KA­BA­RETT Spuk­ge­stal­ten to­ben

Die an­ste­hen­de Fest­tags­sai­son ist nur mit ei­nem kräf­ti­gen Schluck aus dem Sa­ti­re-Hum­pen bles­su­ren­frei zu über­ste­hen

In München - - INHALT - Ru­pert Som­mer

Es ist wie­der Zeit für die schreck­lich net­te Fa­mi­lie. Glüh­wein­schwa­den wa­bern durchs Wohn­zim­mer, Opa Hop­pen­stedt mar­schiert im Fern­se­hen, und im Ofen ver­k­okeln die Plätz­chen. Ei­gent­lich spielt sich ja Li­ve-Ka­ba­rett in fast je­dem deut­schen Haus­halt ab. Aber trotz­dem soll­te man noch ein­mal vor die Tür – et­wa für ei­nen the­ra­peu­ti­schen Paar­be­such bei Bei­er & Zau­ner so­wie Bei­er & Hang. Un­ter dem ir­re­füh­ren­den „Froh­lo­cket“-Mot­to ti­schen sie das gan­ze Grau­en auf, das sich un­ter dem Baum bie­tet. Zu­sam­men­ge­hal­ten wird das von sa­ti­ri­schen La­met­t­a­fä­den. Und dank de­rer hat sich die Su­che nach dem per­fek­ten Ge­schenk schon mal zur blu­ti­gen To­des­fal­le ent­wi­ckelt. Das Quar­tett geht da wei­ter, wo an­de­re den letz­ten Schritt scheu­en: Sie le­gen un­barm­her­zi­ge Weih­nachts­schla­ger auf, ser­vie­ren Ma­ka­be­res so­wie zum Bie­gen Lach­haf­tes. Das wird das irr­wit­zigs­te Weih­nachts­fest, das man recht­zei­tig vor Os­tern noch zu se­hen be­kommt. (Pa­sin­ger Fa­b­rik, 20. bis 22.12.)

Höl­lisch fa­mi­li­är geht’s üb­ri­gens auch beim Höl­ler­bau­er Erich über die Fei­er­ta­ge zu. Und das, ob­wohl er mit di­ver­sen Tier­seu­chen und sei­ner ir­ren Groß­mut­ter ei­gent­lich schon al­le Hän­de voll zu tun hat. Doch in der Sil­ves­ter­nacht ver­schwin­det dann auch noch sei­ne Toch­ter No­ra. Höchs­te Zeit für ei­nen Ent­schluss, der­weil Sturm­tief Vla­di­mir si­bi­ri­sche Schnee­mas­sen um den Hof bläst und re­li­giö­se Fa­na­ti­ker mal wie­der dem Wel­ten­de ent­ge­gen­fie­bern: Im nächs­ten Jahr muss sich et­was än­dern! Dem kann dann so­gar Ste­fan „Der Bil­li Je­an is ned mei Bua“Le­on­hards­ber­ger zu­stim­men. Er liebt die Schre­cken der „Rauh­nacht“. Da­hin­ter ver­birgt sich ein wil­der Ritt – zwi­schen Ka­ba­rett und Li­ve-Ki­no, mu­si­ka­lisch vir­tu­os um­rahmt. (Deut­sches Thea­ter, 4./5.1.)

Fan­ta­sie­voll fürch­ten kann man sich in den lan­gen Näch­ten na­tür­lich auch mit den skur­ri­len Pup­pen von Jo­sef Pret­te­rer, der den (Büh­nen-)Schalk seit 20 Jah­ren im Na­cken hat. Sei­ne schau­rig-schöns­ten Papp­ma­ché-Krea­tio­nen nimmt er na­tür­lich mit zur Ab­schluss­fei­er des Ju­bi­lä­ums­jahrs, zum Sil­ves­ter im Wirts­haus. Und da spielt dann auch Hon­ky Tonk Fi­ve mit Boo­gie-Ro­cka­bil­ly auf. (Fraun­ho­fer, 31.12.)

In­tel­li­gent un­ter­hal­ten ins neue Jahr kommt man ga­ran­tiert mit Sil­va­na und Tho­mas Pro­spe­ri von Faltsch Wa­go­ni. Ihr Auf­bruch „Auf in den Kampf, Amo­re!“reißt ver­läss­lich mit. (Pa­sin­ger Fa­b­rik, 29./31.12.)

Und, kei­ne Fra­ge, auch mit der Pres­ley Fa­mi­ly, die al­le Ab­le­be-Ge­rüch­te quietsch­fi­del auf ih­rem Haus­boot aus­ge­ses­sen hat, kann man ei­ne an­stän­di­ge „X-Mas Show“fei­ern. Für sel­bi­ge in­to­nie­ren die 14 Mu­si­ker der durch­ge­knall­ten Trup­pe All­time-Hits der 60er und 70er Jah­re und las­sen die et­was al­ters­mü­den Hüf­ten krei­sen. (Schlacht­hof, 22.12.)

