Os­cars Ver­mächt­nis

In München - - KINO - Rai­ner Ger­mann

Er wur­de mit „Shi­ning“und „Ro­se­ma­ry’s Ba­by“ver­gli­chen und wenn man Heredita­ry (Sple­ndid) von Ari As­ter ge­se­hen hat, sind die Par­al­le­len zwar of­fen­sicht­lich und doch wird man das Ge­fühl nicht los, dass hier we­ni­ger Sa­ta­nis­mus und mehr Fut­ter für die Phan­ta­sie des Zu­schau­ers an­ge­bracht ge­we­sen wä­re. Gu­te Bil­der, ei­ne ziem­lich um­wer­fen­de To­ni Co­let­te als Haupt­dar­stel­le­rin, aber das gan­ze Teu­fels­ge­döns wirkt eher auf­ge­setzt. Spi­ke Lee ist ein gu­ter Re­gis­seur und be­weist das wie­der in sei­ner Tra­gi­ko­mö­die BlacKkKlans­man (Uni­ver­sal). Ba­sie­rend auf der wah­ren Ge­schich­te des schwar­zen US-Po­li­zis­ten Ron Stall- worth (Ron Da­vid Wa­shing­ton), der 1978 ei­ne Un­der­co­ver-Er­mitt­lung ge­gen den Ku Klux Klan ein­lei­te­te, da­für Mit­glied wur­de und sich bei di­rek­ten Tref­fen von ei­nem wei­ßen Kol­le­gen (Adam Dri­ver) ver­tre­ten ließ, ist Lee ein wun­der­bar schrä­ger Kult­mo­vie ge­lun­gen, der ge­nau zur rich­ti­gen Zeit, näm­lich Trumps Prä­si­dent­schaft, in die Ki­nos ge­kom­men ist. In dem bri­ti­schen Dra­ma The Hap­py Prin­ce (Con­cor­de) blickt Haupt­dar­stel­ler und Re­gie­de­bü­tant Ru­pert Ever­ett in der Rol­le des Dich­ters Os­car Wil­de im Pa­ri­ser Exil und kurz vor sei­nem Tod mit tro­cke­nem Gal­gen-Hu­mor auf sein Le­ben zu­rück. Ein tief ge­fal­le­ner Mann – En­de des 19. Jahr­hun­derts noch der be­rühm­tes­te Au­tor En­g­lands, da­nach Ver­ur­tei­lung we­gen Ho­mo­se­xua­li­tät zu zwei Jah-ren Ge­fäng­nis und Zwangs­ar­beit. Nach sei­ner Ent­las­sung ist Wil­des Krea­ti­vi­tät er­lo­schen, nicht aber sein Ap­pe­tit auf Abs­inth, Ko­ka­in und jun­ge Män­ner. Der Ab­sturz ist vor­pro­gram­miert und am 30. No­vem­ber 1900 stirbt er an den Fol­gen ei­ner Hirn­haut­ent­zün­dung. In je-der Sze­ne spürt man Ever­etts Be­wun­de­rung für den ex­zen­tri­schen Schrift­stel­ler, gro­ße Mi­men wie Emi­ly Wat­son und Co­lin Firth ste­hen ihm de­zent zur Sei­te.

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