Wild West kon­tra San­gria – Spa­ni­ens un­be­kann­te Ge­sich­ter

In München - - RAUS AUS MÜNCHEN - Lau­ra Ama­di

Ur­sprüng­lich, wild, über­ra­schend und so ganz an­ders: Rot­glü­hen­de Fels­for­ma­tio­nen in der Abend­son­ne, senk­rech­te Tür­me bis zu 300 Me­ter hoch, am Him­mel krei­sen­de Gän­se­gei­er und ein 100-See­len­dörf­chen, das sich in er­di­gen Far­ben fast un­ter­wür­fig an den Fuß des Bil­des duckt. Te­rence Hill und Bud Spen­cer, die Fäus­te im An­schlag – die Sze­ne­rie scheint tau­frisch ei­nem Ita­lo-Wes­tern der 70er ent­sprun­gen und passt gut nach Ne­va­da oder Utah. Die Mal­los de Rig­los im Nor­den der Au­to­no­men spa­ni­schen Re­gi­on Ara­gón sind si­cher­lich ei­ne der spek­ta­ku­lärs­ten Land­schafts­for­men, aber nicht die ein­zi­ge hier, die so rein gar nichts mit den gän­gi­gen Lan­des­kli­schees zu tun hat. Ins­ge­samt gibt es drei Pro­vin­zen (Hu­e­sca, Za­ra­go­za, Te­ru­el) und grob ge­sagt liegt Ara­gón zwi­schen Ma­drid, Bar­ce­lo­na und Va­len­cia. 500 Ki­lo­me­ter – von den über 3.000 Me­ter ho­hen Py­re­nä­en im Nor­den an der Gren­ze zu Frank­reich mit Ein­drü­cken, die an die Hoch­al­men und al­pi­ne Gip­fel­re­gio­nen der Schweiz den­ken las­sen, bis in den Sü­den in die me­di­ter­ra­ne Re­gi­on um Te­ru­el. Ge­prägt von stil­len, fast men­schen­lee­ren, kar­gen Pla­teaus mit Schluch­ten, den über 2.000 Me­ter ho­hen Ber­gen des Ma­e­s­traz­go-Ge­bir­ges und der un­ver­gleich­li­chen Ar­chi­tek­tur des is­la­mi­schen Mu­déjarstils. Ganz Ara­gón und be­son­ders die Pro­vinz Te­ru­el zäh­len zu den am dünns­ten be­sie­del­ten Ge­gen­den Spa­ni­ens. Kei­ne San­gria-Par­ty-Mei­len, kein Me­er­zu­gang. Die Mit­tel­meer­strän­de sind im bes­ten Fall 50 Ki­lo­me­ter ent­fernt – tat­säch­lich ein Se­gen, zäh­len die un­ter­schied­li­chen Le­bens­räu­me doch heu­te zu den letz­ten wirk­li­chen Über­ra­schun­gen Eu­ro­pas. Das Tou­ris­muspor­tal der Re­gi­on bie­tet ein recht um­fas­sen­des An­ge­bot an gut il­lus­trier­ten Blät­ter­ka­ta­lo­gen auf Deutsch zu den ver­schie­de­nen Land­schaf­ten bzw. An­ge­bo­ten und Out­door­ak­ti­vi­tä­ten. www.tu­ris­mo­de­ara­gon.com/de

Wirt­schaft­li­ches, po­li­ti­sches und auch kul­tu­rel­les Zen­trum ist mit über 600 000 Ein­woh­nern die Haupt­stadt Za­ra­go­za (dt.Sa­ra­gos­sa) im Fluss­tal des Ebro. Seit der Ex­po 2008 auch in­ter­na­tio­nal be­kannt, hat sich die ehe­ma­li­ge rö­mi­sche Ci­vi­tas von Hi­s­pa­nia in­zwi­schen zu ei­ner le­ben­di­gen und lie­bens­wer­ten Tou­ris­ten­stadt mit recht be­ein­dru­cken­den ar­chi­tek­to­ni­schen Zeug­nis­sen ih­rer His­to­rie ge­mau­sert. Z.B. Über­res­te des Fo­rum Ro­ma­num, opu­len­te Kir­chen im Mu­déjarstil, im­mer­hin UNESCO Welt­kur­er­be und der pracht­vol­le Al­ja­fe­ría-Pa­last im ver­spiel­ten, or­na­mentrei­chen ara­bi­schen Baustil aus den Zei­ten von Al-Án­da­lus.

Neu: Ab Ju­ni (bis Sep­tem­ber) gibt es nun im­mer mon­tags und don­ner­tags Di­rekt­flü­ge von Mün­chen nach Za­ra­go­za mit der Air­line Vo­lo­tea. Ara­gón wird da­mit zu ei­nem Kurz­rei­se­ziel, das sich mit rund zwei Stun­den Flug­zeit auch mal für ein paar Ta­ge lohnt. Wie bei al­len Bil­lig­flug­an­bie­tern schwan­ken die Prei­se ex­trem – die güns­tigs­ten An­ge­bo­te lie­gen bei ca. 16 Eu­ro ein­fach.

