He­len Wein­zweig

Schwar­zes Kleid mit Per­len (Wa­gen­bach)

In München - - LITERATUR - Jon­ny Rie­der

Die männ­li­che Nei­gung, beim Sex ein Kon­dom zu tra­gen, steigt of­fen­bar mit der Häu­fig­keit und emo­tio­na­len In­ten­si­tät, mit der die ge­fühl­te Luster­fül­lungs­ge­hil­fin ei­nen Kin­der­wunsch an­deu­tet. Als die Icher­zäh­le­rin Shir­ley ih­rem mys­te­riö­sen Lie­bes­spen­der Co­en­raad ei­ne Re­pro-An­sa­ge um die Oh­ren haut („Ich möch­te ein Kind von dir“), ringt er ihr ei­nen Schwur ab, nicht von ihm schwan­ger zu wer­den. „Trotz mei­nes Ver­spre­chens trug Co­en­raad da­nach stets ein Kon­dom, ei­gens da­für kon­zi­piert, sag­te er, um mei­ne Lust zu stei­gern. (...) Manch­mal fra­ge ich mich, ob der wah­re Zweck viel­leicht doch nur Schutz vor Be­trug war.“Hu­mor, der weh­tut, weil er am Fun­da­ment kratzt. Und weil er viel er­zählt, über das un­glei­che Ver­hält­nis von Frau­en und Män­nern, das ei­gent­lich nur tra­gisch wä­re, wür­de nicht manch­mal die Lie­be da­zwi­schen fun­ken. Da­mit na­vi­giert He­len Wein­zweig (1915-2010) ih­re Le­ser durch die­se skur­ri­le Ge­schich­te ei­ner ein­sa­men Frau, die be­haup­tet, als Lo­la Mon­tez ih­rer Ge­heim­agen­ten­af­fä­re qu­er durch die Welt zu fol­gen. Mit ba­ro­cker Fan­ta­sie zappt sich Shir­ley aus der Rea­li­tät. Wie ei­ne Va­ri­an­te zu Ter­ry Gil­li­ams Kult­film Bra­zil, wo der Held Sam Lo­wry der Kon­trol­le sei­ner Hä­scher ent­kommt, in­dem er wahn­sin­nig wird. Wie konn­te die­ses Buch nur so lan­ge un­ent­deckt blei­ben?

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