Auch dein Hirn ist ein glü­hen­der SUV-Mo­tor!

In München - - BELÄSTIGUNGEN -

Es ist halt heiß, gelt? Das heißt (hi! hi!), daß nichts mehr so geht, wie es soll­te. Vor al­lem kann man sich nach ei­nem am Flu­ßu­fer ver­gam­mel­ten und ver­prit­schel­ten Tag nicht mehr so ge­nau an den ord­nungs­ge­mä­ßen Ge­brauch der vie­len Ge­gen­stän­de und Ge­rä­te er­in­nern, mit de­nen wir Men­schen die Welt voll­rüm­peln. Da ver­sucht man dann ei­ne hal­be St­un­de lang, das Radl mit dem Ta­schen­mes­ser auf­zu­sper­ren, schmeißt die Zi­ga­ret­te in die Isar und zieht gie­rig am Feu­er­zeug, setzt sich statt der Son­nen­bril­le die Kon­dom­schach­tel auf die Na­se und kippt pfeil­grad in den zum Glück wie im­mer lee­ren Müll-Git­ter­con­ta­ner, in den man die aus dem Was­ser ge­klaub­ten Fla­schen­scher­ben wer­fen woll­te, die man statt des­sen mit den Gur­ken­res­ten ins Hand­tuch ein­ge­wi­ckelt hat ... wie man’s macht, ir­gend­was macht man bei 38 Grad im­mer falsch. So wie die zwei Mä­dels, die vor ei­ni­ger Zeit bei der­ar­ti­gem Wet­ter auf der ab­schüs­sigs­ten Stra­ße der Welt ei­ne roll­ba­re Müll­ton­ne ste­hen sa­hen. Da schmeißt man nor­ma­ler­wei­se Ab­fall hin­ein; die bei­den hat­ten aber kei­nen da­bei, und so setz­ten sie sich in die lee­re Kis­te, roll­ten be­geis­tert die Stra­ße hin­ab und fan­den an ei­nem ge­park­ten Bus ein ko­mi­tra­gi­sches En­de, das ih­nen im­mer­hin pos­tum ei­nen „Dar­winAward“für eben­so her­aus­ra­gen­de wie töd­li­che Dumm­heit ein­brach­te. An­de­re Hit­ze­wirr­ta­ten sind für den ein­zel­nen Tä­ter we­ni­ger fol­gen­schwer, ins­ge­samt aber ekla­tant. Au­to­fah­rer ver­wan­deln sich über 35 Grad zu­ver­läs­sig in Ne­an­der­ta­ler, ver­schmel­zen mit der ton­nen­schwe­ren SUV-Mord­waf­fe, mit der sie 365 Ta­ge im Jahr ih­ren Ein­zel­arsch von A nach Stau trans­por­tie­ren, zu ei­ner Art me­cha­nisch-elek­tro­ni­schem Nach­fah­ren des Bron­to­sau­rus und wol­len in ra­sen­der Amok­fahrt egal was, je­den­falls: nie­der­wal­zen, aus dem Weg bol­zen, am liebs­ten zu Ham­bur­ger­roh­mas­se schred­dern. Rad­ler sind für sol­che We­sen so was wie für uns We­spen. Nein, eher Frucht­flie­gen, die ste­chen nicht, wenn man sie zer­bazt. Wenn es heiß wird, ent­wer­fen Men­schen be­son­ders gern „Zu­kunfts­plä­ne“, schmei­ßen aus Aben­teu­er­lau­ne Be­zie­hun­gen in den Psy­cho­müll, de­nen sie dann jahr­zehn­te­lang nach­trau­ern, schrei­ben Par­tei­pro­gram­me, de­stil­lie­ren aus ko­chen­den Köp­fen Slo­gans wie „Stell dir vor, es gibt Wohn­raum und kei­ner zockt ab!“(küh­le Va­ri­an­te: „Stell dir vor, es ist SPD und kei­ner wählt den Hau­fen, un­ter des­sen Re­gent­schaft tau­sen­de Münch­ner Woh­nun­gen in Bü­ros, Kanz­lei­en und Agen­tu­ren um­ge­wan­delt wur­den, de­ren ehe­ma­li­ge Be­woh­ner nun in Be­ton­kis­ten für ein 20-Qua­drat­me­ter-Loch pro Jahr Sum­men ab­drü­cken, für die man frü­her ein Haus mit Gar­ten be­kom­men hät­te (wenn sie es schaf­fen, ein Jahr dort ge­dul­det zu wer­den)!