Matt Ruff

In München - - LITERATUR - Rai­ner Ger­mann

Lo­ve­craft Coun­try (Han­ser)

Das The­ma Ras­sis­mus be­stimmt die ak­tu­el­le ame­ri­ka­ni­sche Li­te­ra­tur mit Wer­ken wie „Un­der­ground Rail­road“von Col­son Whitehead, „Heim­keh­ren“von Yaa Gya­si oder auch „Whi­te Te­ars“von Ha­ri Kunz­ru. Und auch das neu­es­te Werk des New Yor­ker Au­tors Matt Ruff be­gibt sich ins Chi­ca­go von 1952 zur Zeit der Ras­sen­ge­set­ze. Der schwar­ze Korea-Ve­te­ran At­ti­cus Tur­ner macht sich auf die Su­che nach sei­nem ver­schwun­de­nen Va­ter und sieht sich auf sei­ner ge­fähr­li­chen Rei­se ins „Lo­ve­craft Coun­try“, dem Staat mit den schärfs­ten Ras­sen­ge­set­zen, mit dem Ku Klux Klan, Ge­heim­ge­sell­schaf­ten und mys­te­riö­sen „ech­ten“Geis­tern kon­fron­tiert. Mit Hil­fe sei­nes On­kels, dem Her­aus­ge­ber des „Safe Ne­gro Tra­vel Gui­de“, der Tipps gibt, wo Schwar­ze „si­cher“es­sen und über­nach­ten kön­nen, und sei­ner Ju­gend­freun­din ge­langt At­ti­cus bis zum An­we­sen der Fa­mi­lie Braithw­hi­te. Hier tagt ei­ne ras­sis­ti­sche Ge­heim­lo­ge, mit de­ren Hil­fe Braithw­hi­te jr. ei­ne hö­he­re Macht an­strebt. Matt Ruff er­zählt mit über­bor­den­der Phan­ta­sie und recht fie­sem Hu­mor die wirk­lich wahn­wit­zi­gen „phan­tas­ti­schen“Aben­teu­er ei­ner schwar­zen Fa­mi­lie und ih­rer wei­ßen Wi­der­sa­cher. Al­lein die Sze­ne, in der sich die jun­ge Far­bi­ge Ru­by mit Hil­fe ei­nes To­ni­kums, das Braithw­hi­te aus dem Kör­per sei­ner Ex-Frau de­stil­liert, für Stun­den op­tisch in die wei­ße La­dy Hil­la­ry ver­wan­delt, was sie da­bei fühlt und wie die Ge­sell­schaft ihr ge­gen­über re­agiert, ist fas­zi­nie­ren­de Lek­tü­re ir­gend­wo zwi­schen Fan­ta­sy, Got­hic Hor­ror und Ge­sell­schafts­kri­tik. Kein Wun­der, dass sich HBO die Rech­te für ei­ne Se­rie hol­te – die Ge­schich­te ist ein­fach zu aus­ufernd, als dass man sie nur zwi­schen zwei Buch­de­ckeln ein­fan­gen könn­te.

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