CONCERTS

Zwi­schen Ga­ra­ge­rock, Syn­thie­pop und Ca­ba­ret

In München - - INHALT -

Wahn­wit­zi­ge Dra­men

Hier schla­gen Mäd­chen­her­zen hö­her: Die meis­ten (vor al­len Din­gen jun­gen) Men­schen ken­nen Micha­el Malar­key in ers­ter Li­nie als Schau­spie­ler aus der Se­rie „Vam­pi­re Dia­ries“. Er war aber auch schon vor sei­ner Schau­spiel­kar­rie­re als Mu­si­ker und Song­wri­ter tä­tig und ver­öf­fent­lich­te 2014 die Sing­le „Feed the Fla­mes“, die ein biss­chen für Fu­ro­re sorg­te. Letz­tes Jahr er­schien sein De­büt­al­bum „Mon­grels“, dar­auf sind aus­schließ­lich Ei­gen­kom­po­si­tio­nen ver­sam­melt, die nicht nur zei­gen, dass Micha­el ein Händ­chen für Me­lo­di­en und text­lich was drauf hat. Sei­ne Ba­ri­ton­stim­me ist be­ein­flusst vom frü­hen Tom Waits und von Tow­nes van Zandt – Nash­ville liegt manch­mal auch at­mo­sphä­risch sehr nah. (1.6. Strom)

In ih­rem vier­ten Sin­ger/ Song­wri­ter-Al­bum „Deins & Do­ne“be­sin­gen die Ber­li­ner Va­rie­té- und Ca­ba­re­tKünst­le­rin und Schau­spie­le­rin Me­ret Be­cker und ih­re Band The Ti­ny Teeth mit bild­haf­ten und me­lan­cho­li­schen Sound sehr per­sön­li­che so­wie sur­rea­le Mo­men­te. So lässt sie ge­mein­sam mit ih­rem Gi­tar­rist Bud­dy Sa­cher, wun­der­bar spar­sa­men Back­ground­ge­sang und Schlag­zeug ein ku­rio­ses Par­al­lel­uni­ver­sum ent­ste­hen. Wie­der­keh­ren­des The­ma ist da­bei ein Zir­kus, eben „Le Grand Or­di­nai­re“, der neue Wel­ten er­öff­net, die sich um Rea­li­täts­ver­schie­bun­gen, Ver­gäng­lich­keit, die Lie­be zu mensch­li­chen Feh­lern und un­still­ba­re Sehn­süch­te dre­hen. „Le Grand Or­di­nai­re“ist ei­ne fas­zi­nie­ren­de Col­la­ge aus mu­si­ka­li­schen Bil­dern und sur­rea­len Lie­dern. (2.6. Volks­thea­ter)

Sie ka­men im Kiel­was­ser von La Bras­sBan­da hoch, sind aber ei­gent­lich ganz an­ders: Seit acht Jah­ren ver­bin­den Mo­op Ma­ma die Kunst des Ge­schich­ten­er­zäh­lens mit ei­nem ein­zig­ar­ti­gen Sound aus Blä­sern, Beats und Rap, „Ur­ban Brass” nen­nen sie ih­re Mu­sik und das be­schreibt es ganz gut. Kein Hei­mat­s­ound son­dern eher Groß­stadt-Hi­p­Hop mit Blä­sern, die Li­ve­shows ge­hö­ren mit zum Bes­ten, was auf deut­schen Büh­nen zu se­hen ist. Mit zehn Mann auf der Büh­ne ver­wan­delt die Band auch neu­gie­ri­ge No­vi­zen in über­zeug­te Fans, be­vor die­se über­haupt so recht be­grif­fen ha­ben, was da ei­gent­lich los ist. (3.6.Rat­haus­platz Dach­au)

