DER KLAS­SI­KER

Bli­cke über den Tel­ler­rand und an­de­re Per­spek­ti­ven

In München - - INHALT - To­bi­as Hell

Ge­gen­sät­ze zie­hen sich an

Ju­bi­lä­en sind im­mer ein will­kom­me­ner An­lass, um ein we­nig über den Tel­ler­rand hin­aus­zu­bli­cken und Kom­po­nis­ten mit run­dem Ge­burts­tag auch mal aus ei­ner an­de­ren Per­spek­ti­ve ken­nen­zu­ler­nen. Da ist auch Leo­nard Bern­stein kei­ne Aus­nah­me, an des­sen 100. in die­sem Jahr in Mün­chen be­reit Wäh­rend man an der Thea­ter­aka­de­mie oder am Gärt­ner­platz der Mu­si­calKom­po­nist Bern­stein in den Fo­kus ge­rückt wur­de, bzw im Herbst noch wird, gibt es beim Sym­pho­nie­or­ches­ter des BR nun die Mög­lich­keit, den klas­si­schen Bern­stein zu ent­de­cken. Hier näm­lich wird Sir An­to­nio Pap­pa­no nun für des­sen „The Age of Anxie­ty“ans Pult tre­ten. Bern­steins 2. Sin­fo­nie, die vom gleich­na­mi­gen Ge­dicht aus der Fe­der von Wys­tan Hugh Au­den in­spi­riert wur­de. Ein Werk, dass nicht nur die Sinn­su­che sei­ner vier Haupt­cha­rak­te­re the­ma­ti­siert, son­dern mit dem aus­ge­dehn­ten Kla­vier­part auch for­mal ei­ge­ne We­ge geht. Als So­lis­ten be­geg­net man Pia­nist Ki­rill Ger­stein, der da­mit sein De­büt beim SO gibt. Er­gänzt wird die­se span­nen­de Re­per­toire­ra­ri­tät durch ei­ne wei­te­re Zwei­te, die Sin­fo­nie in e-moll von Ser­gej Rach­ma­ni­now. (14.16.6 Phil­har­mo­nie)

Rei­ben sich hier die Po­le von Ost und West, be­wegt sich Joy­ce DiDo­na­to bei ih­rem kom­men­den Gast­spiel in der Phil­har­mo­nie im Span­nungs­feld von „Krieg und Frie­den“. Wo­hin­ter sich je­doch kei­ne Ad­ap­ti­on des be­rühm­ten Tol­stoi-Epos ver­birgt, son­dern ei­ne klug zu­sam­men­ge­stell­te Aus­wahl ba­ro­cker Vo­kal­per­len von Mon­te­ver­di, Pur­cell, Hän­del und Co., mit der sich die Ame­ri­ka­ne­rin nach ih­ren jüngs­ten Aus­flü­gen zum Bel­can­to nun wie­der ei­ner ih­rer größ­ten Lei­den­schaf­ten wid­met. Un­ter­stüt­zung kommt da­bei nicht nur von Ma­xim Emelyany­chev am Pult des Ori­gi­nal­klan­gen­sem­bles Il Po­mo d’Oro, son­dern eben­so von Cho­reo­graf Ma­nu­el Pa­laz­zo und Mo­de­de­si­gne­rin Vi­vi­en West­wood, die den über­schäu­men­den Kom­po­si­tio­nen ein op­ti­sches Ge­gen­ge­wicht ver­lei­hen. (17.6. Phil­har­mo­nie)

Alt und Neu tref­fen in be­währ­ter Ma­nier beim Mün­che­ner Kam­mer­or­ches­ter auf­ein­an­der, das bei sei­nem nächs­ten Abon­ne­ment­kon­zert mit Di­ri­gent John St­or­gards ei­nen gu­ten al­ten Be­kann­ten am Pult be­grüßt. Er rahmt mit Haydns Sin­fo­ni­en Nr. 98 und 104 un­ter an­de­rem Györ­gy Li­ge­tis „Kam­mer­mu­sik für 13 In­stru­men­ta­lis­ten“, ehe nach der Pau­se dann noch Schu­berts „Wan­de­rer-Fan­ta­sie“er­klingt, die hier in der Be­ar­bei­tung durch Franz Liszt auf dem Pro­gramm­zet­tel er­scheint und mit Aa­ron Pil­san am Flü­gel ei­nen ver­sier­ten Vir­tuo­sen der jün­ge­ren Ge­ne­ra­ti­on als So­lis­ten auf­bie­tet. (14.6. Prinz­re­gen­ten­thea­ter)

Als Ex­per­tin fürs Mo­der­ne hat­te sich zu­nächst Ali­sa Wei­ler­stein ei­nen Na­men ge­macht. Was die Ame­ri­ka­ne­rin je­doch nicht da­von ab­hält, sich nun mit Ed­ward El­gars Cel­lo­kon­zert auch wie­der ein­mal ei­nem der gro­ßen Klas­si­ker des Re­per­toires zu­zu­wen­den. Be­glei­tet wird sie da­bei von den Münch­ner Phil­har­mo­ni­kern un­ter Fran­cois-Xa­vier Roth, der den Abend mit Ra­vels „Al­bo­ra­da del gra­cio­so“er­öff­net und mit Bé­la Bar­tóks „Der wun­der­ba­re Man­da­rin“be­schließt. (20.-22.6. Phil­har­mo­nie)

Zu­vor sind die Mu­si­ke­rin­nen und Mu­si­ker des Orches­ters der Stadt aber auch noch ein­mal im kom­pak­te­ren For­mat zu er­le­ben, wenn beim Kam­mer­kon­zert im Künst­ler­haus Ent­de­ckun­gen von Ker­ry Tur­ner und John Ire­land auf dem Pro­gramm ste­hen, ehe es mit Schu­berts Ok­tett in F-Dur auf die Ziel­ge­ra­de geht. Die Strei­cher des En­sem­bles wer­den hier durch Qi Zhou, Yu­si Chen, Kon­stan­tin Sell­heim, Sis­sy Schmid­hu­ber und Shengni Guo ver­tre­ten. Zu ih­nen ge­sel­len sich Hor­nist Jörg Brück­ner, Kla­ri­net­tis­tin Alexandra Gru­ber und Raf­fae­la Gi­an­not­ti am Fa­gott. (17.6. Künst­ler­haus)

Zu­rück in Mün­chen be­grü­ßen darf man im Ju­ni auch den ehe­ma­li­gen Staats­opern GMD Kent Na­ga­no, der mit dem einst eben­falls von ihm ge­lei­te­ten Deut­schen Sym­pho­nie­Or­ches­ter Ber­lin ei­nen Ab­ste­cher in den Ga­s­teig macht, wo un­ter sei­ner St­ab­füh­rung Gus­tav Mah­lers Zwei­te zur Auf­füh­rung ge­langt. Mit von der Par­tie ist da­bei au­ßer­dem die Au­di Ju­gend­cho­r­aka­de­mie so­wie Alexandra St­ei­ner und Ok­ka von der Da­merau, die in den So­lo­par­ti­en zu hö­ren sein wer­den. (24.6. Phil­har­mo­nie)

Ex­per­tin fürs Mo­der­ne: ALI­SA WEINSTEIN

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