Selbst­be­wusst

Ver­län­gert bis Fe­bru­ar: Flo­renz und sei­ne Ma­ler in der Al­ten Pi­na­ko­thek

In München - - AUSSTELLUNGEN - Bar­ba­ra Tei­chel­mann www.in-mu­en­chen.de

Man könn­te den­ken, die Re­nais­sance sei ein Land, das man noch im­mer be­rei­sen kann. Und ein biss­chen stimmt das ja auch, al­so kunst­his­to­risch ge­se­hen. Denn das, was wir Ita­li­en­rei­sen­de wahr­neh­men, sind ja we­ni­ger die ak­tu­el­len so­zia­len und po­li­ti­schen Ent­wick­lun­gen, son­dern die Uf­fi­zi­en, die Kir­chen und die Cam­pa­ni­le. Und na­tür­lich die Künst­ler. Un­ter uns, wie vie­le Na­men hät­ten Sie pa­rat, wür­den Sie auf­ge­for­dert, schnell mal ei­ne Hand­voll zeit­ge­nös­si­sche ita­lie­ni­sche Künst­le­rin­nen und Künst­ler auf­zu­zäh­len? Wo­hin­ge­gen Ih­nen be­stimmt aus dem Stand ei­ni­ge Re­nais­sance­künst­ler ein­fal­len wür­den, wet­ten? Fra An­ge­li­co, Fil­ip­po Lip­pi, An­to­nio Pol­lai­uo­lo, Andrea del Ver­roc­chio, Do­me­ni­co Ghir­lan­daio, San­dro Bot­ti­cel­li, Fil­ip­pi­no Lip­pi, Leo­nar­do da Vin­ci, Lo­ren­zo di Cre­di und Fra Bar­to­lom­meo – und da ist Mi­che­lan­ge­lo noch gar nicht da­bei. Der fehlt auch in der Aus­stel­lung „Flo­renz und sei­ne Ma­ler – von Giot­to bis Leo­nar­do Da Vin­ci“, aber nicht et­wa, weil er nicht in Flo­renz tä­tig ge­we­sen wä­re oder als be­deu­tends­ter Künst­ler der Hoch­re­nais­sance nicht gut ge­nug ge­we­sen wä­re. Es liegt ganz ein­fach dar­an, dass Mün­chen kei­nen Mi­che­lan­ge­lo be­sitzt, und die Son­der­aus­stel­lung zwar ei­ni­ge pro­mi­nen­te Leih­ga­ben aus dem Aus­land ak­qui­riert hat, sich aber doch zum gro­ßen Teil aus dem Be­stand speist. 120 Meis­ter­wer­ke sind ins­ge­samt zu se­hen, Ge­mäl­de, Skulp­tu­ren und Zeich­nun­gen, die die Neu­er­fin­dung der Welt am Ge­burts­ort der Re­nais­sance für uns nach­voll­zieh­bar ma­chen. Kei­ne Mons­ter­aus­stel­lung al­so, aber den­noch ge­lingt es, die Ent­wick­lung der neu­zeit­li­chen Ma­le­rei von Giot­to bis hin zu Leo­nar­do da Vin­ci nach­voll­zieh­bar zu il­lus­trie­ren. Gleich­zei­tig geht es um die rei­che Pa­tri­zi­er­fa­mi­lie der Me­di­ci, oh­ne de­ren Geld Flo­renz und Re­nais­sance glei­cher­ma­ßen nicht denk­bar sind. Das Bild, in dem die­se Aspek­te zu­sam­men­tref­fen und auch für uns heu­te noch sicht­bar sind, ist Bot­ti­cel­lis „An­be­tung der Hl. Drei Kö­ni­ge“, ei­ne Leih­ga­be aus den Uf­fi­zi­en. In Auf­trag ge­ge­ben hat das Bild der Flo­ren­ti­ner Ban­ker Guas­pa­re di Za­no­bi del La­ma. Er war ein Freund der Fa­mi­lie der Me­di­ci und woll­te sei­ner Er­ge­ben­heit in ei­nem Al­tar­bild für die Kir­che San­ta Ma­ria No­vel­la Aus­druck ge­ben. So­wohl der Auf­trag­ge­ber selbst, als auch zum da­ma­li­gen Zeit­punkt be­reits ver­stor­be­ne und noch le­ben­de Me­di­ci sind in dem Bild ver­ewigt wor­den. Und ganz rechts am Bild­rand, in ei­nen gel­ben Man­tel ge­hüllt, hat sich der Künst­ler selbst ver­ewigt. Sei­ne Hän­de, mit de­nen er das Bild ge­malt hat, sieht man nicht. Da­für schaut er di­rekt und sehr selbst­be­wusst aus dem Bild her­aus. Das ist der Blick ei­nes Künst­lers, nicht der ei­nes Hand­wer­kers. Wie vie­le sei­ner Kol­le­gen in­sze­niert sich Bot­ti­cel­li als geis­ti­gen Schöp­fer auf der Su­che nach den Ge­set­zen von Har­mo­nie und Schön­heit. Man ent­deck­te die wis­sen­schaft­li­che Zen­tral­per­spek­ti­ve, zeich­ne­te nach der Na­tur und stu­dier­te die Wer­ke der An­ti­ke. Wer nur kurz in die Aus­stel­lung schaut, ist viel­leicht ein biss­chen ent­täuscht, weil es kei­ne in­ter­na­tio­na­le Mam­mut­aus­stel­lung ist, für die man min­des­tens ei­ne Wo­che Zeit bräuch­te. Wer sich auf­merk­sam durch die Er­klär­ta­feln liest und sich Zeit lässt bei der Be­trach­tung der Stu­di­en, Por­träts, Skulp­tu­ren und Alt­ar­ta­feln, der lernt ei­ni­ges. Oder frischt sei­ne Kennt­nis­se mal wie­der ein biss­chen auf.

Fast fron­tal: Bot­ti­cel­lis Por­trät ist ei­nes der ers­ten, das die Da­me nicht mehr im Pro­fil zeigt, son­dern aus dem Bild her­aus­bli­cken lässt.

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