Auf ih­rem ak­tu­el­len, sechs­ten Al­bum „When To Talk And When To Lis­ten“mischt die ka­na­di­sche Band Cur­rent Swell In­die­rock mit ein­gän­gi­gem Pop, was in ih­rer Hei­mat gleich Mal schwer in die Charts ging. Das Al­bum wur­de von Pro­du­zent und Gram­my-Ge­win­ner Jac­qui­re King (Kings Of Le­on, Tom Waits, Norah Jo­nes, Cold War Kids, Of Mons­ters And Men, Ja­mes Bay etc.) ge­mein­sam mit der Band in ei­nem Zei­t­raum von vier Wo­chen an zwei sehr un­ter­schied­li­chen Or­ten pro­du­ziert: In Nash­ville in den be­kann­ten Black­bird Stu­di­os und in Van­cou­ver. Statt wie bis­lang im Stu­dio zu jam­men, star­te­te das Quar­tett ganz von vorn: al­le Song­ide­en wur­den de­mon­tiert, al­le Stü­cke von Grund auf neu ge­schrie­ben. Das hat­te ei­nen Grund, denn die ers­te Ses­si­on in Nash­ville brach King re­la­tiv schnell wie­der ab und sag­te der Band, sie sol­le zu­rück­kom­men, wenn sie et­was zu sa­gen hät­te. Und das hat­te sie dann – am nächs­ten Tag. (4.6. Strom)

Sie sind wohl das dienst­äl­tes­te Syn­thie­pop-Duo der Welt: Sparks, das Pro­jekt der ka­li­for­ni­schen Brü­der Ron und Rus­sell Ma­el misch­te be­reits An­fang der Sieb­zi­ger Jah­re die Pop­welt auf und blies den Staub mit eklek­ti­schen und auch elek­tro­ni­schen Mu­si­cal-Rock-Al­ben wie „Ki­mo­no My Hou­se“und „Pro­pa­gan­da“vom Hip­pieRock-Gi­tar­ren-Ge­du­del. Die neu­en Stü­cke vom ak­tu­el­len Al­bum „Hip­po­po­ta­mus” wie „Edith Piaf Said It Bet­ter Than Me” oder „Mis­sio­na­ry Po­si­ti­on“rei­hen sich wun­der­bar in ih­ren Hit­ka­non mit Songs wie „This Town Ain’t Big Enough For Both of Us“, „The Num­ber One Song In Hea­ven“und „When Do I Get To Sing My Way“ein. Pflicht­ter­min. (5.6. Frei­heiz)

Ro­sa­lie & Wan­da wan­deln zwi­schen Freu­de und Me­lan­cho­lie, vol­ler Ener­gie und Ehr­lich­keit. Ist das schon neue Ro­man­tik? Ro­sa­lie Eber­le er­zählt Ge­schich­ten über tan­zen­de Ap­fel­bäu­me, be­singt Selt­sa­mes, Ver­lo­re­nes und Mo­men­te in de­nen man sich be­reit fühlt für die Lie­be. Mit ih­rer Band Wan­da (blö­der Zu­fall, gab’s wohl schon frü­her), das sind Re­ne Ha­de­rer am Kon­tra­bass und Sa­scha Bi­ber­geil an der Gi­tar­re, be­wegt sich die Sin­ger/Song­wri­te­rin mu­si­ka­lisch ver­siert zwi­schen Folk, Jazz und Pop. Dass das Mu­sik zum Träu­men ist, ver­steht sich von selbst. (7.6. Mil­la)

Sei­ne ein­dring­li­chen deut­schen Tex­te schwan­ken zwi­schen bö­ser Ko­mö­die und wahn­wit­zi­gem Dra­ma: dem Jazz aus dem Wun­der­land für Er­wach­se­ne hat sich der Ham­bur­ger Mu­si­ker und Schau­spie­ler Jac­ques Pal­min­ger mit sei­nem 440Hz Trio ver­schrie­ben. Pal­min­ger bricht da­bei gän­gi­ge Jazz-Struk­tu­ren. Das ist nicht ver­wun­der­lich, denn man kennt den Mann aus dem Hu­mor­trio Stu­dio Braun oder aus dem Fa­keBand-Dok-Film „Frak­tus“. Nun tanzt er las­ziv durch das Pa­ris der Sech­zi­ger­jah­re, klet­tert un­end­li­che Ton­lei­tern hoch zum schöns­ten Lied der Welt und se­gelt mit sei­nem Schiff durch ein bit­ter­sü­ßes Schla­ger­meer. (8.6. Mil­la)