“) Was man dann eben­falls ger­ne tut, ist: Mil­lio­nen für „Fluß­bä­der“aus dem Fens­ter schmei­ßen mit der irr­wit­zi­gen Be­haup­tung, man dür­fe oder kön­ne in der Isar bis­lang gar nicht ba­den. Be­läm­mert zu­schau­en, wie ein paar „Fun-Event“-Or­ga­ni­sie­rer mit der­lei Un­fug reich und fett wer­den, wäh­rend tau­sen­de Ein-Eu­roSkla­ven und ge­mein­sin­ni­ge Nor­mal­ba­der die Scher­ben ih­rer „Fun-Events“aus dem Fluß­bett klau­ben und ir­gend­ein ma­ni­scher Stra­ßen­pre­di­ger den Tau­ben von Gen­tri­fi­zie­rung er­zählt, oh­ne daß ihm ei­ner zu­hört. Man er­fin­det fa­schis­ti­sche Wirt­schafts­sys­te­me, wird Mit­glied in hoff­nungs­lo­sen Fuß­ball­ver­ei­nen. Man „plant“für die „Fahr­rad­stadt“Mün­chen Rad­we­ge, die z. B. auf der Paul-Hey­se-Stra­ße di­rekt in den Schlund ei­nes der er­wähn­ten Ter­ror­mord­mons­ter füh­ren. Zum Glück gibt‘s in der Um­ge­bung ge­nug Kli­ni­ken und Po­li­zei­dienst­stel­len, wo man die über­le­ben­den Rad­ler zu­sam­men­nä­hen und auf Al­ko­hol­wer­te prü­fen kann, da­mit die Bou­le­vard­pres­se wei­ter­hin den Au­to­Mas­sen­mord tot­schwei­gen kann, in­dem sie den „Radl-Ram­bo“an­pran­gert. Der wie­der­um be­müht sich nach Kräf­ten, sich dem Au­to-Ram­bo an­zu­glei­chen, und hetzt die Rad­we­ge ent­lang wie ein ent­fes­sel­ter er­wei­ter­ter Selbst­mör­der. Weil er wahr­schein­lich meint, ir­gend­wo an­ders ist es nicht so heiß. Stimmt, aber so weit kommt er mit dem schlimms­ten HiTech-Mons­ter-Bi­ke nicht schnell ge­nug. Wo wir schon da­bei sind: Die ganz Über­hitz­ten in den Groß­raum-Pla­nungs­ab­tei­lun­gen „pla­nen“dann Rad­we­ge wie den zwi­schen Muf­f­at­hal­le und Ma­xi­mi­li­ans­brü­cke mit an­nä­hernd hoch­al­pi­nen Stei­gun­gen, wäh­rend drun­ten der Fuß­gän­ger­weg oh­ne den ge­rings­ten Bu­ckel be­mer­kens­wert idyl­lisch ver­läuft, aber von kaum je­man­dem be­nutzt wird. Weil das zu lang dau­ert! War­um ist es über­haupt so heiß? Die 77 Fan­tas­til­li­ar­den Au­tos kön­nen‘s nicht sein, die sind schließ­lich ein Wirt­schafts­fak­tor und die­nen u. a. da­zu, Kühl­schrän­ke zu trans­por­tie­ren, oh­ne die es noch hei­ßer wä­re. Neu­lich mein­te je­mand (an ei­nem Tag mit 37 Grad), er ha­be Pho­tos ge­se­hen, auf de­nen im Som­mer 1944 „leicht be­klei­de­te“Men­schen in Ber­li­ner Ca­fés sit­zen, es ha­be al­so wohl der Krieg das Kli­ma er­wärmt. Hm. Füh­ren Deutsch­land und sei­ne Ver­bün­de­ten zur Zeit ei­gent­lich we­ni­ger Krie­ge als 1944? Viel­leicht liegt da der ko­chen­de Ne­an­der­ta­ler be­gra­ben? Oder sind am En­de die glü­hen­den Hir­ne der Ko­lum­nis­ten schuld, die so le­ben wie ein­gangs be­schrie­ben und die­sem Wahn­sinn ir­gend­wie was Sinn­vol­les, Er­hei­tern­des oder we­nigs­tens Un­ter­hal­ten­des ab­fie­seln müs­sen? Den­ken, lie­be Tas­ta­tur­kol­le­gen, ver­braucht ein gu­tes Drit­tel un­se­rer Ka­lo­ri­en! Das ist mit Si­cher­heit beim SUV-Ne­an­der­ta­ler, beim „Fun-Event“Trot­tel, beim Radl-Ram­bo und beim Stadt­ge­stal­ter an­ders, und des­we­gen soll­ten auch wir am bes­ten un­ser Hirn aus­und erst wie­der ein­schal­ten, wenn das Ther­mo­me­ter die 35 von un­ten sieht.

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