Si­gi Zim­mer­schied

Die Ren­te kommt schnel­ler, als man denkt. Al­so Bier­vor­rä­te auf­sto­cken und den Ex­zess fach­män­nisch pla­nen.

In München - - INHALT - Ru­pert Som­mer

Im ver­gan­ge­nen Herbst ist er doch tat­säch­lich 65 Jah­re alt ge­wor­den. Jetzt lie­fert Si­gi Zim­mer­schied sei­ne ei­ge­ne gran­tig-gal­li­ge Ge­burts­tags­über­ra­schung gleich noch sel­ber nach. „Heil. Vom Ko­ma zum Amok“ist das lan­ge er­war­te­te neue Gru­sel­meis­ter­stück. Und da­für muss sein Si­gi Heil na­tür­lich al­lei­ne fei­ern. Kein Te­le­fon klin­gelt. Kei­ne Glück­wunsch­kar­ten. Nur auf dem Tisch liegt ein bis­lang un­ge­öff­ne­tes Ku­vert. Doch nicht so schnell: Erst ein­mal muss ein ve­ri­ta­bler Rausch her. Das Elend kann man sich nur schön trin­ken. Vor dem in­ne­ren Au­ge läuft dann der Rei­gen der Glück­wunsch­ge­ber ab, mit ei­nem Geist­li­chen, ei­nem Bun­des­wehr­ge­ne­ral, der ei­ge­nen Ex. Si­gi säuft. Und er wü­tet, lässt sei­ne Ge­walt an ei­ner Stu­ben­flie­ge aus. Die Le­bens­bi­lanz fällt er­nüch­ternd aus: Au­ßer Na­sen­bei­ne-Bre­chen, Trom­mel­fel­le-Plat­zen-Las­sen, Kat­zen-Ver­gif­ten und Sing­vö­gel-Schie­ßen war da nicht viel. Dann ist der Suff so­weit. Der ge­heim­nis­vol­le Brief­um­schlag kann ge­öff­net wer­den: ein Ren­ten­be­scheid! (Lach- und Schieß­ge­sell­schaft, ab 5.2.)

Den ganz schwar­zen Hu­mor bri­ti­scher Prä­gung hat na­tür­lich auch Jim­my Carr im Ge­päck. Von sei­nem ge­schnie­gel­ten Steu­er­be­ra­ter-Auf­tre­ten soll­te man sich si­cher nicht täu­schen las­sen. Der Aus­nah­me­ko­mi­ker aus Lon­don scheut kei­ne Pro­vo­ka­ti­on und haut fie­se Punch­li­nes raus, so dass auch baye­ri­sches Bier vor Schreck warm wird. Ex­trem di­rekt und gern un­ter die Bier­bauch­gren­ze! (Al­te Kon­gress­hal­le, 2.2.)

Ein har­ter Hund kann auch Ste­phan Zin­ner sein, der sich mit sei­nem neu­en Pro­gramm „Ra­ri­tä­ten (Sel­te­ne Sa­chen)“emp­fiehlt. Dar­in legt er sich mit dau­er­jam­mern­den Rent­ner­grup­pe in Drei­vier­tel­ho­sen an. Un­ten schau­en die Ste­ckerl­ha­xen raus. Und die ste­cken na­tür­lich in Trek­kings­an­da­len. Will­kom­men im dunk­len Fies­deutsch­land. Doch dann drän­gen sich noch schlim­me­re Ah­nun­gen auf: Wo sind, ze­fix, plötz­lich die gan­zen Bie­nen hin? War­um tanzt nie­mand mehr Schie­ber? War frü­her wirk­lich al­les bes­ser? Selbst­ver­ständ­lich nicht. Doch kei­ner warnt da­vor so ur­ge­wal­tig wie Zin­ner. Dia­lekt­fes­tig­keit scha­det beim neu­en So­lo nicht. (Lust­spiel­haus, ab 6.2.)

Es gibt ja Ba­by-sen­ti­men­ta­le Spin­ner, die wirk­lich mei­nen, nur der Nach­wuchs wä­re das Glück die­ser Er­de. Wer so schräg tickt, muss sich von Bas­tia­an Ra­gas aus­schimp­fen las­sen. Der Au­tor, Sän­ger und selbst vier­fa­che Va­ter hat sie Fa­xen ein­fach di­cke. „Schnul­ler, Sex und Kin­der­ka­cke“ist die Le­bens­beich­te des eins­ti­gen Caught in the Act-Lead­sän­gers aus den Nie­der­lan­den. Auch er glaub­te ein­mal, ei­ne ei­ge­ne Fa­mi­lie könn­te sei­nem Le­ben Sinn ge­ben. Mitt­ler­wei­le weiß er: „Die meis­ten Män­ner mö­gen Ba­bys – wenn es die von den an­de­ren sind.“(Pri­ma­fi­la, Mar­ga­re­the-Dan­zi-Str. 25, 28.1.)