Sa­de San­chez möch­te ger­ne ih­ren Freund um­brin­gen. Aus Ei­fer­sucht. Nach­zu­hö­ren auf dem Song „Kill My Ba­by To­night“. Trash-Surf-Ga­ra­gePunk aus Ka­li­for­ni­en macht die gu­te Frau mit ih­ren Freun­din­nen bei der Band L.A. Witch. Das Tem­po ist meist schlep­pend, die Gi­tar­ren hal­len lan­ge nach, und San­chez’ voll­ge­dop­te Stim-

me klingt ex­trem ent­spannt. Die Songs zi­tie­ren ei­ne Ta­ran­ti­no-Vin­ta­ge-Pop­kul­tur, wie sie so wohl nur aus Los An­ge­les kom­men kann. Ein­fach ein­stei­gen in den wei­ßen Mustang, Dro­gen neh­men und ein biss­chen rum­fah­ren. Geht doch. (9.6. Mil­la)

Wenn je­mand als In­spi­ra­ti­ons­quel­le Künst­ler wie The Cu­re, Hu­man Le­ague, KARP, Ros Se­rey­so­thea und Hil­de­gard von Bin­gen in ei­nem Atem­zug nennt, dann kann man da­von aus­ge­hen, dass die ei­ge­nen Lie­der kei­ne Hin­ter­grund­mu­sik für die Haus­ar­beit sein wer­den. Seit 1998 fei­len die Ame­ri­ka­ner von ... And You Will Know Us By The Trail Of De­ad Al­bum für Al­bum an ei­nem ganz ei­ge­nen Pro­fil zwi­schen Hard­core, Noi­se, Avant­gar­de und Pro­gres­si­ve-Rock. Im Zen­trum des mu­si­ka­li­schen Wahn­sinns sit­zen die bei­den Sän­ger Con­rad Kee­ly und Ja­son Reece, die schon seit ih­rer Kind­heit be­freun­det sind und von An­fang an die Ge­schi­cke der Band lei­ten. Sup­port: Ni Sa­la (12.6. Am­pe­re)

Die­ses Spek­ta­kel soll­te man sich nicht ent­ge­hen las­sen: Die Us+The­mTour von Ro­ger Wa­ters wird als letz­te Mög­lich­keit ge­se­hen, die Pink Floyd-Klas­si­ker li­ve und au­then­tisch zu er­le­ben. Wa­ters prä­sen­tiert die ul­ti­ma­ti­ven Meis­ter­wer­ke in ei­ner epo­cha­len Show, die er­neut au­dio­vi­su­el­le Maß­stä­be setzt. Das krea­ti­ve Ge­nie der Band fo­kus­siert sich weit­ge­hend auf bahn­bre­chen­de Songs aus den vier Me­ga-Al­ben „Dark Si­de Of The Moon“, „The Wall“, „Ani­mals“und „Wish You We­re He­re“so­wie auf Ti­tel sei­ner jüngs­ten So­lo-CD „Is This The Li­fe You Re­al­ly Want?“. Der nu­an­cier­te Sur­round-Sound ge­hört eben­so zu den un­ver­wech­sel­ba­ren Mar­ken­zei­chen wie mo­nu­men­ta­le op­ti­sche Ein­drü­cke, die al­le Are­nen in gi­gan­ti­sche Pro­jek­ti­ons­flä­chen ver­wan­deln. (13.6. Olym­pia­hal­le)

Ge­nia­le Pop-Bru­der­schaft: SPARKS

Son­ni­ger Ga­ra­ge­rock: L.A. WITCH

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