Wolf­gang Schor­lau

In München - - LITERATUR - Mar­tin Wel­zel

Der gro­ße Plan (Kie­pen­heu­er & Witsch)

Ad ka­len­das grae­cas meint: Auf den Sank­tNim­mer­leins-Tag ver­schie­ben. Ei­nen Frie­dens­ver­trag mit Grie­chen­land durf­te und darf es nicht ge­ben, denn dann wä­ren Re­pa­ra­tio­nen fäl­lig. Am 4. April 1941 über­fiel die Wehr­macht Grie­chen­land und bür­de­te dem Land auf, für die ei­ge­ne Be­sat­zung in Form von zins­lo­sen Dar­le­hen und Kriegs­an­lei­hen zu zah­len. Auf die heu­ti­ge Zeit um­ge­rech­net, geht es da­bei um bis zu 70 Mrd. Eu­ro. Mit­tels ei­ner Deutsch-Grie­chi­schen Wa­ren­aus­gleichs­ge­sell­schaft wur­de das Land sys­te­ma­tisch aus­ge­plün­dert, was dort in den Win­tern zu Hun­gers­nö­ten führ­te, die ge­schätzt 450.000 Grie­chen das Le­ben kos­te­te. Na­tür­lich kann man von ei­nem Bou­le­vard-Au­tor nicht er­war­ten, dass er das al­les weiß, aber dann pö­beln: „Nehmt den Grie­chen den Eu­ro weg!“, „Ver­kauft doch Eu­re In­seln, ihr Plei­te-Grie­chen!“, „NEIN! Kei­ne wei­te­ren Mil­li­ar­den für die gie­ri­gen Grie­chen!“geht gar nicht. Wer kei­ne Ah­nung hat, erst mal die Klap­pe hal­ten! Auch Ge­org Deng­ler wuss­te zu Be­ginn sei­nes neun­ten Fal­les nichts von all die­sen Din­gen, aber er mach­te sich kun­dig. Und er er­fuhr auf der Su­che nach ei­ner ent­führ­ten Mit­ar­bei­te­rin der Troi­ka, wie die so­ge­nann­te Grie­chen­land-Ret­tung wirk­lich funk­tio­niert: ein über­wie­gend ab­ge­kar­te­tes Spiel der Fi­nanz­in­dus­trie, um die Zin­sen für Grie­chen­land-Kre­di­te in die Hö­he zu trei­ben und das Land für Fehl­spe­ku­la­tio­nen blu­ten zu las­sen. Und Deutsch­land ge­winnt da­bei im­mer. Na­tür­lich löst Deng­ler den Fall, aber am En­de ha­ben al­le (bis auf die Ban­ken … und „BILD“) – und die Grie­chen ins­be­son­de­re – ver­lo­ren.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.