Tom Rach­man

In München - - LITERATUR - Ru­pert Som­mer

Die Ge­sich­ter (dtv) Es ist ein Stoff, bei dem so­fort Bil­der vor dem in­ne­ren Au­ge auf­tau­chen. Und mög­li­che Be­set­zun­gen für ei­nen ima­gi­nä­ren Film. Der lei­der viel zu früh ver­stor­be­ne „The Spor­a­nos“Star Ja­mes Gan­dol­fi­ni hät­te den bul­li­gen Le­be­mann Be­ar Ba­vins­ky, er­folg­rei­cher Maler­fürst und auch im Zeu­gen von im­mer­hin 17 Kin­dern äu­ßerst pro­duk­tiv, spie­len kön­nen. Oder vi­el­leicht so­gar der rea­le Ju­li­an Schna­bel, der ne­ben sei­ner Kunst in den bun­ten Blät­tern min­des­tens ge­nau­so stark we­gen sei­ner bun­ten Py­ja­mas auf­fällt. Es ist die Ge­schich­te ei­nes Ego­ma­nen, den man nur mit viel Wohl­wol­len be­wun­dern kann: Be­ar Ba­vins­ky ist ein krea­ti­ver Kotz­bro­cken. Ei­ner, der zwar genau weiß, wel­che sei­ner Wer­ke für die Ewig­keit be­stimmt sind und wel­che er um­ge­hend lie­ber selbst in ei­nem Öl­fass vor dem Ate­lier ver­brennt. Aber eben auch ein ekel­haf­ter Frau­en­held, der sich an aus­häu­si­gen Aben­den so­gar vor den Au­gen sei­nes Sohns mit Ge­lieb­ten ver­gnügt. Der stil­le Gr­üb­ler mit dem Spitz­na­men Pinch hält den­noch an sei­nem Er­zeu­ger fest, ob­wohl ihn der bru­tal aus­ge­bremst hat­te, als der Jun­ge sein ei­ge­nes Mal­er­ta­lent zu ent­de­cken mein­te. Pinch wird der le­bens­lan­ge Chro­nist und ei­ne Art Pri­vat­se­kre­tär für sei­nen Va­ter, der ihn aber nicht viel mehr schätzt als ei­nen Fuß­ab­strei­fer. Tom Rach­man er­zählt die Ge­schich­te ei­ner Selbst­be­haup­tung, die lang, sehr lang auf sich war­ten lässt. Und das schwä­cher, als ihm das in sei­nem Erst­ling „Die Un­per­fek­ten“ge­lang. Im da­ma­li­gen Jour­na­lis­ten­mi­lieu kann­te sich der Ex-Re­por­ter ein­fach bes­ser aus. Rund um den ex­zen­tri­schen Ma­ler-Po­panz hat er viel re­cher­chiert und sich of­fen­bar al­les an­ge­le­sen. Das merkt man. Die Wucht von Be­ar Ba­vins­ky bremst aber auch das nicht aus.

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