THEA­TER

Hei­ße Ver­füh­rungs­spie­le

In München - - INHALT - Ru­pert Som­mer

Gu­tes Ti­ming: Just in dem Mo­ment, wenn halb Mün­chen von ma­le­ri­schen grie­chi­schen In­seln träumt, die ei­gent­lich kroa­ti­sche sind, und die Stadt mit „Mam­ma Mia 2“-Ki­no­pla­ka­ten zu­ge­kleis­tert ist, kommt die mär­chen­haft be­schwing­te, AB­BA-be­feu­er­te Lie­bes­ge­schich­te Mam­ma Mia nun auch als äu­ßerst se­hens­wer­te Mu­si­cal-Pro­duk­ti­on um die Ecke. Auch auf der Büh­ne wer­den na­tür­lich drei mög­li­che Er­zeu­ger-Vä­ter ge­sucht, die einst zwei un­ver­gess­li­che Ta­ge mit der et­was er­klä­rungs­scheu­en Ti­tel­hel­din ver­brach­ten – mit char­man­ten Fol­gen für die Jetzt­zeit. 22 der größ­ten Schwe­den­kra­cher fan­den Ein­gang in die Mu­si­calFas­sung – von „Dan­cing Queen“, über „The Win­ner Ta­kes It All“und „Kno­wing Me, Kno­wing You“bis hin na­tür­lich zu „Mam­ma Mia“. Dan­ke für die Lie­der, AB­BA! (Deut­sches Thea­ter, ab 15.8.)

So ein biss­chen was der gna­den­los gut ge­laun­te Herz-Schmerz des Som­me­res­ka­pis­mus von heu­te ist, war viel­leicht sei­ner­zeit der Mo­zart-Welt­hit Così fan tut­te. Im­mer­hin dreht sich – so ma­chen es eben al­le – auch im Opern-Lie­bes­rei­gen al­les um ge­schickt in­sze­nier­te Ver­füh­rungs­ver­su­che, Schmei­che­lei­en, heim­li­che Küs­se, Flirts, Gefum­mel und Ge­fin­ge­re so­wie na­tür­lich Treue­ver­spre­chen, de­nen man nicht im­mer trau­en soll­te. Mo­zart und sein Li­bret­tist Lo­ren­zo da Pon­te spie­len mit sicht­li­chem Ver­gnü­gen ein pi­kan­tes Ex­pe­ri­ment durch, das die Wan­kel­mü­tig­keit und la­ten­te Un­treue der Da­men­welt ent­blät­tern soll und bei der selbst­ver­ständ­lich die Ma­choMän­ner am Schluss dumm da­ste­hen. Be­ka Sa­vic hat das mit der nö­ti­gen Cham­pa­gner-Sprit­zig­keit in Sze­ne ge­setzt – und das am kon­ge­ni­al stim­mungs­vol­len Spiel­ort. (Schloss Nym­phen­burg, Hu­ber­tus­saal, ab 23.8.)

Im klei­ne­ren Rah­men spielt na­tür­lich auch die Fla­men­co-Show ... a lo me­jor mit Gi­sa Mi­chelón das gro­ße The­ma von Ver­füh­rung und Ver­führ­bar­keit durch. Wem noch nicht heiß wur­de in die­sem Traum­som­mer – hin­ge­hen! (Künst­ler­haus In­nen­hof, 9. und 11.8.)

Eben­falls un­ter frei­em Him­mel kann man dann gleich auch noch den Sa­lonAbend mit Al­brecht von Weech mit­neh­men. Der bie­tet näm­lich gleich ganz Vie­les in ei­nem Auf­wasch – Min­ne­sang mit Har­fen­be­glei­tung, Can­zo­ne Ita­lia­na und schmis­sig-fre­che Chan­sons. (Künst­ler­haus, 10.8.)

Dem ganz gro­ßen Schlitz­ohr be­rei­tet da­ge­gen die Münch­ner-Som­mer­thea­ter-Pro­duk­ti­on in Pa­sing ei­ne stim­mungs­vol­le Büh­ne: Tartuf­fe ist über die Jahr­hun­der­te im­mer noch der un­ge­schla­ge­ne Meis­ter der Ver­stel­lung und der Heu­che­lei. Mo­liè­re ge­lang mit dem Stück, das einst mit selbst­zu­frie­de­nen Frömm­lern ab­rech­nen soll­te, aber auch heu­te noch die Rich­ti­gen trifft, das Kunst­werk der na­he­zu per­fek­ten Komödie. De­fi­ni­te­ly not to be mis­sed, wie der Fran­zo­se sagt. (Open Air Eben­böck­haus, 11.8.)

Und dann soll­te man na­tür­lich noch die Fi­nal-Shows der dies­jäh­ri­gen “Tanz­werk­statt Eu­ro­pa” ent­spre­chend fei­ern: Da­für bie­tet sich un­ter an­de­rem die One-Pro­duk­ti­on des ös­ter­rei­chi­schen Cho­reo­gra­fen Wil­li Dor­ner an, der ziem­lich raf­fi­niert und mit ei­nem Ex­tra-Schuss Wie­ner Schmäh die „Ein­wort­ge­dich­te“von Heinz Grapp­mayr, die in Ein­blen­dun­gen auf ei­ner Lein­wand ge­zeigt wer­den, mit den prä­zi­sen Be­we­gun­gen zwei­er Tän­zer ge­gen­schnei­det. (HochX, 9.8.)

Feins­tes Schau­spie­ler­thea­ter, das noch da­zu um den Klas­si­ker „War­ten auf Go­dot“schlecht­hin kreist, bie­tet schließ­lich Elmar Go­lems Kam­mer­spiel Zwei al­te Mi­men war­ten in der Kan­ti­ne auf...? Rü­di­ger Ha­cker und Gerd Loh­mey­er lau­fen dar­in zur Best­form auf. Und ganz ne­ben­bei wech­seln sich an­ge­mes­sen exis­tenz­phi­lo­so­phi­sche Re­fle­xio­nen mit der­ben Be­schimp­fun­gen ab, auf dass es ei­ne rech­te Gau­di ist. (Me­tro­pol­thea­ter, 9. bis 11.8.)

Bleibt zum Schluss ein schö­ner Tipp für Jun­ge und Jung­ge­blie­be­ne: Ma­scha und der Bär setzt mit Mit­teln des Fi­gu­ren­thea­ters ein be­kann­tes altes Mär­chen aus Russ­land in Gang. Die freund­li­che klei­ne, aber eben auch sehr chao­ti­sche Ma­scha möch­te ih­rem pel­zi­gen Freund ei­ne Ge­burts­tags­tor­te zum Ju­bel­tag ba­cken. Doch lei­der geht bei der Zu­be­rei­tung so gut wie al­les schief. Man kennt das. Mam­ma Mia! (Thea­ter­zelt Fest­platz Tru­de­ring, 23. bis 26.8.)

Go­dot her, oder ich fall um: ZWEI AL­TE MI­MEN WAR­TEN IN DER KAN­TI­NE AUF ...?

Gla­mour der Ägais: MAM­MA MIA

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