Hu­mor zu be­wah­ren – wie wich­tig! Und um­so schö­ner wä­re es, wenn Mün­chen end­lich auch ei­nen Wei­he­tem­pel be­kom­men könn­te. Sel­bi­ger könn­te un­ter dem Na­men „Fo­rum Hu­mor und ko­mi­sche Kunst“als lan­ge her­bei­ge­sehn­te Ko­mi­sche Pi­na­ko­thek auf dem ehe­ma­li­gen Vieh­hof­ge­län­de ent­ste­hen. Ein gro­ßer Fan der Idee ist kein Ge­rin­ge­rer als Ger­hard Polt. Und er steckt mit sei­nen Küst­ler­spezln auch hin­ter dem Dass I ned lach-Be­ne­fiz­abend, der da­für Gel­der ein­spie­len soll. Mit von der Par­tie sind ne­ben Polt selbst un­ter an­de­rem Richard Oeh­mann und Josef Par­ze­fall vom „Dr. Dö­blin­ger“-Kas­perl­thea­ter, Ge­org Schramm, Lui­se Kin­se­her, „SZ Ma­ga­zin“-Ko­lum­nist Axel Ha­cke, Andre­as Re­bers, die Schau­spie­le­rin Gi­se­la Schnee­ber­ger so­wie die Mun­d­art-Rap­per von Dicht und Er­grei­fend. Ei­ne run­de Sach! (Kam­mer­spie­le, 2.2.)

Nicht schö­nen, aber schö­ner ma­chen – auf ih­re Art – möch­te auch Uta Kö­ber­nick die Welt. Ihr neu­er Pro­gramm­ti­tel klingt da­bei al­ler­dings fast wie ei­ne Dro­hung: „Ich bin noch nicht fer­tig“, sagt sie. Ent­schlos­se­nes Zö­gern ist für sie das Ge­gen­teil von Mei­nung und da­mit auch Trost, fau­le Aus­re­de und prä­zi­se Schlam­pe­rei. Da muss man sich durch­fuch­sen. (Lach- und Schieß­ge­sell­schaft, 27.10.)

Ni Hao – und los geht’s: Sven Kemm­ler ist weit­ge­reist und welt­wei­se, er möch­te nicht

nur sei­nen, son­dern auch den Ho­ri­zont sei­nes Pu­bli­kums er­wei­tern. Und des­we­gen geht es in sei­nem neu­en So­lo ins Land der gro­ßen Hoff­nun­gen. „Die Neue Mit­te – Chi­na für An­fän­ger“ist ge­nau das rich­ti­ge Pro­gramm zur Zeit. Weil ja doch al­le Ex­per­ten stän­dig be­stä­ti­gen: „Ähm, Chi­na“. Eben! (Lach- und Schieß­ge­sell­schaft, ab 29.1.)

Wenn Hel­muth Stei­er­wald vor sei­ne Gäs­te tritt, dann bli­cken die ge­nau­so be­trof­fen wie der Au­to­fah­rer kurz vor dem Wild­un­fall. Kein Wun­der, sein neu­es So­lo ist „Ent­schie­den zu hart“, wie er selbst zu­gibt. Schon die An­kün­di­gung da­bei ist ein Eti­ket­ten­schwin­del: Stei­er­wald ist halb Ira­ner, halb Tür­ke und heißt in Wirk­lich­keit Emir Pu­yan Tag­hik­ha­ni. Nach ei­nem wüs­ten Ge­la­ge im Hof­bräu­haus hat­te er sei­nen neu­en Na­men weg. (Schlacht­hof, 5.2.)

Schau­ri­ge Lie­der über Sack­haa­re, Mit­tel­al­ter­märk­te, die Ge­ma und all das, was Kin­der wis­sen wol­len, aber nicht hö­ren soll­ten, hat die Kra­wall-Trup­pe Eu­re Müt­ter im An­ge­bot. „Ich find ja die Al­ten geil“fasst den ei­ge­nen „hei­ßen Scheiß“der frü­he­ren Jah­re, soll hei­ßen vier Pro­gram­me in ei­nem, zu­sam­men. Di­ckes Ding. (Lust­spiel­haus, 28./29.1.)

„Welt­geist­fun­ken“ver­sprü­hen Rei­ner und Diet­mar Pa­nitz von den Mehl­pri­meln. Auch sie drängt es mit ly­ri­schen, lus­ti­gen, schrä­gen, skur­ri­len, oft neu­en, aber ger­ne auch mal ge­reif­ten Tex­ten und Lie­dern auf die Brettl. Und mit kon­ge­nia­ler Mu­sik­spiel­wut. Muss man er­lebt ha­ben. (Fraun­ho­fer­thea­ter, 24.1.)

Tröst­li­ches gibt’s zu gu­ter Letzt von Gün­ther.Stoi­ber.Hin­te­r­ecker. Das Trio, al­le Mit­te Drei­ßig, das sich auf der Schau­spiel­schu­le ken­nen­ge­lernt hat­te und im Fern­se­hen in di­ver­sen hei­mi­schen Pro­duk­tio­nen sehr prä­sent ist, zieht schon mal ei­ne ers­te Bi­lanz – dar­über, was beim Äl­ter­wer­den so al­les schief ge­lau­fen ist. Her­aus kommt ein Sam­mel­su­ri­um zwi­schen Freud und Grant, zwi­schen Ge­nie und Wahn­sinn. Fast wia im rich­ti­gen Le­ben. (Ver­eins­heim, 31.1.)

Trau­en Sie nicht die­sem Mann: JIM­MY CARR

Fürch­ten Sie sich vor die­sem Kerl: SI­GI ZIM­MER­SCHIED

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