LOKALES

Baye­risch Es­sen und Trin­ken im „Schnei­der Bräu­haus“und „Zum Stiftl“

In München - - INHALT - Pe­ter Trisch­ber­ger

Im tie­fen Tal der Gas­tro­no­mie

Die ei­nen scheu­en sie wie der Teu­fel an­geb­lich das Weih­was­ser und kei­ne zehn Pfer­de wür­den sie da­hin­ein brin­gen. An­de­re sit­zen frei­wil­lig in un­er­schüt­ter­li­cher Re­gel­mä­ßig­keit drin, mau­len und gran­teln viel­leicht rum, aber sie sit­zen drin, im­mer. Die Re­de ist nicht von den pro­fa­nen Wirts­häu­sern und Kn­ei­pen in den Wohn­vier­teln, son­dern von die­sen spe­zi­el­len, die­sen teils ruhm­rei­chen, teils be­rühm­ten, oft alt­ehr­wür­di­gen und manch­mal fast hei­li­gen Stät­ten gas­tro­no­mi­scher Hoch­kul­tur, den Münch­ner In­nen­stadt-Gas­tro­no­mie“bur­gen“. Hier wird Tra­di­ti­on hoch­ge­hal­ten, wer­den ur­ty­pi­sche Ge­bräu­che mit Lei­den­schaft ge­pflegt, ur­al­te Über­lie­fe­run­gen in die Mo­der­ne über­führt und dann hin­aus­ge­tra­gen in die gro­ße, wei­te Welt von der Aber­mil­lio­nen von Tou­ris­ten. Die wis­sen dann, dass der ge­mei­ne Münch­ner ger­ne fri­sche Aus­zo­gne zu sei­nem Kaf­fee nimmt, oder „dass der Start mit Weiß­wurst und Weiß­bier in den Tag für ei­ne ent­spann­te Schwe­re sorgt“kurz be­vor er dann mit­tags „Schweins­bra­ten, Fleisch­pflan­zerl, Bach­sai­b­ling, Rost­brat­würstl oder knack­fri­sche Markt­sa­la­te“schlemmt. So steht es auf der In­ter­net­sei­te der In­nen­stadt-Wir­te, ei­nem „klei­nen“In­ter­es­sen­ver­band der für die ku­li­na­ri­sche Grund-Ver­sor­gung im Zen­trum un­se­rer heiß­ge­lieb­ten Me­tro­po­le zu­stän­di­gen Gas­tro­no­mie – vom Ca­fé Ri­sch­art bis zum Hof­bräu­haus, von Schuh­becks Or­lan­do über et­li­che klas­si­sche Au­gus­ti­ner­gast­stät­ten bis zu Ki­li­ans Irish Pub.

Mit Nel­son Sau­vin und Bay­ernOX in die Mo­der­ne

Auch das „Schnei­der Bräu­haus“, bes­ser be­kannt als „Schnei­der Wei­ße“, ge­hört da­zu – und hier gab es ak­tu­ell aus dem wie im­mer un­end­lich gut­in­for­mier­ten Be­kann­ten­kreis gleich zwei Ge­schmack­spe­gel-Mel­dun­gen: Von den ei­nen hör­te man, hier kön­ne man wie­der rich­tig gut es­sen – die an­de­ren be­rich­te­ten von ei­nem grau­en­haf­ten Event mit Ge­schäfts­freun­den. Na­ja, man kennt sei­ne Freun­de, ei­ne ge­wis­se Nei­gung zur leich­ten Über­trei­bung ist da durch­aus zu be­rück­sich­ti­gen. Aber an ei­nem schö­nen Son­nen­tag vor dem „Wei­ßen Bräu­haus“zu sit­zen und ein fri­sches He­feWeiß­bier(am liebs­ten das Ori­gi­nal; 4,18) zu trin­ken ist auf al­le Fäl­le nie ver­kehrt. Ge­sagt, ge­tan – wir sit­zen nach lan­ger Zeit wie­der mal da und es ist so wie frü­her: Men­schen­strö­me oh­ne En­de zie­hen an uns vor­bei, die Be­die­nun­gen schlep­pen da­zwi­schen auf Kopf­hö­he ih­re „Schlit­ten“ar­tis­tisch ba­lan­cie­rend voll mit Bier und Es­sen zu den Gäs­ten – ein von uns schon im­mer be­wun­der­ter Kno­chen­job. Wo frü­her die Ent­schei­dung schnell zwi­schen hell oder dun­kel und höchs­tens viel­leicht noch ei­nem Aven­ti­nus-Weiß­bier­bock zu fäl­len war, kann man mitt­ler­wei­le zwi­schen neun ver­schie­de­nen Weiß­bier­spe­zia­li­tä­ten wäh­len. Wir ent­schei­den uns für ein so­ge­nann­tes TAP X (0,375; 6,50) ein Weiß­bier aus Nel­son Sau­vin Hop­fen (Neu­see­land), ser­viert in ei­ner Bur­gun­der-Fla­sche mit tie­fem Bo­den im Wein­küh­ler, der Spe­zi­alKron­kor­ken-Ver­schluss kunst­voll von der Be­die­nung am Tisch ent­fernt und schau­mig in ein BierDe­gus­tier-Glas ge­füllt: Voi­là, die neu­en Zei­ten sind da. Das ist zwar ein biss­chen viel Zin­no­ber und nicht ge­ra­de bil­lig, aber es schmeckt her­vor- ra­gend. Das Rad­ler (4,18) auch. Lei­der ist das ge­ba­cke­ne Schweins­zün­gerl aus, aber die Schwei­ne­nie­ren in Senf­sau­ce (9,90) gibt es. Und ei­nen Sau­er­bra­ten vom Bay­ernOX (17,90) auch. Bei­de Por­tio­nen wa­ren reich­lich auf­ge­häuft, die gro­ßen Ge­mü­se­wür­fel fad und lieb­los zer­kocht über den sehr, sehr wei­chen Sau­er­bra­ten ge­kippt – das er­in­ner­te samt Sa­lat ganz schwer an eher schreck­li­che Kan­ti­nen­zei­ten. Die Schwei­ne­nie­ren ka­men mit schö­nem Biss, trotz­dem noch weich ge­nug, sehr per­fekt, die frit­tier­ten Zwie­bel gab’s auch in gro­ßer Men­ge, aber lei­der in ge­schrumpf­ter, gum­mi­mä­ßi­ger Kon­sis­tenz. Da bleibt man lie­ber nur beim Bier oder den Weiß­würs­ten. Scha­de …

