Nie­mals auf­ge­ben

Ge­lun­ge­ne Fil­me zwi­schen Welt­krie­gen und an­ti­ken In­spi­ra­tio­nen

In München - - FILM-ABC -

Am 10. Mai 1940 fin­det wäh­rend des Zwei­ten Welt­krieg, als Hit­lers Ar­mee auch We­st­eu­ro­pa er­obert und ei­ne In­va­si­on des Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reichs mög­lich scheint, ein Um­bruch in Groß­bri­tan­ni­ens Füh­rungs­eta­ge statt: Pre­mier­mi­nis­ter Ne­vil­le Cham­ber­lain dankt ab und Wins­ton Chur­chill über­nimmt das Amt in schwie­rigs­ten Zei­ten. Die dun­kels­te St­un­de (Uni­ver­sal) von Re­gis­seur Joe Wright be­leuch­tet die­ses Ka­pi­tel der bri­ti­schen Ge­schich­te, Ga­ry Old­man spielt Chur­chill, das al­lein ist ei­ne Schau, die man trotz der ge­ni­al ad­ap­tier­ten ver­nu­schel­ten Aus­spra­che des gro­ßen Po­li­ti­kers, am bes­ten im Ori­gi­nal an­schau­en soll­te. Schon bald nach dem Amts­an­tritt wird der neue Mann an der Spit­ze En­g­lands vor ei­ne schwer­wie­gen­de Ent­schei­dung ge­stellt: Soll er ein Frie­dens­ab­kom­men mit den Na­zis in Er­wä­gung zie­hen oder für die Idea­le von Frei­heit und Un­ab­hän­gig­keit ein­ste­hen, auch wenn die Zi­vil­be­völ­ke­rung dar­an Scha­den neh­men könn­te? Wäh­rend Kö­nig Ge­or­ge VI schwankt, Chur­chills ei­ge­ne Par­tei ge­gen ihn in­tri­giert und nur sei­ne Frau Cle­men­ti­ne (wie im­mer sehr gut: Kris­tin Scott Tho­mas) dem schwer von Al­ko­hol und Ta­bak ge­zeich­ne­ten Po­li­ti­ker zur Sei­te steht, zer­bricht die­ser fast an der Ent­schei­dung über die Zu­kunft sei­nes Lan­des. Nie­mals auf­ge­ben: V for Vic­to­ry – dass das zu­nächst ver­kehrt her­um ge­zeig­te Zei­chen beim pro­le­ta­ri­schen Volk et­was ganz an­de­res heißt, wie sei­ne jun­ge Se­kre­tä­rin dem Staats­mann er­klärt, ist ei­ne schö­ne An­ek­do­te in die­sem stim­mi­gen Film, der Ga­ry Old­man zu­recht den Os­car für die bes­te Haupt­rol­le be­scher­te.

Ste­ven Mur­phy ar­bei­tet als gut be­schäf­tig­ter Herz­chir­urg und führt mit sei­ner Frau An­na, ei­ner Au­gen­ärz­tin, sei­ner Toch­ter Kim und Sohn Bob das Le­ben ei­ner Vor­zei­ge­fa­mi­lie. Ei­nes Tages er­scheint Mar­tin auf der Bild­flä­che, zu­nächst als Herz-Pa­ti­ent und Sohn ei­nes Un­fall­op­fers, dann im­mer mehr als ein Ju­gend­li­cher aus schwie­ri­gen so­zia­len Ver­hält­nis­sen, der die Nä­he des er­folg­rei­chen Man­nes sucht. Ste­ven birgt ein dunk­les Ge­heim­nis, das eng mit dem Tod von Mar­tins Va­ter ver­knüpft ist und der Ju­gend­li­che sinnt auf Ver­gel­tung: ent­we­der Ste­ven op­fert ei­ne Per­son aus sei­ner Fa­mi­lie und lässt sich auf ein Ver­hält­nis mit Mar­tins Mut­ter ein – oder al­le wer­den ster­ben. Und schon geht es los: Sohn Bob und Toch­ter Kim wer­den auf un­er­klär­li­che Wei­se ge­lähmt, Ste­vens Ehe steht kurz vor dem aus, als er sei­ne Frau auf­klärt... Rus­sell Cro­we uns Ni­co­le Kid­man spie­len fast schon ver­hal­ten ne­ben dem un­glaub­lich agie­ren­den Bar­ry Keo­g­han in The Kil­ling of a Sa­cred Deer (Ala­mo­de/Ali­ve) von dem grie­chi­schen Re­gis­seur Yor­gos Lant­hi­mos, der be­reits mit sei­nem Film „The Lobs­ter“in­ter­na­tio­nal für Fu­ro­re sorg­te. In­spi­riert von dem Werk „Iphi­ge­nie in Au­lis“des grie­chi­schen Dra­ma­ti­kers Eu­ri­pi­des, ge­lang hier ein un­ge­wöhn­li­cher Psy­cho­thril­ler, wie man ihn schon län­ger nicht mehr ge­se­hen hat.

Die Part­ne­rin hat ge­weint, und für­wahr, Ein ver­bor­ge­nes Le­ben (Wild Bunch/Uni­ver­sal) von Jim She­rid­an ist ziem­lich an­rüh­ren­des Ge­fühls­ki­no oh­ne Kitsch und ein düs­te­res Sit­ten­bild ei­nes streng ka­tho­lisch ge­präg­ten Ir­lands in der Zeit zwi­schen den Welt­krie­gen. Hier war kein Platz für das Schick­sal ei­ner schö­nen jun­gen Frau, die gar zu ei­ner Be­dro­hung wur­de, bis man sie schließ­lich weg­sperr­te und den Schlüs­sel weg­warf. 50 Jah­re spä­ter er­zählt ei­ne, von Va­nes­sa Red­gra­ve ver­kör­per­te, in Wür­de ge­al­ter­te fast 100-jäh­ri­ge Frau ih­re Ge­schich­te – wie ge­sagt, trau­rig und er­grei­fend.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.