Vol­ker Kut­scher

In München - - LITERATUR - Ru­pert Som­mer

Mar­low

(Pi­per)

Fast acht Mil­lio­nen Zu­schau­er – so vie­le wie sonst nur beim „Tat­ort“– fie­ber­ten mit, als die ARD zu­letzt die viel­fach ge­fei­er­te „Ba­by­lon Berlin“-Se­rie ein Jahr nach ih­rer Pre­mie­re bei Sky ins Pro­gramm ge­hievt hat­te. Fast ge­nau­so süch­tig wie der zit­ter­fing­ri­ge Mor­phi­nist Ge­re­on Rath klick­ten sich die Fans mit blei­chen Ge­sich­tern nachts durch die Me­dia­the­ken. Doch jetzt folg­te erst mal das gro­ße Bib­bern auf Ent­zug: Für die drit­te „Ba­by­lon“-Staf­fel braucht es Ge­duld. Oder aber man greift zur Er­satz­dro­ge – den Ori­gi­nal­ro­ma­nen von Vol­ker Kut­scher, der mit dem „Nas­sen Fisch“schon die Kri­mi­vor­la­ge für die Dreh­bü­cher lie­fer­te, die von den TV-Pro­du­zen­ten dann aber kräf­tig durch­ge­ackert und auf Kra­wall ge­trimmt wur­den. „Mar­low“ist schon der sieb­te Ra­thRo­man, zehn sol­len es wer­den. Im Jahr 1938, kurz vor dem von den Na­zis an­ge­zet­tel­ten Krieg, wird Schluss sein. Doch schon im neu­en Schmö­ker fährt der Kar­ren ge­gen die Wand – und das darf man ganz wört­lich ver­ste­hen. Rath be­kommt es schon auf den ers­ten Sei­ten mit ei­nem blu­ti­gen Tat­ort, ei­nem of­fen­bar au­ßer Kon­trol­le ge­ra­te­nen Ber­li­ner Ta­xi, zu tun. Doch nicht zu früh freu­en: Die Kut­scherWelt un­ter­schei­det sich deut­lich von der Se­rie. Der Au­tor hat den Schneid, ge­gen die star­ken TV-Bil­der an­zu­schrei­ben – und „sei­ne“Ge­schich­te zu be­hal­ten. Des­we­gen lau­ert im Zen­trum des Mo­loch-Groß­stadt-Ro­mans auch der ge­heim­nis­vol­le Ober­schur­ke Mar­low in SS-Uni­form, der schon früh sei­ne Strip­pen zog, im Fern­se­hen aber aus­ge­blen­det blieb. Und auch die kes­se Char­lot­te „Char­lie“Rit­ter, mitt­ler­wei­le Raths Ehe­frau, be­kommt ei­ne an­de­re Bio­gra­fie. Et­was er­nüch­ternd nur, dass Kut­scher sprach­lich nicht im­mer ganz ge­gen die Wucht der Bil­der an­kommt. Doch sein Buch hilft ge­gen das Zit­tern.

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