Der kon­vek­to­ma­ti­sier­te Schweins­bra­ten­t­raum

Ein klei­nes Stück wei­ter im Tal hat in al­ler Stil­le das Lo­kal „Zum Stiftl“, er­öff­net. Das Wirts­haus ist kom­plett neu und mo­dern, ge­rad­li­nig, viel Holz, mit ho­hen und nied­ri­gen Sitz­ebe­nen, wie sie zur­zeit an­ge­sagt sind, mo­dern halt. Die Fa­mi­lie Stiftl be­treibt Groß­gas­tro­no­mie, den „Spöck­mei­er“et­wa, ein Wies­nzelt und noch ver­schie­de­ne an­de­re Ob­jek­te. Das Wirts­haus hier im Tal ist für Sohn Stefan das ers­te „ei­ge­ne“Pro­jekt, ein Her­zens­an­ge­le­gen­heit al­so. Man sitzt im Frei­en auf klei­nen, spe­zi­ell ge­fer­tig­ten Holz­bän­ken und Ti­schen. Die sind für un­se­ren Ge­schmack ein we­nig eng ge­ra­ten – das lässt aber na­tür­lich zu­sam­men­rut­schen und för­dert so si­cher die Ge­müt­lich­keit. Beim Es­sen mit vier Per­so­nen wird es al­ler­ding sehr, sehr eng. Wir wa­ren hier an ei­nem ru­hi­gen Sonn­tag­mit­tag nur zu zweit und wur­den freund­lich und pro­fes­sio­nell be­grüßt und be­dient. Die Spei­se­aus­wahl ist von Früh­stück bis Abend­es­sen durch­aus an­ders als beim „gro­ßen“Nach­bar – vom Früh­stück mit Milch­reis über Stift’s Pau­se­bro­te und Schwei­ne­bra­ten-Car­pac­cio bis zur Ba­va­ria-Bowl, da­zu auch Bur­ger und Steaks und das Gan­ze aus ei­ge­ner Metz­ge­rei. Wir pro­bier­ten den Schweins­bra­ten (11,50) in „Ha­cker-Pschorr-Dop­pel­bock­sau­ce“in Form von zwei sehr groß­zü­gig-di­cken Schei­ben (der so­ge­nann­te „Mad­lSchweins­bra­ten“– ei­ne Schei­be hät­te auch ge­reicht), but­ter­weich kon­vek­to­ma­ti­siert und mit ei­nem halb­wegs re­schen Krus­ten­trum, nebst ei­nem kom­pakt-schnitt­fes­ten Kar­tof­fel­knö­del in be­sag­ter, et­was sehr dick­flüs­si­ger Bra­ten­soß – auch hier al­les lei­der nur ma­xi­mal in mitt­le­rer Kan­ti­nen­qua­li­tät. Beim Münch­ner Schnit­zel (13,50) mit Kar­tof­fel­sa­lat kam ei­ne gu­te Fleisch­qua­li­tät zum Tra­gen – und mit ei­ner saf­ti­gen Pa­na­de, die laut Spei­se­kar­te aus Bre­zen­brö­seln, „Münch­ner Kindl Senf“und Meer­ret­tich her­ge­stellt und schön gold­braun aus­ge­bra­ten wur­de, gab es gar nichts zu me­ckern. Der Kar­tof­fel­sa­lat war – eben­so wie der mit Auf­preis zum Schweins­bra­ten da­zu be­stell­te Kraut­sa­lat – aus der „Kis­te“, sprich Fer­tig­wa­re. Schon schlimm ge­nug, aber dann emp­feh­len wir freund­lich aber dring­lichst, sich we­nigs­tens nach ei­ner an­de­ren Her­stel­ler­fir­ma um­zu­se­hen – das war näm­lich noch nicht mal mitt­le­re Kan­ti­nen­qua­li­tät.

Fa­zit: Tut uns wirk­lich leid lie­be Gäs­te aus Nah und Fern, dass ihr hier im Tal so ei­nen be­schei­de­nen Ein­druck von un­se­rem schö­nen baye­ri­schen Es­sen be­kommt. Da­für schmeckt’s Bier – und das kos­tet ja schließ­lich mitt­ler­wei­le fast so viel wie ei­ne Mahl­zeit!

Schnei­der Bräu­haus, Tal 7, Tel. 290 138 - 0, Täg­lich 8:00 - 0:30 Uhr Zum Stiftl – Mein Wirts­haus, Tal 15, Tel. 23 88 65 22, 9:00 - 1:00, Fr + Sa bis 3:00 Uhr

Bier mo­dern ...

... Wirts­haus mo­dern

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.