Am Flug­ha­fen sind die gän­gi­gen Miet­wa­gen­fir­men ver­tre­ten, wer nur in der Stadt un­ter­wegs ist, ist auch mit ei­nem Scoo­ter für 28 Eu­ro pro Tag gut be­ra­ten. Auf­grund der über­schau­ba­ren Ent­fer­nun­gen soll­te man aber in je­dem Fall ei­ni­ge der ma­le­ri­schen Or­te be­sich­ti­gen, die sich al­le in rund 90 Mi­nu­ten Fahr­zeit von Za­ra­go­za aus er­rei­chen las­sen - 12 der schöns­ten 68 Dör­fer Spa­ni­ens lie­gen im­mer­hin in der Re­gi­on: An­só, Al­qué­zar und Aín­sa im Nor­den von Hu­e­sca, Can­ta­vie­ja, Al­bar­racín, Val­derr­ob­res, Ru­bie­los de Mo­ra, Pu­er­to­mingal­vo, Ca­la­cei­te und Mi­ram­bel in Te­ru­el oder Anen­to, Sos del Rey Ca­tó­li­co und Da­ro­ca in Za­ra­go­za. Zu­mal sich un­ter­wegs im­mer wie­der Ge­le­gen­hei­ten bie­ten, die her­vor­ra­gen­de, ty­pisch länd­lich ge­präg­te Kü­che zu pro­bie­ren: Tra­di­tio­nel­le Ein­töp­fe, die je nach Ort der Zu­be­rei­tung va­ri­ie­ren, Lämm­chen-Bra­ten, Schin­ken von schwe­ren Schwei­nen aus Te­ru­el, Chilin­drón-Huhn, ein Schmor­ge­richt so­wie Em­bún-Boh­nen mit Schwei­ne­oh­ren und -schwän­zen u.v.m. www.za­ra­go­z­a­t­u­ris­mo.es www.vo­lo­tea.com/de www.spain.in­fo/de

Ent­de­ckung der Lang­sam­keit: Die Rei­se ge­nie­ßen, oh­ne Hast, oh­ne Ei­le, sich be­wußt Zeit neh­men für den Reiz der De­tails. Ein neu­es, sehr in­no­va­ti­ves und zeit­geis­ti­ges Tou­ris­mus­pro­dukt: Slow Dri­ving Ara­ra­gón mit sie­ben aus­ge­wähl­ten Rou­ten für Au­to oder Mo­tor­rad. Zwi­schen 117 und 440 Ki­lo­me­ter lang – im­mer auf be­schau­li­chen Ne­ben­stra­ßen, mal aben­teu­er­lich, mal ro­man­tisch oder kul­tur­träch­tig. Dass die kür­zes­te Tour Ur­sprün­ge des Kö­nigs­rei­ches ganz im Nord­wes­ten mit 117 Ki­lo­me­tern auf drei Ta­ge an­ge­legt ist, zeigt, wie groß­zü­gig der Zeit­auf­wand ge­plant ist. Die­ser Trip lässt sich üb­ri­gens auch bei ei­nem Kurz­auf­ent­halt in­te­grie­ren und führt in die grüns­ten Tä­ler der Py­re­nä­en, Hecho und An­só. Ganz im Ge­gen­satz zu den an­de­ren Tei­len des Ge­bir­ges, be­schert der At­lan­tik­ein­fluss hier mehr Re­gen und mil­de­re Tem­pe­ra­tu­ren. Be­son­ders emp­feh­lens­wert sind Die Ge­heim­nis­se der Vor­py­re­nä­en (242km in drei bis vier Etap­pen) mit gran­dio­sen Schluch­ten, Berg­päs­sen und was­ser­rei­chen Fluss­läu­fen. Zu­dem: Der Na­tur­schutz­park Par­que Na­tu­ral de la Sier­ra y Caño­nes de Gua­ra und der Kul­tur­park Rio Ve­ro, des­sen Höh­len­ma­le­rei­en eben­falls von der UNESCO zum Wel­ter­be ge­kürt wur­den. Das ge­sam­te Slow Dri­ving Kon­zept ist ab­so­lut pro­fes­sio­nell on­line do­ku­men­tiert. Zu je­der der sie­ben „Ru­tas” gibt es in­ter­ak­ti­ve Er­klä­run­gen der Ein­zel­sta­tio­nen. Die ge­sam­ten Er­läu­te­run­gen kön­nen auch als prak­ti­scher Rei­se­be­glei­ter aus­ge­druckt wer­den. www.slow­d­ri­vin­ga­ra­gon.com/de

Un­be­dingt auch be­su­chen soll­te man den Na­tio­nal­park Or­de­sa y Mon­te Per­di­do ganz im Nor­den der Pro­vinz Hu­e­sca mit to­sen­den Was­ser­fäl­len, tief ge­furch­ten Can­yons und kla­ren Ge­birgs­se­en. www.or­de­sa.net

Tie­fe Schluch­ten, bi­zar­re Land­schaf­ten – im Nor­den von ARA­GÓN

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