Das Ir­mi

Mo­dern Mu­nich Kit­chen á la Mo­na­co Fran­ze

In München - - INHALT - Pe­ter Trisch­ber­ger

Durch ei­nen völ­lig un­schein­ba­ren Ein­gang in der Goe­the­s­tra­ße kommt man zu­erst in ein klei­nes Foy­er, wo ei­nem von ei­nem sehr gro­ßen Bild ei­ne et­was äl­te­re, ver­schmitzt schmun­zeln­de Da­me der­art gnä­dig wis­send in die Au­gen schaut, dass man un­will­kür­lich denkt, dass müs­se ja wohl je­ne „Ir­mi“sein, nach der das Lo­kal be­nannt ist. Stimmt aber nicht, wie uns der freund­li­che Herr am Re­ser­vie­rungs­tisch­chen auf­klärt. Das Fo­to stammt aus ei­ner der hier re­gel­mä­ßig statt­fin­den­den Aus­stel­lun­gen des „Le Mé­ri­di­en“-Ho­tels, zu dem auch das Re­stau­rant ge­hört. Die wah­re Na­mens­ge­be­rin für das Lo­kal sei näm­lich „Irm­gard“, die grund­bo­den­stän­di­ge re­so­lu­te Haus­häl­te­rin und Kö­chin aus der Se­rie „Mo­na­co Fran­ze“, dar­ge­stellt von der gro­ßen „klei­nen“Er­ni Sin­gerl.

„Oh­ne Dill isst er ihn nicht ...“

Für bay­ri­sche, bo­den­stän­di­ge und gu­te Kü­che soll der Na­me „Ir­mi“al­so ste­hen, wird uns er­klärt. Und wir sind ge­spannt und gleich auch schon wie­der er­staunt, denn das Lo­kal hat mit er­war­te­tem baye­ri­schem Holz-und-Herr­gott-Zir­belIn­te­ri­eur so gar nichts am Hut: ein sehr ho­her Raum mit drei­er­lei ver­schie­den ho­hen Tisch- und Sitz­for­ma­tio­nen in lan­ger Rei­he, auf der ei­nen Sei­te zum schö­nen In­nen­hof mit ei­ner groß­zü­gi­gen Fens­ter­front – auf der an­de­ren Sei­te ho­he Wän­de, die mit ei­ner Art rie­si­gem, bun­tem „Fle­ckerl­tep­pich“be­stückt sind, der au­ßer sei­ner Hin­gu­ckerFunk­ti­on auch noch für ei­ne per­fek­te Raum-Akus­tik selbst bei Voll­be­trieb sorgt. Tat­säch­lich sitzt man hier ein­fach an­ge­nehm und durch­aus be­hag­lich. Auch der Ser­vice wird of­fen­bar nicht zwangs­mä­ßig in al­pen­län­di­sche Ri­tual­kluft ge­zwängt und ist durch­ge­hend le­ger und zu­vor­kom­mend freund­lich. Bei ei­nem fri­schen, hop­fi­gen „Mär­zen“von der Gie­sin­ger Braue­rei (3,90) in ei­nem schö­nen dick­wan­di­gen Spe­zi­al„Wil­ly-Be­cher“schau­en wir in die re­la­tiv über­sicht­li­che Spei­se­kar­te, ei­ne mitt­ler­wei­le oft üb­li­che Lo­se-Blat­tSamm­lung auf Holz­zwick­brett: Mo­dern Mu­nich Kit­chen wird hier ze­le­briert und „a bis­serl Ins­ze­nie­rung darf schon sein, bit­te­schön“. „Ir­mi“so heißt es auf der In­ter­net­sei­te, steht für „zeit­ge­mä­ße Tra­di­ti­on, Re­gio­na­li­tät ist Trumpf ... die Wurst kommt aus der Um­ge­bung, ge­nau­so der Fisch ... vie­les von hand­ver­le­se­nen Münch­ner Tra­di­ti­ons­be­trie­ben ...“: Al­so Gie­sin­ger Bier ist schon mal kei­ne schlech­te Adres­se, eben­so der Münch­ner Kindl Senf, der fei­ne Kä­se vom Töl­zer Kas­la­den und auch die gu­ten Würschtl vom Metz­ger Vo­gel aus Haid­hau­sen. Wir pro­bie­ren den ge­ba­cke­nen Kalbs­roll­bra­ten mit Kar­tof­felGur­ken-Sa­lat (18,80). Der pa­nier­te Bra­ten ist un­ge­wohnt, schmeckt aber sehr gut und kam so­zu­sa­gen wie ein Wie­ner Schnit­zel mit Zi­tro­nen­schei­ben, al­ler­dings aber noch mit ei­nem vor­treff­li­chem Kalbs­so­ßerl da­zu und ei­nem an­ge­neh­men, leicht süß­li­chen Kar­tof­felGur­ken­sa­lat, bei dem selbst­ver­ständ­lich der Dill nicht fehl­te (Zi­tat Ir­mi in Mo­na­co Fran­ze: „Oh­ne Dill isst er ihn nicht…“). Zur Nach­spei­se gab’s ei­ne sehr fei­ne Va­nil­le-Cre­me (6,20) mit schön knusp­ri­ger Ka­ra­mellkrus­te – zwar oh­ne die an­ge­kün­dig­ten ma­ri­nier­ten Bee­ren, da­für aber mit ei­nem durch­aus ak­zep­ta­blen Pflau­men­kom­pott.