Die Schnee­flo­cken tan­zen üb­ri­gens auch mit den drei Sän­ge­rin­nen und ih­rer be­zau­bern­den Pia­nis­tin von den String of Pe­arls. „Jing­le Pe­arls“ver­spricht ein lau­ni­ges Wie­der­se­hen mit den ge­nia­len Gra­zi­en, die sich zu­letzt et­was rar ge­macht ha­ben. (Lust­spiel­haus, 23.12.)

Nach den vie­len Fes­ten gilt es selbst­ver­ständ­lich, selbst­kri­tisch Rück­schau zu hal­ten – auch auf die pri­va­ten Saue­rei­en un­term Baum. Den Sa­ti­re-Blick wei­tet da­ge­gen Djan­go Asül, der nie­der­baye­ri­sche Os­ma­ne, in sei­ner tra­di­tio­nel­len „Rück­spie­gel“-Re­vue. Da­bei watscht er die Sö­ders und See­ho­fers die­ser Brei­ten noch mal ge­wal­tig ab. Und es wer­den die wirk­lich wich­ti­gen Fra­gen noch mal durch­ge­kaut: Wer muss sich stär­ker in­te­grie­ren – der DFB in die Welt­spit­ze oder Özil in den DFB? Die CSU in den Frei­staat Bay­ern? Oder so­gar Bay­ern in ein ver­un­si­cher­tes Deutsch­land? (Deut­sches Thea­ter, 7.1., Lust­spiel­haus, 25./26. und 31.12.)

So rich­tig ge­nervt von die­sem Jahr ist auch Si­mon Stäb­lein, der dem Ab­schluss­cha­os ein trot­zi­ges „Heul doch!“ent­ge­gen­schleu­dert. Tat­säch­lich hat das Schick­sal ihm 2017 übel mit­ge­spielt: Ein Sturm riss ihm das Ver­deck vom Ca­brio, dann gab’s plötz­lich nur noch har­te Avo­ca­dos im Su­per­markt. Und nun passt die Ma­gnum-Cham­pa­gner­fla­sche nicht in den Alt­glas-Con­tai­ner. Höchs­te Zeit, sich die Fra­ge al­ler Fra­gen zu stel­len: Ist mein Smart­pho­ne wirk­lich smar­ter als ich? Wenn man das nur so ein­fach wüss­te. (Schlacht­hof, 27.12.)

Et­was un­an­ge­streng­ter lässt der ge­fei­er­te Wie­ner Ho­sea Rat­schil­ler das neue Jahr an­ge­hen. Er re­mixt für „Heu­te“zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen leicht scha­mer­füllt das Bes­te aus rund 20 Ko­mi­ker­jah­ren – in ei­ner völ­lig neu­en Rol­le: als sich selbst. Da­bei be­dient er sich aus fünf So­lo­pro­gram­men, Funk- und Fern­seh­ar­bei­ten und das Ab­ge­feim­tes­te aus sei­nen Tex­ten für Wie­ner Le­se­büh­nen. Ein Hoch­ge­nuss gleich­wohl! (Lach- und Schieß­ge­sell­schaft, 2.1.)

Bleibt zum Schluss der et­was dick­li­che Zam­pa­no: Chris Tall, eher klein­ge­wach­se­nes Come­dy-Phä­no­men, be­kannt un­ter an­de­rem aus dem RTL-Gau­di­pro­gramm, will die ganz gro­ße Hal­le fül­len. Und da­für knöpft er sich dies­mal sei­nen Er­zeu­ger vor – im neu­en „Und jetzt ist Pa­pa dran“-Pro­gramm. Sel­bi­ger zieht sich an, wie Oli­ver Kahn an ei­nem be­son­ders schlech­ten Tag, jagt am Sonn­tag noch Po­ke­mons im Stadt­park und ver­schickt un­ge­rührt 25-tei­li­ge Sprach­nach­rich­ten. Trotz­dem hat der Pa­pa ei­nen Plan: Er möch­te aus Soh­ne­mann Chris ei­nen kna­cki­gen Olym­pia­sie­ger ma­chen. Doch der träumt schon wie­der vom He­rings­hap­pen aus der Fisch­hal­le. Beim La­ger­feu­er kom­men sich die bei­den dann aber doch nä­her. Ge­nau dann näm­lich, wenn Pa­pa sei­nem Sohn die Din­ge des Le­bens er­klärt – an­ge­fan­gen beim nicht ganz un­wich­ti­gen Un­ter­schied zwi­schen Do­mi­na und Do­mi­no. Man ahnt schnell: Hier könn­te man was ler­nen! (Olym­pia­hal­le, 22.12.)

Klein­wüch­si­ge Come­dy-Grö­ße: CHRIS TALL

Meis­ter der Mons­ter­pup­pen: JO­SEF PRET­TE­RER

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