Gau­men und Geist

In München - - WEINMAHLEINS - Rai­ner Ger­mann

Die­ses Buch be­ginnt bei der gal­lo-rö­mi­schen Er­näh­rung, vie­le ken­nen die­se be­reits aus den As­te­rix-Co­mics, seit 1968 für vie­le deut­sche Kin­der der Erst­kon­takt mit fran­zö­si­scher Kul­tur und Kü­che. Über die mit­tel­al­ter­li­che Kost der Kreuz­fah­rer und Klös­ter schlägt „Vi­ve La Cui­sine – Kul­tur­ge­schich­te der fran­zö­si­schen Kü­che“(C.H. Beck) den Bo­gen zu der hö­fi­schen Fest­kul­tur Bur­gunds und dem ita­lie­ni­schen Ein­fluss in der Re­nais­sance. Ers­te Zä­sur stellt die hö­fi­sche Kü­chen­kul­tur des Son­nen­kö­nigs Lud­wig XIV. in Ver­sailles dar – er stell­te ei­ne bis heu­te gül­ti­ge Me­nü­fol­ge auf und er­hob die Ku­li­na­rik zu ei­ner Kunst­form. Nach der Re­vo­lu­ti­on wur­den vie­le hö­fi­sche Kö­che zwangs­läu­fig ar­beits­los, es blieb ih­nen nichts an­de­res üb­rig als sich selbst­stän­dig zu ma­chen – voi­là, das Re­stau­rant war ge­bo­ren! Und da­mit be­gann der Sie­ges­zug der fran­zö­si­schen Kü­che wie wir sie ken­nen, die Ent­de­ckung der Re­gio­nen, der ku­li­na­ri­sche Tou­ris­mus, die Ster­ne­kü­che. Der Au­tor und Gastro­soph Pe­ter Pe­ter hat be­reits mit sei­nen Bü­chern über die Kul­tur­ge­schich­te der ita­lie­ni­schen, deut­schen und ös­ter­rei­chi­schen Kü­che Stan­dard­wer­ke ge­schaf­fen und auch hier läuft er wie­der zu Hoch­form auf. Köst­li­ches An­schau­ungs­ma­te­ri­al bo­ten ihm Rei­sen und Re­stau­rant­be­su­che vor Ort und der Be­such drei­er Bi­b­lio­the­ken. Sel­ten wird fun­dier­tes Wis­sen so char­mant und flüs­sig ver­mit­telt, das Sach­buch liest sich span­nend wie ein Ro­man und macht Ap­pe­tit – auf Aus­tern und Cas­sou­let, auf Bouil­la­baisse und Pâ­té, Coq a vin und Crois­sants.

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