Jetzt gibt’s eben Süß­kar­tof­fel-Pom­mes für den Herrn Mün­chin­ger!

Beim nächs­ten Be­such ha­ben wir dann die Rin­der­sup­pe mit Grieß­no­ckerl und Rin­der­fi­let­scheib­chen (5,40) pro­biert, ei­ne au­ßer­ge­wöhn­lich gu­te und ge­schmack­vol­le Rin­der­brü­he, mit we­nig, da­für aber sehr gu­ter Fleisch­ein­la­ge und zwei wun­der­bar per­fek­ten Grieß­no­ckerln – bes­tes Kü­chen­hand­werk. Auch der Winz­er­sa­lat (12,80) konn­te mas­siv punk­ten: fri­sche Kräu­ter- und Sa­lat­blätt­chen, schön dra­piert auf ei­nem gro­ßen, ova­len Tel­ler mit leicht ka­ra­mel­li­sier­ten Wal­nüs­sen, klei­nen säu­er­li­chen Bee­ren, sü­ßen Wein­trau­ben, rö­schen Crou­tons und ei­ner ge­schmack­lich über­zeu­gen­den, sehr fei­nen Vi­n­ai­gret­te. Die haus­ge­mach­ten Spi­nat-Teig­ta­schen (13,-) mit grü­nem Spargel, voll­mun­di­gen klei­nen To­ma­ten und Berg­kä­se ge­hör­ten wahr­schein­lich nicht un­be­dingt in das Koch-Re­per­toire der gu­ten „Irm­gard“, eben­so we­nig wie der wun­der­bar rau­chi­ge „Pul­led Bur­ger“(16,50) in ei­ner ge­toas­te­ten Lau­g­en­sem­mel mit ei­ner ge­nia­len Kreuz­küm­mel-Ko­ri­an­der-Mayo, feins­tem Blau­kraut­sa­lat und mit Ab­stand den bes­ten Süß­kar­tof­fel-Pom­mes, die wir je ge­ges­sen ha­ben.

Al­so: Wenn die gu­te See­le „Ir­mi“zeit­geist­mä­ßig jetzt die „Mo­dern Mu­nich Kit­chen“so gut kocht, sa­gen wir: „Macht’s nur so wei­ter!“ Wirts­haus, Bar, Re­stau­rant Goe­thes­tr. 4 80336 Mün­chen Tel:089/2422 2410 täg­lich 17.00 Uhr – 23.30 Uhr www.ir­mi-mu­en­chen.de

Le­gen­däe Kö­chin

Herr­li­cher Fle­ckerl­tep­pich

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