren­der an Ver­fas­sun­gen no­to­risch ist). Vi­el­leicht äu­ßern wir statt all dem ei­nen Vor­schlag zur Gü­te: Man hän­ge, wenn Kreuz schon sein muß, nicht sti­li­sier­te Ex­em­pla­re des Mord­werk­zeugs in die Di­enst­stel­len hin­ein, son­dern die gleich­na­mi­ge fran­zö­si­sche Spiel­kar­te (die man vom Skat kennt, im­mer­hin ein „im­ma­te­ri­el­les Kul­tur­er­be“) bzw., wenn man dem Franz­mann di­ver­se Um­trie­be in his­to­ri­schen Zei­ten noch nicht ver­zie­hen hat, dann eben ih­re deut­sche, vom Schaf­kopf (der Ur­form des Skat) und Wat­ten ver­trau­te Ent­spre­chung: die Ei­chel. Da­mit wä­re zwei­er­lei er­reicht: ein Be­kennt­nis zu Iden­ti­tät und kul­tu­rel­ler Prä­gung des Bay­ern­lan­des, für die das Kar­teln tra­di­tio­nell wich­ti­ger ist als das meist eh bloß (ver­bo­te­ner­wei­se) er­zwun­ge­ne Her­um­sit­zen in Kir­chen. Und ein deut­li­ches Zei­chen für die eben­falls tra­di­tio­nell über­schie­ßen­de Vi­ri­li­tät baye­ri­scher Macht­prot­ze, die da­mit ihr Re­vier (durch sinn­bild­li­che Brunz­mar­ken) ein­deu­ti­ger und ehr­li­cher mar­kie­ren könn­ten als mit dem Miß­brauch re­li­giö­ser Sym­bo­le als Feld­zei­chen.

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